Corona Studios. Kunst im Ausnahmezustand

von red.
25/05/20

coronasakic1.jpgAchim Sakic, o.T., 2020, Bleistift auf Papier, 33,4 x 44,8 cm, Courtesy the artist

[26. Mai 2020]

Eigentlich bin ich mir als ‚Kunstschaffender’ nicht darüber im Klaren, inwieweit die ‚Auswirkungen des Lockdowns und anderer Beschränkungen durch Corona sich im Status meiner Bilder zeigen, beziehungsweise aufscheinen.
Auch empfinde ich nicht die Notwendigkeit, die gegenwärtigen sozialen Erfahrungen mit dem Lockdown in irgendeiner Weise in die inneren Momente der künstlerischen Bewegung aufzunehmen. Ob und wie sich die Erfahrungen in der ‚künstlerischen Praxis‘ konkretisieren, darüber kann ich hier keine Auskunft geben. Mein Gang ins Atelier ist auch in dieser unkalkulierbaren Gegenwart wie ganz gewöhnlich.

Unzweifelhaft aber sind die Begegnungen mit Menschen und Dingen in den letzten Monaten in ein andersartiges Licht getaucht, die sich vielleicht auch in der künstlerischen Produktion verwandelt einhausen.

— Achim Sakic, *1965, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.

Seite des Künstlers bei der Kienzle Art Foundation, Berlin

.....................................................................................................................................................................
[25. Mai 2020] Maristella Witt

coronamaristellamarie.jpgMaristella Witt, Marie Louise Mejer vom Binnengewässeramt, 2020, Mixed Media Collage, 37 x 25 cm

coronamaristellanamen.jpgMaristella Witt, Bezahlen Sie einfach mit Ihrem Namen, 2020, Mixex Media Collage, 6,5 x 28,5 cm

coronamaristellajuicy.jpg
Maristella Witt, Juicy, 2020, Mixed Media Collage auf Leinwand, 20 x 28 cm

Die Kunst sieht mir beim Schlafen zu

Außer mir wohnt in meinem 11,5 m²-Zimmer ein ein Meter breites, sehr gewöhnliches Bett, welches hauptsächlich dazu da ist, mein persönliches Schlafbedürfnis zu befriedigen.
Verteilt neben dem Bett stehen noch andere, mehr oder minder essenzielle Möbeleinheiten, die jedoch keine weitere Bedeutung für diesen Beitrag beinhalten, und folglich dem Internet vorenthalten bleiben. Drumherum tummeln sich verstaubte Bücher, gesammelte Fundstücke, verblichene Bilder. Hier und da recken sich (angeblich pflegeleichte) Pflanzenschöpfe dem kleinen quadratischen Fensterchen entgegen, und grüßen die Altbaufasssaden gegenüber.

Kurz gesagt: Es ist viel los auf diesen Dielen und eigentlich ist kein Platz mehr für auch nur einen zusätzlichen Gegenstand. Tja und dann kam Corona. Erst durch die Medien, dann in kleinen Speicheltröpfchen kam es herbeigewirbelt und schließlich wirbelte er auch unmittelbar um uns herum alles Mögliche auf. Alte Werte zum Beispiel. Oder festgefahrene Routinen. Also standen wir auf einmal, jeder für sich, ohne Vorwarnung, in einem stillen Wirbelsturm aus Liegengelassenem, längst Vergessenem und mehr oder weniger bewusst Verdrängtem.

Entweder mit entrüstetem Kopfschütteln, oder aber mit zustimmendem Nicken, verfolgten wir alle in den Medien, wie viele Mitbürger diesen Wirbelsturm sahen, keine Lust auf ihn hatten, und ihm einfach die Tür vor der Nase zuschlugen. Heisst: Individuen, die verräterisch braun gebrannt und unnatürlich fröhlich die Quarantäne hauptsächlich im Freien, oder unter Freunden verbrachten.

Andere haben das Regen-Cape ausgepackt und sich diesem Wirbelsturm gestellt, was meines Erachtens nach schwierige, tiefgreifende, jedoch durchaus bereichernde Eingebungen mit sich gebracht hat.

Künstlerisch gesehen jedenfalls, drehte ich meinem eigenen Wirbelsturm auch erst mal den Rücken zu und rückte dafür meiner Partnerin auf die Pelle, bei der ich unterkam und ihr wie eine dicke Hummel den Nektar…,äh ihren wertvollen Arbeitsplatz abzapfte. Der Platz beklagte sich bald, er wolle kein Arbeitsplatz sein, er sei für unsere Beziehung bestimmt. Diese steuerte bedauernd bei, dass es ihr etwas zu eng geworden war. Also entschied ich mich dafür, die Herausforderung anzunehmen und den Wirbelsturm in mein Zimmer einziehen zu lassen. Und er hatte ordentlich Gepäck dabei. Denn mit der Hochschule sind für uns Kunststudierende auch unsere Arbeitsplätze geschlossen. Uni dicht = Atelier dicht = zwei Koffer voll Künstlerbedarf zusätzlich vor meiner Zimmertür.

Das Abenteuer, neuen Platz zu schaffen, wo keiner war, begann. Ohne Schreibtisch gestaltete sich das ganze zusätzlich schwierig. Mir blieb das Bett, nun mit zusätzlichen Anforderungen belastet, und dem undefinierten restlichen Bodenplatz. Da ich gerne kleinformatig arbeite, war das künstlerische Schaffen gut umzusetzen. Ich entschied mich für Mixed media-Collagen, deren Erschaffen mir immer wieder Freude bereitet. Mit der Heißklebepistole lasse ich eifrig einzelne Elemente hervortreten oder transparent werden, als wäre ich selbst COVID 19. Eine Parallele, die mir gefällt. Dabei nehme ich in Kauf, dass mir beim Auf-dem-Boden-Sitzen regelmäßig alle möglichen Gliedmaßen einschlafen.

Doch das wirklich Interessante passiert eigentlich erst, wenn es allmählich dunkel wird und die Nacht mit ihren langen Schattenbeinen meine Müdigkeit einläutet. Denn in der Nacht schaut mir die Kunst beim Schlafen zu. Zeitschriftenschnipsel, Kleber, Farben und Pinsel liegen um das Kopfende meines Bettes herum. Von oben betrachtet muss es aussehen, als würde ich im Material baden. Wenn ich im Bett liege, ist es still, und ich fühle mich auf eine sonderbare Weise beruhigt, in der Präsenz meiner Werke zu liegen. Sonst betrachtet man sie kritisch im geschäftigen Tageslicht, doch jetzt schweife ich gemächlich ab, wilde Träume und Unterbewusstes zieht mich zu sich, und so sehe ich auch die Kunst in einem anderen Licht. In der Spiegelung des Dachfensters über mir kann ich sie sehen, meine Kunst, wie sie lässig an der Wand lehnt und meinen Blick still erwidert. Da wird mir wird ihre Beständigkeit so richtig bewusst. Ich habe sie erschaffen, also nehme ich eine Art mütterliche Rolle ein, die Leinwand da wird mich überleben, wenn sich jemand um sie kümmert. Und auch wenn ich mich, inmitten meiner Kunst schlummernd, mich irgendwie geborgen fühle, fühle ich mich auch ein wenig beobachtet. Mike Kelley argumentierte in seinem Text zu seiner Ausstellung „The Uncanny“ 1993, dass Skulpturen Menschen Angst machen, da sie mit ihrer eigenen Sterblichkeit konfrontiert werden. Vielleicht ist da ja etwas dran, auch wenn ich weniger Angst spüre, sondern eine eigenartige Verbundenheit zu meinen Werken, die ich bis jetzt so noch nicht zuvor empfunden hatte.

— Maristella Witt, * 1997, studiert Bildende Kunst in Freiburg.

Homepage der Künstlerin

.....................................................................................................................................................................
[24. Mai 2020] Annette Voit

coronavoitneu.jpg

Social Distance

Dies ist bisher nur eine Skizze.
Das Portrait fand ich im Internet. Die Frau war mir ganz sympathisch, bis sich herausstellte, dass sie keine Person im engeren Sinne ist, sondern ein von einer KI errechnetes Produkt. Ich weiß nicht, ob sie das weniger menschlich macht.

Die Idee zu dieser Arbeit stammt nicht aus Coronazeiten, sie spukt schon länger in meinem Kopf. Aber nun fand ich sie ganz passend zu meiner derzeitigen, vielleicht schon bald überwundenen Situation des „Online-only-Daseins“ (frei nach Michael Moorstedt in der Süddeutschen Zeitung). Denn durch zuerst gesundheitsamtlich, dann staatlich verordnete Selbstisolation im Homeoffice kommuniziere ich seit Wochen hauptsächlich mit meinem Bildschirm.

Mich interessieren Vorstellungen und Kopfkinos und wie sie aus zusammengestellten äußeren Reizen wie Worten, Bildern, Geräuschen, Gerüchen usw. geknüpft werden.

— Annette Voit *1969, lebt und arbeitet in Freiburg. Zuletzt waren Arbeiten von ihr in einer Soloschau im Freiburger Kunsthaus L6 zu sehen.

Quelle des Porträts

.....................................................................................................................................................................
[23. Mai 2020] Richard Schindler

coronarschindler1.jpg

coronaschindler2.jpg

coronaschindler3.jpgFotos: Richard Schindler, 2020, Courtesy the artist

[Transkriptauszug eines Interviews von Petra Bach mit Richard Schindler]
Das vollständige Interview finden Sie hier.

(...)
Petra Bach:
Ist es ein allzu großer Sprung, wenn wir unsere Aufmerksamkeit wieder auf die neue Sichtbarkeit lenken? Auf die Absperrungen der Kinderspielplätze etwa? Kindheit ist ja an sich schon eine gar nicht so alte Erfindung der Erwachsenen und, wenn sie in den Blick gerät, immer schon vergangen; verbunden mit Schmerz und mit Glück. Karl Kraus beteuerte, in seiner Kindheit hatte er auf den Feldern und Wiesen hinter dem Haus seiner Eltern ausschließlich Verkehr mit Admiralen. Während Friedrich Nietzsche fragte: Welches Kind hat nicht Anlass, um seiner Eltern Willen zu weinen.

Richard Schindler: Abgesperrte Kinderspielplätze muten erst einmal unmittelbar traurig an. Meist sind es rot-weiße Flatterbänder, die auf einfachste Art und Weise um einzelne Spielgeräte oder den ganzen Spielbereich geschlungen sind. Diese wenig aufwändige Absperrtechnik ist sehr vertraut von sonst frei zugänglichen, meist kleineren Baustellen, von denen nur in sofern Gefahr ausgeht, als sich Personen dort selbst gefährden können. Flatterbänder finden Verwendung zur Kennzeichnung von eher geringen Gefahrenstellen.

Wenn dagegen Umstände gesichert werden sollen, die durch unerlaubten Zugang beschädigt oder gar zerstört werden können, sind meist massivere Maßnahmen im Einsatz, wie zum Beispiel hohe, flexible und eigens dafür geschaffene Metallzäune. Auch bei Gefahrenlagen, die Unbefugte unmittelbar bedrohen, wie zum Beispiel Starkstromanlagen, Steilhänge oder tiefe Schächte etc. bei denen also Personen und nicht die Anlagen geschützt werden sollen, werden ebenfalls stabilere Absperrtechniken verwendet. In Ausstellungen von wertvollen oder berührungsempfindlichen Exponaten – in Installationen mithin, die nur zum Betrachten, nicht zur anderweitigen Nutzung gedacht sind, gibt es häufig zwar sichtbare, aber nicht physisch absperrende Linien-Markierungen am Fußboden.

Folgt man dieser bekannten Logik, macht die Flatterband-Absperrung der Kinderspielplätze jedenfalls klar, dass man sich dort selbst gefährden kann. Nicht, dass die Anlage als solche gefährdet ist, sondern vielmehr, dass man sich dort selbst gefährden kann. Damit herrscht aber die eigentümliche Gleichzeitigkeit sich widersprechender Aufforderungen. Es ist sichtbar, wozu die Plätze gedacht und eingerichtet sind, es gibt einen Appeal der Einrichtungsgegenstände, der Materialien und Geländeformen. Und es ist zugleich sichtbar, dass genau das verhindert ist.

In pädagogischen Verhältnissen können simultane, aber sich widersprechende Aufforderungen zu schizophrenen Pathologien bei Kindern führen. Kinder können in quälende Verzweiflung stürzen, wenn ein Verhalten verbal streng getadelt wird, aber zugleich mit wohlwollendem Lächeln gelobt wird: Ein Kind soll ein anderes nicht stoßen und schlagen, es soll sich aber auch tatkräftig durchsetzen und wehren. Mehrdeutigkeit ist unter Umständen besser auszuhalten oder einer Klärung näher zu bringen, als sich widersprechende Zweideutigkeit. Was sagt uns das?

(...)

— Richard Schindler, *1949, lebt und arbeitet in Freiburg.
Zuletzt waren Ausstellungen von ihm zu sehen im Kunstverein Kirchzarten und im Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg. Arbeiten aus seiner Werkgruppe "Kool Killer Systems" sind zudem permanent installiert im Museum für Neue Kunst, Freiburg.

Homepage des Künstlers

.....................................................................................................................................................................
[22. Mai 2020] Jasmin Kraft

coronakraft1.jpg

coronakraft2.jpg

coronakraft3.jpgJasmin Kraft, hi, how are you, 2020, Installation auf dem Balkon der Künstlerin, Courtesy the artist

Ich lebe seit rund dreieinhalb Jahren mit meinem Mitbewohner zusammen, der sich am Fraunhofer Institut mit Solarsystemen beschäftigt und seit jeher eher selten etwas mitbekam von dem, was ich da eigentlich mache.
Er bepflanzt jedes Jahr einen beachtlichen Anteil unseres nicht ganz so großen Balkons und sorgte für das ein oder andere selbstproduzierte Gemüse. Kürzlich haben wir Ofenkartoffeln gemacht, die im Winter noch am Fenster seines Zimmers gewachsen sind.

Ich wollte meine Porträts, die auf etwa gleich großen Leinen-Stücken gemalt sind, an einer Wäscheleine gehängt auf unserem Balkon installieren und so in einen gemeinsamen Kontext einbetten. Das Schaffen kann ebenso banal sein wie die Erscheinung einer Wäscheleine in den eigenen vier Wänden, wo sich die Installation befindet und wo die einzelnen Teile entstanden sind. Ich mag, wie Schaffensort und Ausstellungsort miteinander verbunden sind.

Nachdem ich die Stücke aufgehängt hatte fiel mir auf, wie die Installation mit ihren Gesichtern und der Schrift im Wind und im Gegenlicht ihr Eigenleben bekam - für mich trug das zu einer ganz eigenen Komik bei. Daher entschloss ich mich, sie erst einmal mit meinem Mitbewohner, der bald nach Hause kommen würde, alleine zu lassen, da ich noch einen Termin hatte. Sie hing direkt vor seinem Fenster und bot ihm eine exklusive Situation.

Ich habe mich erst seit Beginn der Isolation mit dem Malen und Zeichnen von Porträts beschäftigt - als ein Gebiet, von dem ich mich lange Zeit ferngehalten habe. Der Wunsch, mich direkter mit Personen und Gesichtern zu beschäftigen, ist bereits vor dem Lockdown immer weiter gewachsen, aber mit diesem sind Fragen zu Verbindungen nach außen präsenter geworden.
Mit wessen Erscheinung möchte ich mich näher beschäftigen, und welchen Auswahlkriterien folge ich?

Gerade in den letzten Wochen, in denen direkter menschlicher Kontakt in vielen Fällen wohl gänzlich dem digitalen weichen musste, stellte sich mir auch mehr die Frage nach dem Analogen und dem Materiellen, aber auch das Selbstporträt wurde präsenter, da ich seit Beginn des Lockdowns mit sehr beschränktem Kontakt nach außen nun noch mehr Zeit für mich selbst hatte. Ich sah mich mehr mit eigenen Gedanken und immer wiederkehrenden Glaubenssätzen konfrontiert. Mit diesen möchte ich mich nun zunehmend beschäftigen.

— Jasmin Kraft, *1996, lebt, arbeitet und studiert in Freiburg.

.....................................................................................................................................................................
[21. Mai 2020] Jürgen Oschwald

coronajuergenosch1.jpg
coronajuergenosch2.jpg
 
coronajuergen3.jpgJürgen Oschwald, Corona Blues, Serie, Grafit, Tusche auf Papier, 14,8 x 10,5 cm, 2020

Mein Atelier ist verwaist. Kunstwerke sind gelagert. Gerade habe ich einen Siebdrucktisch in Kenzingen abgeholt. Dort ist die Galerie Menzel einem Großbrand zum Opfer gefallen. Der Tisch hat überlebt. Jetzt steht er auseinander gebaut bei mir im Atelier.
Es gibt Zeiten, da komme ich nicht ins Atelier. Gerade ist es so. Es gibt eine innere Blockade, kein Drang dort zu arbeiten. Ich spüre keine zwingende Notwendigkeit im Atelier zu sein, auch mitbestimmt durch die Corona Pandemie. Anstatt dessen arbeite ich zu Hause. Ich zeichne und koloriere gerade eine Serie von Akten, Erotik Fotos und Retro Pornos. DIN A4 und Postkartengroß … und diese verscherble ich über Ebay. Sechs Stück habe ich bereits verkauft.

Bei mir sind ansonsten einige Dinge auf Null gefahren. Wöchentliche Installationen im Club tageins, Performance, Workshopleiter bei Jugendkunstparkour und E-Lab (E-Werk, Kabuff) waren geplant und sind abgesagt und verschoben oder finden digital statt. Für die Theaterbar war eine Aussenarbeit geplant … Da fehlt mir einiges an Kohle. Soforthilfe habe ich beantragt und erhalten. Das hilft für eine gewisse Zeit …
Im Gegensatz dazu genieße ich die Ruhe und bin viel bei meinen zwei Jungs Linus und Paul. Kochen, Fifa zocken, Uno und Puzzle Spiele. Ansonsten mit meiner Freundin und Freunden in der Natur wandern. Den Schwarzwald erkunden. Ich freue mich über den ersten Geburtstag meiner Enkeltochter Nila und bin froh, dass meine Eltern wohlauf sind.

In meinem Kopf habe ich Siebdrucke und neue Arbeiten.

— Jürgen Oschwald, * 1969, lebt und arbeitet in Freiburg.

Homepage des Künstlers

.....................................................................................................................................................................
[20. Mai 2020] Ben Hübsch

coronahuebsch1.jpg

Beim Stöbern in meiner Plattensammlung fiel mir neulich eine Schallplatte von Supertramp in die Hände. Sie trägt den Titel „Crisis? What Crisis?“ und ist aus dem Jahr 1975.
Ich erinnerte mich, wie ich damals im Alter von 14 oder 15 Jahren die Platte gekauft habe. Die Entscheidung dafür war maßgeblich durch das Cover geprägt, das mir nach wie vor sehr gut gefällt. Das Bild hat nichts an seiner Aktualität verloren — im Gegenteil.

Bei der Recherche nach seinem Ursprung erfuhr ich, dass sich der Titel auf den Film „Der Schakal“ bezieht. Wikipedia gibt folgende Auskunft:
„Der Schakal (Originaltitel: The Day of the Jackal) ist ein britisch-französischer Thriller von Fred Zinnemann aus dem Jahr 1973 mit Edward Fox in der Titelrolle und Michael Lonsdale als dessen Verfolger. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Frederick Forsyth und beschreibt, angelehnt an reale geschichtliche Abläufe (Attentat von Petit-Clamart), die minutiöse Planung eines Attentats auf den französischen Präsidenten Charles de Gaulle durch einen bezahlten Killer und das Katz-und-Maus-Spiel des Attentäters mit der französischen Polizei."

Diese Kette von Bezügen zeigt das ironische Katastrophenbild auf dem Plattencover nicht und stellt einen neuen Zusammenhang her. Bild und Schrift beziehen sich in diesem Fall also klar aufeinander.
Damals interessierte mich vor allem das Bild. Heute reizt mich der Titel selbst.
Seit Wochen wird ständig und in fast allen Zusammenhängen nur noch von der Krise gesprochen. Auch wenn die derzeitige Lage sehr dramatisch ist, und die ganze Welt davon betroffen ist: Wir Menschen haben oft irgendwelche Krisen. Das fängt im Privaten an und endet im Globalen. Die Frage allgemein zu stellen, ist für mich die Antwort auf die aktuelle Krise.

coronahuebsch2.jpgBen Hübsch B646, 2020, Acryl auf Leinwand, 110 x 200 cm, Courtesy the artist

In meinem Bild B646 verzichte ich auf jegliche Bildinhalte und Satzzeichen. Die Schrift ist das Bild. Ich gestalte es mit drei Zeilen in Großbuchstaben, die sich überlagern. Die Spiegelschrift im Hintergrund macht das Bild räumlich. So verstanden kreist das Wort „Crisis“ um das Wort „What“ herum und stellt eine Bewegung dar. Auf der anderen Seite erinnert die Spiegelschrift an den Spiegel und bezieht so den Betrachter mit ein.

Ich wählte für die Wörter „Crisis“ die Typografie „Rockwell“. Hierbei gefielen mir die ausgeprägten Serifen und das übergroße „C“ und „R“ die fast comicartig den kehligen Laut des Wortes zeigen und nicht weit vom bekannten GRRRR des genannten Genres entfernt sind.  „What“ bleibt bildzentral nüchtern und ohne Serifen in „Arial“.
Die Farbe vermittelt auf den ersten Blick poppige Fröhlichkeit, Rot und Orange vibrieren durch ähnliche Helligkeit auf dem türkisfarbenen Hintergrund.

Auch nach dieser Krise wird es weitere Krisen geben, in diesem Sinne:
Let´s rock the crisis.


— Ben Hübsch, *1963, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.
Er wird vertreten von der Oechsner Galerie, Nürnberg.


Homepage des Künstlers

.....................................................................................................................................................................
[19. Mai 2020] Miriam Sophie Beichert

coronabeichert3a.jpgMiriam Sophie Beichert, Collagen aus dem Off, 2020, Collagen (10x15 cm, 18x13 cm, 15x11 cm), Courtesy the artist

coronabeichert2.JPGMiriam Sophie Beichert, Ohne Titel, 2020, Blutiges Taschentuch, gerahmt, 20 x 15 cm, Courtesy the artist

coronabeichert1a.jpgMiriam Sophie Beichert, Isolation, 2020, Öl auf Leinwand, 40 x 40 cm, Courtesy the artist

Mit sich selbst in den eigenen vier Wänden eingesperrt. Die Mithäftlinge: Gedanken, die man längst totgedacht glaubte, Zweifel, Grundsatzfragen, Erkenntnisse.
Durch den Ausbruch des Virus Covid-19 war Improvisation gefordert. Mein Atelier in der Hochschule musste schnellstmöglich umziehen – in das Zimmer, in dem ich lebe, schlafe, Musik mache, sonstigen Beschäftigungen nachgehe und vor allem: abschalte.

Das Home-Atelier – rund um die Uhr zugänglich, jeder Zeit bereit, in Anspruch genommen zu werden – eigentlich eine schöne Vorstellung. Doch der anfangs so ansprechende Gedanke trügt.

In all der Ungewissheit, ständig konfrontiert mit dem Gedanken „Ich sollte jetzt doch eigentlich so produktiv wie sonst nie sein, schließlich habe ich doch alle Materialien vor der Nase und massig Zeit sowieso“, mündete ich schließlich in einer kleinen „Schaffenskrise“, die von Druck und leider oft auch von Unproduktivität gezeichnet war. Ich fing an, hörte wieder auf, begann erneut, legte beiseite. Nicht nur die Welt da draußen, auch meine Welt hier drinnen schien wie lahmgelegt. Wie nie zuvor wurde mir bewusst, wie sehr das Arbeitsklima und das Ambiente meines Hochschulateliers und die strikte Trennung von Privatraum und Arbeitsraum zu meiner künstlerischen Schaffenskraft beitragen. Eine Erkenntnis, für die ich sehr dankbar bin!

Vor allem die soziale Isolation und der Frust über das Gefühl des Nicht-voran-Kommens trug dazu bei, dass ich mich mehr und mehr in ein negatives Gedankenkonstrukt abrutschen fühlte. Im Nachhinein betrachtet – es mag befremdlich klingen – war dies für mein künstlerisches Tun allerdings sehr wertvoll. Die ausgelösten Gedankengänge gaben Anreiz zur (Selbst-)Reflexion, einiges wurde mir klar. Und genau dieser Gedanke des Sich-selbst-ausgesetzt-Seins brachte mir nach und nach den Drang zur künstlerischen Produktivität zurück – ich fertigte Malereien und Collagen als Momentaufnahmen der Ungewissheit, der Enge, der Isolation, auch der Einsamkeit an.

Seit dem 11.Mai habe ich nun wieder Zugang zu meinem Atelier und ich bin gespannt, welche Erkenntnisse, Gedanken und Empfindungen der vergangenen Zeit, sich in meine kommenden Arbeiten einschleichen werden.

Paradox: Der Mensch mag zwar ein Egoist sein, aber eben auch ein Rudeltier.
Außerdem: YOUR PRODUCTIVITY DOES NOT DEFINE YOUR WORTH – klingt geschwollen, ist aber wahr.

— Miriam Sophie Beichert, *1999, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br., Studentin der Bildenden Kunst.
Aktuelle Werke von ihr sind in der FWTM in Freiburg im Rahmen des Ausstellungsprojektes "L'Off Space" zu sehen.

Homepage der Künstlerin

.....................................................................................................................................................................
[18. Mai 2020] Hans Rath

coronarath1a.jpgHans Rath, Kastanienzweig, Dipthychon, je 45 x 34 cm, gemalt am 24. und 25.3.2020, Öl auf Leinwand

coronarath2a.jpgHans Rath, Apfelbaumblüten I, 65 x 81 cm, 6.4.2020, Öl auf Leinwand

coronarath3a.jpgHans Rath, Apfelbaumblüten II, 46 x 38 cm, 15.4.2020, Öl auf Leinwand

Gottseidank kann niemand die Natur „herunterfahren“.
Deshalb war es mir möglich auf der verwilderten Obstwiese am Ende meiner Straße, der Kartäuserstraße, die verschiedenen Stadien der Blüte von Birn-
und Apfelbaum zu beobachten und in Malerei umzusetzen. Und das in aller Ruhe, so, als wäre Corona nur ein Gespenst, das mich nicht heimsucht.

— Hans Rath, *1952, lebt und arbeitet in Feiburg i.Br.
Demnächst eröffnet im Universitäts-Herzzentrum Bad Krozingen eine Soloschau von Hans Rath (voraussichtlich ab 20.5., Näheres bitte telefonisch erfragen unter 07633 402-0). Im Sommer zeigt das Morat-Institut für Kunst und Kunstwissenschaft, Freiburg i.Br., zudem Porträts von Hans Rath.


Seiten des Künstlers bei Galerie G, Freiburg i.Br, Jiri Svetska Gallery, Prag und Galerie Ruppert, Birkweiler.

.....................................................................................................................................................................
[17. Mai 2020] Wolfram Scheffel

coronascheffel1a.jpgAtelier im E-Werk am 25. März 2020, Foto: Wolfram Scheffel

coronascheffel2a.jpgWolfram Scheffel, Spuren im Schnee, 2020, Öl auf Leinwand, 55 x 75 cm, Foto: Bernhard Strauss   

coronascheffel3a.jpgWolfram Scheffel, Villa unter Pinien, 2020, Öl auf Leinwand, 70 x 100 cm, Foto: Bernhard Strauss

Grundsätzlich hat sich an meinem Alltag seit Mitte März nicht viel geändert – der tägliche Weg an der Dreisam entlang zum Atelier, das Malen allein im Arbeitsraum.

Draußen ist alles wie angehalten, wie in Zeitlupe, sehr still – auch im E-Werk. „Früher“ habe ich oft Musik (Klassik, z.T. auch Radio) gehört beim Malen – jetzt: Nichts. Diese eigenartige Stille zwingt fast zu noch mehr Ruhe – aber ich empfinde sie nicht als Kraftspeicher, sondern irgendwie lähmend.
Gut – die Arbeitsdisziplin hilft, ins Atelier zu gehen, auch wenn nicht klar ist, wann überhaupt Galerien wieder geöffnet, Ausstellungen gesehen werden können.

Obwohl ich die Schneeserie beenden wollte, scheint mir das Bildthema vom Spießhorn gerade gut für die Situation im März 2020 – zudem ist es draußen kalt geworden, aber sonnig. Also los geht’s mit dem Malen!

Als nächstes Bild beginne ich eine südliche Architektur-Landschaft – die Skizze dazu stammt aus Hyères …

Gestern habe ich zum ersten Mal nach 6 Wochen Musik im Atelier gehört: Nina Simone.

— Wolfram Scheffel, *1957, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.
Zurzeit sind Bilder von ihm in einer Ausstellung im Jenaer Kunstverein zu sehen (bis 20. Mai).


Homepage des Künstlers

.....................................................................................................................................................................
[16. Mai 2020] Nicole Bachmann
 
coronanicolebachmann1.jpg

coronanicolebachmann2a.jpg

coronanicolebachmann3.jpgNicole Bachmann, full stop slightly high, 2020 @VITRINE London, courtesy the artist

In meiner künstlerischen Praxis beschäftige ich mich immer wieder mit Sprache, mit deren Bedeutung in der Gesellschaft und mit der Verbindung zwischen Sprechakt und Körper. Dabei gilt mein Interesse auch der Frage, wie Sprache und Körper als Form von Widerstand oder Protest funktionieren können. Dabei spielt der Körper als Ort des Wissens eine zentrale Rolle.

In den letzten Wochen hatten Fragen nach Körperlichkeit, Nähe, Austausch und Kollaboration plötzlich eine andere Dringlichkeit. Was heisst es in Zeiten von „social distancing“ eine kollaborative und performative Praxis zu haben? Und wie erleben wir diese Entfremdung der Körperlichkeit?

Ich hatte Mitte März, kurz vor der Schliessung noch eine neue Performance „full stop slightly high“ (2020), in London bei VITRINE gezeigt. Die Arbeit beschäftigte sich mit sozialen Normen, deren Verinnerlichung und der darauf folgenden Selbstzensur. Die zwei Tänzerinnen sprachen und bewegten sich in dem langen, schmalen Raum, welcher zum Platz hin aus Fenstern besteht, wobei der Raum als Sinnbild dieser Einschränkungen fungierte. 

Durch die neue Situation der Pandemie, bekam die Arbeit plötzlich einen leicht anderen Inhalt. Es betraf nicht nur die Normierung der inneren Welt, sondern nun vor allem die Aussenwelt, welche stark reglementiert wurde. Die Tänzerinnen waren plötzlich nicht mehr nur eingeengt, sondern nun durch die Scheiben von den Körpern des Publikums geschützt. Zudem wurde die Scheibe ein Symbol der Trennung zwischen den Körpern. Die Arbeit war ein zutreffender Kommentar zu der momentanen Situation.

Die Zeit im Atelier brauchte ich hauptsächlich zur Recherche und Schreiben neuer Texte. 

— Nicole Bachmann, *1973, lebt in London und Zürich.
DBachmann ist vom 18. September bis 1. November 2020 an der Ausstellung "Fluid Bodies" in der Galerie für Gegenwartskunst, E-Werk, in Freiburg beteiligt.

Homepage der Künstlerin

.....................................................................................................................................................................
[15. Mai 2020] Thomas Kitzinger

coronakitz1.jpgThomas Kitzinger, A5-19, 120 x 70 cm, und A4-19, 120 x 70 cm, beide 2019, Öl auf Aluminium, Foto: Bernhard Strauss

coronakitz3.jpgThomas Kitzinger, A2-20 , 120 x 200 cm, 2020,  Öl auf Aluminium

coronakitz2.jpgThomas Kitzinger, A1-20, 200 x 120cm, 2020,  Öl auf Aluminium

Ich habe in den vergangenen Wochen viel an der Ausstellung gearbeitet, die ab Ende Mai im PEAC Museum zu sehen sein wird.
Wir hatten früh mit der Hängung angefangen, so dass genug Zeit war, um vor Ort zu sehen, was funktioniert und was nicht. So etwas treibt mich immer sehr um. Jetzt bin ich froh, wie sie hängt.


Ansonsten hat sich durch den Corona-Lockdown für mich nur wenig verändert. Ich male nach wie vor und freue mich über die Ruhe, die es jetzt gibt. Sie kommt mir sehr entgegen. Ich reise zum Beispiel nicht gerne. Am liebsten bin ich zuhause, lese, habe mein Radio und meine Musik. Dass das Reisen jetzt flach fällt, finde ich gut. Für mich ist Arbeiten in gewisser Weise wie Freizeit. Im Grunde genommen genieße ich diesen Kampf mit den Bildern, auch wenn ich oft nicht zufrieden bin.

Ich probiere zurzeit viele neue Sachen aus. Seit Anfang März arbeite ich an Bildern, die fast schon abstrakt wirken, aber in ihrer tromp-l’œil-artigen Komposition aus Abdrücken und Schatten in einem vagen Raum auch etwas merkwürdig Unwirkliches haben. Was mich daran interessiert ist, dass diese Bilder einerseits fast realistisch wirken, aber anderseits nichts zeigen außer eine Idee von Räumlichkeit. Ganz lapidar und organisch.  

Ob dieses Interesse etwas mit den Auswirkungen der aktuellen Coronakrise zu tun hat? Ich denke nicht. Eher habe ich das Gefühl, dass die plötzliche Ruhe all das intensiviert, was ich sowieso schon in mir habe. Man trifft nicht mehr so viele Leute. Es ist nicht mehr so hektisch. Man nimmt die Formen anders wahr und die Schatten. Die Dinge wirken auf einmal auf fast angenehme Weise geisterhaft, vielleicht wie auf einem Bild von De Chirico.

Neben dem Malen und der Vorbereitung meiner Ausstellung habe ich in den letzten Wochen viel Zeit mit Büchern verbracht – unter anderem mit Thomas Pynchons „Die Ende der Parabel“ – das war für mich früher DAS Buch. Jetzt ist es pünktlich zum Lockdown als Hörspiel erschienen. — Protokoll: Dietrich Roeschmann

— Thomas Kitzinger, *1955, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.
Das PEAC Museum Freiburg widmet Thomas Kitzinger derzeit eine große Einzelausstellung mit Porträts aus der Serie „24.10.1955“ (24. Mai bis 20. September).

Homepage des Künstlers

.....................................................................................................................................................................
[14. Mai 2020] Hösl+Mihaljevic

coronahoesl1.jpgLa Visite, 2020, Maison la Roche, Pairs, Fotos:Hösl+Mihaljevic, Courtesy the artists

coronahoesl2.jpgFrauen des Hauses, 2020, BIA Lenzkirch, Fotos: Hösl+Mihaljevic, Courtesy the artists

In den letzten Wochen, in denen sich ein noch größerer Teil des Lebens als sonst in den eigenen vier Wänden abspielte, wurde uns verstärkt bewusst, welche Rolle Räume und Architekturen für uns spielen. So hat auch der architektonische Rahmen der beiden Ausstellungen, die wir gerade vorbereiten, eine zusätzliche Bedeutung erhalten.
In unserer künstlerischen Arbeit beschäftigen wir uns seit längerem mit zwei Privathäusern von Le Corbusier, der Villa Savoye und der Maison la Roche. Für letztere planen wir für nächstes Jahr eine Installation, die auf die architektonischen Eigenheiten des Gebäudes reagieren und diesem, schon lange nicht mehr bewohnten Haus, einen Besuch abstatten wird, La Visite.

Und schon in diesem Sommer, sofern es die Einschränkungen zulassen, eröffnen wir im BIA (Black Forest Institute of Art c/o Schnarrenberger, Lenzkirch) die Ausstellung „Die Frauen des Hauses“, bei denen es sich um Kunstwerke aber auch um Personen handeln wird, die auf verschiedene Weise mit dem BIA und mit Melitta, die dort über fünfzig Jahre lang gelebt hat, verbunden sind. Ihr künstlerisches Werk hat gegen Ende ihres Lebens noch einmal verstärkte Aufmerksamkeit erfahren, Selbstbildnisse spielten darin eine wichtige Rolle, aber auch das Haus selber, das sie immer wieder veränderte und spielerisch umgestaltete, war Anlass für zahlreiche Bilder.

In dieser Hinsicht hätten die Ausgangsbeschränkungen für Melitta vermutlich keine große Herausforderung bedeutet. Andererseits war ihr Haus kein stiller Ort des Rückzugs. Es wurde belebt von Besuchen, Gesprächen, Telefonaten, Briefen und künstlerischem Austausch. „Die Frauen des Hauses“ wird einige dieser Besuche und die daraus entstandenen Verbindungen abbilden und davon ausgehend neue anstoßen und soll damit erneut die Möglichkeit bieten, das Haus besuchen zu können – so weit und so nah es Corona dann zulassen wird.

— Hösl+Mihaljevic leben und arbeiten in Freiburg i.Br.
Im Juli und August zeigen sie „Die Frauen des Hauses“ im BIA (Black Forest Institute of Art c/o Schnarrenberger, Löffelschmiede 2) in Lenzkirch. Im Januar 2021 eröffnet in der Maison la Roche, Fondation Le Corbusier, Paris, ihre Ausstellung „La Visite/The Visit/Der Besuch“.


Homepage des Künstlerpaares

.....................................................................................................................................................................
[13. Mai 2020] Jacob Ott

coronaott1.jpgJacob Ott, He was muted, how can she stop sharing her screen?, Foto: Jacob Ott & Pina Haas, 2020, courtesy the artist

coronaott2aneu.jpgJacob Ott, o.T., 2020, Laser print on paper, 128 x 91 cm, Foto: Jacob Ott, courtesy the artist, wird im Rahmen einer Plakataktion im Sommer in Basel zu sehen sein

Seit März sind alle Studios und Werkstätten am Institut Kunst in Basel geschlossen. Da habe ich mir eine Scheune auf dem Hof meiner Eltern mitten im oberbayrischen Niemandsland zum Notfall-Atelier umfunktioniert.
Trotz meiner momentan physisch extrahierten Lage bin ich weiterhin sehr stark in den Online-Rhythmus meines Studiums integriert. Jetzt diskutiere ich mit ‒ je nach Leitung ‒ sehr abstrakten Abbildern meiner Lehrer*Innen und Kommiliton*innen über Abbilder ihrer und meiner Arbeiten; ein sozusagen sehr ungegenständlicher Kunstdiskurs. Im Notfall-Atelier arbeite ich gerade an radikalen Konzepten für eine bessere Zukunft und an grossformatigen Malereien.

Und da Hannah Arendt schon Ende der 1950er Jahre von der Problematik einer „Arbeitsgesellschaft, der die Arbeit ausgegangen ist” gesprochen hat, habe ich mir, um diesem Problem entgegen zu wirken, einen Kartoffelacker angelegt mit dem ich jetzt erstmal genug Arbeit und einen angemessen erdigen Ausgleich zum virtuellen Dings habe.

— Jacob Ott, * 1992, lebt und arbeitet in Freiburg, studiert derzeit in Basel.

Homepage des Künstlers

.....................................................................................................................................................................
[12. Mai 2020] Dietrich Schön

schoen1.jpg

schoen2.jpg

schoen3.jpgAnsichten aus dem Atelier, Villa Mitscherlich, Mai 2020, Fotos: Dietrich Schön

Vielleicht gehöre ich zu den wenigen Privilegierten, die nur sehr wenig eingeschränkt sind durch die Anti-Corona-Maßnahmen.
Für mich gibt’s kein homeoffice oder „homepainting“, ich kann jeden Tag ins Atelier und dort wie auch alle die Jahre zuvor still, alleine meine Bilder zeichnen oder Skulpturen entwerfen; sogar ohne Mundschutz und 2 m Abstand.  Die Villa Mitscherlich, in der ich mein Atelier habe, liegt ja geradezu paradiesisch und wenn’s im Kopf brummt, mache ich einfach einen Spaziergang im Sternwald.
Im März und April beendete ich ein Bild aus der Gruppe der „4 Jahreszeiten“,die ich schon vor 3 Jahren begonnen habe, den Winter – Öl auf Baumwolle; im Moment arbeite ich am Frühling: frisches helles Grün, verschiedene Gelbtöne: Löwenzahn, Sumpfdotterblume, Schlüsselblume, Hahnenfuß, bläulich / Fliederfarbenes, Kirschblütenweiss usw ... – eine harte Nuss! Vorsicht Kitsch! –

Ich lasse mir ein bisschen mehr Zeit – ich bin ja sonst ein „schwäbischer Schaffer“ – Vielproduzierer, lese mal in diesem oder jenem Buch (z.B. Julian Barnes’ „Kunst sehen“) oder in Katalogen und entdecke dies und das und Altes neu: Courbet, Hodler, Schuch, Chardin, Corot, Schuhmacher, Poliakoff, Leroy, Gao Xingji, Pei-Ming, Kocherscheidt, Ghenie und und ... um nur ein paar Maler zu nennen.
Zufällig habe ich wieder eine alte CD entdeckt. Das Cecyl Taylor Quintett mit dem Freiburger Geiger Harald Kimmig, aufgenommen 1989 in Berlin, der Titel der Platte: CORONA. Sowieso  höre ich viel Musik und sitze viel am Klavier und spiele kreuz und quer ...

Meine Gedanken spinnen sich auch in die Zukunft: Diese Viruskrise zeigt doch einmal deutlich – nichts ist sicher, gar nichts, so ein kleines „Scheiß-Ding“ legt die ganze Welt lahm –, was nützen all diese hochspezialisierten, technisch genialen Errungenschaften, Profitmaximierungen, Vorsorge, Versicherungen usw., da wird fast alles auf Null gesetzt: die Kultur, die Bildung, die Wirtschaft.
Jetzt spüren wir vielleicht, wie zerbrechlich und verletztlich doch diese Welt, dieses Leben ist und wie wichtig es ist, dieses Wunder zu achten und zu schützen.

— Dietrich Schön, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br. Zurzeit sind Arbeiten von ihm in der Ausstellung „3 x 19“ im Kunstraum Foth zu sehen (bis 20.5.). Die Schau kann einmal täglich von Besucher*innen umgehängt werden.

Homepage des Künstlers

.....................................................................................................................................................................
[11. Mai 2020] Susanne Kühn

coronasusanneatelier.jpgAtelier von Susanne Kühn, Foto: Susanne Kühn, courtesy the artist

Gespräch mit einer Freundin heute:
Gestern war ich neun Stunden in ZOOM, am Telefon und am Computer – seit diesem Frühjahr bin ich Vizepräsidentin an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Durch Corona müssen fortlaufend Prozesse in der Lehre und Verwaltung verändert und der Situation angepasst werden.
Künstlerische Lehre kann man nicht einfach 1:1 in den digitalen Raum übertragen. Das ist eine gigantische inhaltliche und formale Herausforderung, abgesehen vom administrativen Aufwand. Heute treffe ich den ganzen Tag meine Studierenden in unterschiedlichen digitalen Formaten. Ich freue mich darauf und liebe den Wirbel, aber es ist einfach eine physische und mentale Dauerchallenge. Seit Corona habe ich WLAN im Atelier...

Wenn ich alle Geräte abschalte, ist es total ruhig in meinem Atelier.  Ich habe in diesem stillen Orbit in den letzten Wochen Bilder fertig gemalt, die für meine Ausstellung mit meinem Bruder Peter Krauskopf in Leipzig am Museum der Bildenden Künste konzipiert sind. Die Eröffnung ist verschoben. 

Wenn man darüber nachdenkt, markiert die steinerne Faustkeil-Palette – mein letztes Bild – das Ende der Zeit vor der Pandemie. 

Im Moment stehen leere Leinwände vor mir.

Waldkirch-Kollnau am 6. Mai 2020.

– Susanne Kühn, *1969, lebt und arbeitet in Freiburg i. Brsg. und Waldkirch-Kollnau, Professorin für Malerei an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg. Ausstellungsbeteiligung an "Ausgepackt! 125 Jahre Geschichten Museum Natur und Mensch Freiburg vom 30. Mai 2020 bis 10. Januar 2021.

Homepage der Künstlerin

.....................................................................................................................................................................
[10. Mai 2020] Eva Rosenstiel

coronarosenstiel1a.jpgBlick ins Atelier, St. Märgen, Mai 2020, Foto: Eva Rosenstiel

coronarosenstiel2a.jpgEva Rosenstiel, Place d'Alligre, 2020, 140 x 380 cm, Foto: Eva Rosenstiel, Courtesy the artist

Malzeit.
Vorgestern habe ich meinen „Rückzug“ in den Schwarzwald unterbrochen und bin nach Freiburg runter gefahren.

Über 6 Wochen Sankt Märgen. (Peter Dreher sagte mir noch im Januar „6 Wochen war das längste“, als wir über das Atelier sprachen.) In Corona-Zeiten war im Dorf wenig Veränderung zu spüren. Etwas verzögert im kleinen Laden die Plexiglasscheibe und seit letzter Woche natürlich die optischen „Gesichtsveränderungen“. Ansonsten ist social distance kein Problem. Man ist meist die einzige Spaziergängerin und ich genieße dabei die Ahnungslosigkeit der Landschaft.

Im Atelier Tag und die halbe Nacht malend ist alles fast wie „früher“. 100% allein/bei sich sein, absoluten „Null Kontakt“ zu menschlichen Wesen, nicht mal Internet. Nur der Radio dessen stündlich sich wiederholende Nachrichten die zeitliche Dimension des Tages vertonen und deren im Malprozess fast vergessene  Inhalte in die „Sicherheitszone“ eindringen.
Jetzt erforderte ein Mangel an Arbeitsutensilien einen Einkauf bei Boesner … Fast aufregend.
Meine Arbeit hat sich gerade verändert. Malen mit Ölfarbe auf Leinwand. Eigentlich für die Ausstellung in den USA – gerollt im Flugzeug als Sondergepäck – geplant. Inzwischen ist dieses Vorhaben wie das meiste auch „postponed“; aber solche vormals „Wichtigkeiten" verlieren total an Bedeutung. Irgendwie sehr wohltuend, wenn nicht sogar befreiend – wer will im Moment schon in Amerika sein …
Aber statt das in Sankt Märgen entstandene malerische Sujet der Bäume zu erweitern wandte ich mich wieder meinem Thema des Pariser Marktes am Place d’Alligre und der dort gesehene „Stofflichkeit“ zu. Der Bildaufbau ist etwas chaotischer, zerissener und durchlebter geworden. Beim Malen auf der Leinwand empfinde ich mehr Widerstand als auf der Aludibondplatte. Der sprödere Pinselstrich kostete Zeit – die man nun reichlich hat. Auch das Format mit 140 x 380 cm mein bis jetzt grösstes Bild „am Stück“. 6 Wochen Malzeit und noch nicht fertig. Inzwischen hat sich in dieser Malerei eines belebten sozialen „Vergangenheitsortes“ eine Sehnsucht nach einem Leben eingeschlichen, das wir hoffen irgendwann wieder führen zu dürfen.

Morgen fahre ich wieder nach oben.

— Eva Rosenstiel, *1951, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br. und St. Märgen.
Aktuelle Arbeiten von Eva Rosenstiel sind derzeit in der Ausstellung „yellow“ (mit Schirin Kretschmann, bis 25.7.) in der Galerie Claeys, Freiburg, zu sehen.

Homepage der Künstlerin

.....................................................................................................................................................................
[9. Mai 2020] Lidong Zhao

coronalidongzhao1.jpgLidong Zhao, ohne Titel (Stillleben), 2020,  C-Print, 71 x 56.8 cm, Courrtesy the artist

Meine Stillleben entstehen alle zuhause auf unserem Esstisch. Mein künstlerisches Schaffen wird also kaum beeinträchtigt von der aktuellen Situation.
Und doch sind da das viele Zuhause-Sein, das Auf-sich-bezogen-Sein und die gleichzeitige Nachrichtenflut, die Ruhe auf den Straßen und am Himmel und die Auseinandersetzung mit der Unsicherheit, wie es weitergeht: All das beeinflusst mein Sehen, meine Wahrnehmung und damit mein künstlerisches Schaffen. Was ich sehe und spüre, all diese Wahrnehmungen sind in meinen Bildern, ohne dass die Bilder Ausdruck einer konkreten Situation sind oder diese beschreiben.

Meine Fotografie ist immer eine Auseinandersetzung mit dem dokumentarischen Charakter des Mediums Fotografie und meiner Wahrnehmung, die das Bild doch erst entstehen lässt und die damit Teil des Bildes ist. Die Frage, wie diese beiden Ebenen zueinanderstehen, prägt mein Arbeiten.

Die Fotografie eines Steines auf einer Tischplatte, im Hintergrund das Weiß des Papieres und eine mit Bleistift gezogene Linie ist bedeutungsleer, entzieht sich jeder Symbolik, die über das einfache Sein des Abgebildeten hinausweist. Es ist, was es ist. Und nutzt damit klar den dokumentarischen Charakter der Fotografie, die abbildet, was vor ihr ist.
Aber wieso entsteht das Bild so?
Bevor ich fotografiere, habe ich keine Pläne, ich baue keine vorher überlegten Szenerien, die ich dann ablichte. Vielmehr entsteht die Fotografie aus meiner Beziehung zu den Dingen, entsteht in der Situation, in der ich mich als Fotografierender in meiner Umwelt bewege. Ich mache nur ein einziges Bild. Diese Fotografie ist das Bild von vielschichtiger Wahrnehmung und dem Bewusstsein des Einbezogen-Seins in Welt. Welt verstehe ich damit nicht als bestehend aus Einzeldingen und -momenten, sondern vielmehr als ein fortwährendes Aufeinander-bezogen-Sein.

So lasse ich mich leiten von meiner Wahrnehmung, meinem Empfinden, lasse dies Teil werden meiner Fotografien – und doch zeigen diese nicht mehr als einzig das, was auf ihnen zu sehen ist, jeder situativen Zeitlichkeit enthoben.

— Lidong Zhao, *1986, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.
Zuletzt waren Fotografien von ihm in einer umfangreichen Einzelausstellung im Kunsthaus L6, Freiburg sowie in einer Gruppenschau im Kunsthaus Essen zu sehen.

Homepage des Künstlers

.....................................................................................................................................................................
[8. Mai 2020] Petra Blocksdorf

coronapetra2.jpgPetra Blocksdorf,  o.T., 20 x 20 cm,  Kreide auf Malpappe , März 2020

coronopetra1.jpgPetra Blocksdorf, o.T., 20 x 20 cm , Mischtechnik auf Malpappe, März 2020

Wie fast immer, sind meine Arbeiten ohne Titel.
Pinselzeichnungen, Malerei auf Papier und Malplatten.

Es sind viele Schwingungen hier im Atelier (in meiner Wohnung am Friedrichring in Freiburg).
Viel Blick auf die Straße. Die Geräusche von Familien und Hunden im Haus und im Hinterhof sind vielfältig. Das Radio ist in Hörweite.
Ich fühle mich eigentümlich fremd mit mir selbst und etwas wie auf Watte. Verlangsamt und beunruhigt.
Und so fülle ich die Wand und den Schreibtisch mit meinen Eindrücken und Gedanken.
Zwei Arbeiten habe ich ausgewählt.

— Petra Blocksdorf, *1955, lebt und arbeitet in Freiburg.
Ihre Arbeiten waren zuletzt im Kunstraum Foth, Freiburg, und in der Galerie im Tor, Emmendingen zu sehen.

Homepage der Künstlerin

.....................................................................................................................................................................
[7. Mai 2020] Hannah Kindler

coronahannahkindler.jpgHannah Kindler, Entwurf eines Kostüms für Per-Post-Kollaboration, Entwurf eines tragbaren Objektes, fungiert auch als Atemmaske, 2020, © Hannah Kindler

Durch die Corona-Pandemie ist eines ganz deutlich geworden: alles hängt untrennbar zusammen und wir sind alle abhängig voneinander. Plötzlich werden Fragen und Forderungen nach (Versorgungs-)Gemeinschaft, (Familien-)Zugehörigkeit, gegenseitige Hilfe und Solidarität laut.
Meine Arbeit entsteht zu großen Teilen in Kollaboration, auch über Landesgrenzen hinweg. Durch die Kontaktsperren muss unsere Gemeinschaft umdisponieren. Wir haben neue Methoden entwickelt: Die Kollaborateur*innen fertigen einen Teil der Arbeit in ihrer jeweiligen Disziplin an (Video, Kostüm, Malerei, Fotografie etc.) und senden dieses Objekt dann zur weiteren Bearbeitung an die nächste Person, woraufhin diese das Objekt in ihr weiteres Schaffen mit einbezieht. Auf diese Weise entsteht trotz Entfernung ein gemeinsames Werk.

Auch durch die Maskenpflicht ergeben sich spannende neue Möglichkeiten. Im Zentrum meiner künstlerischen Arbeit geht es häufig um die Auseinandersetzung mit körperlichen und kulturellen Identitäten, (Geschlechter-)Stereotypen und ihre Rollen in der Gesellschaft. Kleidung nimmt hierbei eine wichtige Rolle ein und so sehe ich auch Masken als eine zu bespielende Oberfläche. Meine Kollaborateurin Nika Timashkova und ich entwickeln für die Wiedereröffnung der Freiburger Galerie für Gegenwartskunst (E-Werk) im Juni, tragbare Objekte, die außerdem den Schutzanforderungen einer Atemmaske entsprechen. Kleidung und somit auch Masken interagieren mit unserem Körper und spielen mit Originalität, Anpassung, Aneignung und Imitation. Trotz der teilweisen Verhüllung und der Verdeckung der Mimik, wird durch die Wahl der Maske etwas von der Träger*in enthüllt und eine tägliche Neuinszenierung der eigenen Identität wird möglich.

— Hannah Kindler, *1987, lebt und arbeitet in Freiburg. Sie ist eine interdisziplinäre Künstlerin mit Schwerpunkt Textil. Sie ist Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Freiburg. Ihre Arbeiten waren zuletzt bei der Regionale 20 zu sehen. Im September stellt im Forum Kunst Rottweil aus.

Homepage der Künstlerin

......................................................................................................................................................................
[6. Mai 2020] Manuel Frattini

coronafrattiniross1.jpgManuel Frattini, Ross of Mull, 2019, Courtesy the artist

coronafrattinipflanze1.jpgManuel Frattini, Pflanze 2019, Courtesy the artist

coronafrattinimatsujama1.jpgManuel Frattini, Matsuyma, 2011, Courtesy the artist

Ich habe Fotos ausgewählt, weil ich gerade dabei bin Fotos für meine Malereiprojekte zu sortieren, aber auch, weil das Foto den aktuellen Zustand verdeutlicht: Aufgespannt zwischen Vergangenheit und Gegenwart steht es für Bewegung und Nähe aber auch für Stillstand und Distanz.
Eine Distanz, die mich dieser Tage besonders bewegt, ist die Entfernung zu Freunden, Miek Zwamborn und Rutger Emmelkamp, die vor wenigen Jahren an den äußersten Rand von Europa gezogen sind, auf die Isle of Mull (innere Hebriden), um dort einen Artist-Space zu betreiben: Knockvologan Studies.
Einen Eindruck ihrer speziellen Situation sollen die Auszüge aus der Mail vermitteln:

Dear Manuel,

Nice to hear from you. ….
We are fine but Mull is weirdly quiet. The Island is closed for visitors and we can’t get off. So no guests, no projects.
We make plans for next year and work in the garden as much as possible. We don’t count on anything to happen this year. We’ll see.
We don’t know when they will open the Island. Some talk about end of August. So sad you can’t come. We were very much looking forward.
How is life in Freiburg?

I made some progress in the barn and M. is writing quite a bit. Here are some pictures.

The new garden is promising but there is nothing to harvest yet. We pick as much things from the wild.

I’m making a beehive and there is a small chance we’ll get a swarm this year.
We are lucky to be able to focus on these beautiful things but everything tastes a little bitter now and then. I’m quite stressed these days about all the uncertainty and possible post-corona scenarios.

The best is to focus on things we can influence, so we try hard to simply be here and stay in touch with what’s around us. Not easy somehow.

Take care
R.

—Manuel Frattini, *1968, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.
Der Offspace Knockvologan Studies wurde 2017 von Miek Zwamborn und Rutger Emmelkamp auf der schottischen Isle of Mull gegründet.

Homepage des Künstlers

......................................................................................................................................................................
[5. Mai 2020] Celia Brown

coronaceliac.jpgCelia Brown, Krokodile, 2020, 86 x 75 cm, digitaler Siebdruck auf Plexiglas i. A., Courtesy the artist

Die Quelle der Bedrohung ist unklar. Die Wege des Virus sind undurchdringlich. Leichter ist es mir vorzustellen, dass ein Krokodil im Sumpf lauert oder ein furchterregender Vogel im Dickicht.  
Zunächst gelähmt, als ob ein Python sich um meinen Körper wickelt, stelle ich mir vor, dass ich auf Krokodilen reiten könnte, mit Federn fliegen, mit Krallen das Wirrwarr auseinanderpuzzeln.

Die Vogelfrau ist von einer Karikatur in einer Zeitschrift des 19. Jahrhunderts inspiriert. Damals haben die Viktorianer aus aller Welt exotische Tiere nach England gebracht. Als Folge der Überzeugung selber Höhepunkt der Evolution zu sein, zogen sie sich Tierteile an und fühlten sich mächtig. Nun lehrt uns die Natur, dass sich ein Virus mit unseren Lungen zu verkleiden vermag. Solchen Vorgängen in meinem Inneren kann ich als Künstlerin schlecht nachspüren. 

O Virus, zeig uns dein Gesicht!

coronaceliaz.jpg
Celia Brown, Psyche und Zephyrus, 2020, 60 x 42 cm, digitaler Siebdruck auf Plexiglas i. A., Courtesy the artist

Zephyrus

Abstürzen. Wenn nur Zephyrus uns helfen könnte, sanft zu landen.
Wie einst Psyche, die Seele, die vom Berg fiel.

Während die Zephyre eigentlich unsichtbar sind, wie in der Erzählung des Apuleius, füllen sich plötzlich die Figuren und Formen in meinen Zeichnungen mit noch mehr kleinen Pünktchen und Strichen. War diese Bildsprache ursprünglich von meiner Beschäftigung mit Zellbiologie und Quantenphysik inspiriert, sehe ich nach dem Lockdown nun Masse und Haare. Die Alice, die bei ihrem Sturz in die Erde (ins Wunderland) an Fledermäuse dachte, steht in gefährlichen gewachsenen Gefilden. Sprang doch das Virus von solchen Tieren zu sichtbaren Menschen über.

In der Geschichte von Amor und Psyche ist Amor mal Tier, mal Gott. Vielleicht kann dieses ambivalente Verhältnis zwischen Natur und uns eine neue Ausrichtung durch das Corona-Desaster bekommen.

— Celia Brown, *1954, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.
Zuletzt erschien von ihr anlässlich der Ausstellung „Wunderwelten“ im Kunstverein Gut Altenkamp in Papenburg die Publikation „Wunderland“ (modo Verlag, Freiburg 2019, 64 S.).

Homepage der Künstlerin

......................................................................................................................................................................
[4. Mai 2020] Emeka Udemba

coronaudemba.jpg
Emeka Udemba, Angel No.1, 200cm x 130cm, Mixed Media on Canvas, 2020, courtesy the artist
 
Meine aktuellen Arbeiten aus vielschichtigen, bruchstückhaften Collagen, in denen Fragmente von Druckmaterialien kombiniert werden, spielen mit unterschiedlichen Dichten, Transparenzen und Formen.
Sie verweisen auf die Komplexität von Verdrängung, Identität und die Suche nach Gemeinschaftsgefühl.

— Emeka Udemba, *1968, lebt und arbeitet in Freiburg und Lagos, Nigeria, als Künstler und Kurator. Er ist Initiator des Mobile Museum of Contemporary Art, Lagos, Nigeria.

Homepage des Künstlers

.......................................................................................................................................................................
[3. Mai 2020] Ephraim Wegner
 
coronawegner.jpg
Foto von Ephraim Wegners Arbeitsplatz, courtesy the artist
 
Was am Arbeitsplatz stattfindet
A: Algorithmische Komposition
C: Chaos, Computergrafik, Cpp, CSound,
D: Dateisysteme verwalten, Daten-Mapping, DIY-Projekte,
E: E-Mails,
F: Fehlersuche, Förderanträge,
G: Generative Systeme,
I: Interaktive Systeme,
K: Kabelpflege, Kaffeetrinken, Kinderspiele, Klangmodifikation, Klangsynthese, Kompositionsbeschreibungen,
L: Linux,
M: Mac OS,
N: Netzwerktechnik,
O: Odroid, Online-Besprechungen, Online-Lehre, Open Frameworks, Open GL, Ordnung,
P: Physical Computing, Physical Modelling, Python, Processing Sketches, Projektbeschreibungen,
R: Rasperry Pi, Recherche,
S: Semesterplanung, Seismograph,
T: Trial and Error,
U: Unterrichtsvorbereitung,
V: Variational Autoencoders,
W: Website-Pflege, Windows, Wissenschaftliche Textarbeit
 
*nicht im Bild: Blumen gießen, Liegen lassen, Laufen, Rotwein

– Ephraim Wegner, *1980, lebt und arbeitet bei Freiburg, Medienkünstler, Musiker und Komponist. Er ist akademischer Mitarbeiter an der Hochschule Offenburg und hat eine Professur an der Hochschule Macromedia, Freiburg. Seine Arbeiten waren an der ars acoustica und den Donaueschinger Musiktagen zu hören.

Homepage des Künstlers

......................................................................................................................................................................
[2. Mai 2020] Klaus Merkel

coronamerkel03.jpg
Klaus Merkel, 20.03.03. Tiere, 65 x 50 cm, Öl auf Leinwand, 2020 (Bild wurde am 3. März fertiggestellt),
Courtesy Galerie Max Mayer, Düsseldorf, und Galerie Nicolas Krupp, Basel

coronamerkel3.jpgHängung aus der Serie „Tiere“ an der Wand im Atelier von Klaus Merkel, Foto: Atelier Klaus Merkel

Die Diskussion um „die Krise in der Kunst“ fing für mich in Stuttgart Mitte der 1980er Jahre an, eigentlich direkt mit Beginn meiner Ausstellungserfahrung dort, meinem Eintritt in den „Kunst-Betrieb“.
Ich erinnere mich an einen Film von Godard, in dem gegen Ende die Protagonisten, erwachsene Männer, ohnmächtig vor Wut, Steine einem vorbeirasenden TGV hinterherschmissen, voller Wucht, als wären erzürnte Kinder am Werk, die gegen eine entfesselte Weltmacht zu kämpfen hätten. Ein starkes Bild, das bis heute nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Bis vor kurzem schien in der Hinsicht wenig Perspektive auf Veränderung. Heute sind wir leider weiter, in weltweit prekärer Verfassung, verschärft durch den humanistischen, biologischen und ökonomischen Kahlschlag.

Die Frage, wie ein Maler auf diese Krise reagiert, ist nicht leicht zu beantworten. Ich reagiere irgendwie nicht direkt auf diese Krise, sondern führe eine Problematisierung fort, die mit einer Serie in den späten 1980er Jahren begann und damals unter dem Titel „Tiere“ z.B. in der Wiener Secession, im Kunstverein Düsseldorf und in Stuttgarter Galerien ausgestellt war.

„Tiere“ impliziert Figur und Natur, und obgleich die Bilder ganz direkt lesbar sein sollen sind sie doch nicht als etwas Realistisches erkennbar; der Begriff der Spezies läuft aber im Hintergrund immer mit.

Heute arbeite ich wieder mit dem Motiv der „Tiere“, verändert dadurch, dass alle Bilder (inzwischen ist es eine ganze Herde) jetzt mittelformatig angelegt sind und eher klein wirken. Wie von Ferne, mit einem nach innen gezogenen Rahmen und einem Diagonalkreuz, um das herum sich die jeweilige Figur ausformt. Wie schon damals ist immer nur ein Motiv auf einem Feld. Maltechnisch arbeite ich zuerst den Hintergrund aus, in dem dann der Figurumriss bestimmt und schließlich in einem Zug Alla-Prima ausgefüllt wird. Während der Umriss der Figur langwierig zeichnerisch konzipiert ist, läuft die Innenstruktur fast zufällig ab, entwickelt sich aus Farbe auf einer Palette und weckt die Arbeit des Malers am Duktus; ein historischer Reflex auf den aufgebrochenen Ochsen von Soutine, vielleicht.

Mit Anfang des Shutdowns wollte ich diese Gruppe von Bildern weiterführen und kaufte Farben und Leinwände, die mich über eine unbestimmte Zeit hinweg in verlässlicher Arbeit und fern von Stillstand halten sollten. Ich wollte den absolut bodenständigen Vollzug eines Bildes und kein Geist in der Geisterstadt sein ...

— Klaus Merkel, *1953, lebt und arbeitet in Schallstadt, Freiburg und Münster. Im Fridericianum in Kassel wird Klaus Merkel im Sommer im Rahmen der Retrospektive von Forrest Bess (1911-1977) einen Vortrag halten: „Grenzgänge der Malerei. Ein zeitgenössischer Blick auf das Werk von Forrest Bess“ (Termin wird noch bekannt gegeben).

Homepage des Künstlers
Galerie Max Mayer, Düsseldorf
Nicolas Krupp, Basel

......................................................................................................................................................................
[1. Mai 2020] Christina Sperling
coronachristina.jpg

Christina Sperling, Fotografien, April 2020, courtesy the artist

Atelier Prozess Fotografie Corona Wohnung Beziehung

Die beiden Fotografien zeigen einen Ausschnitt aus dem Zwischenstand meiner aktuellen künstlerischen Praxis. Sie stehen in Verbindung mit den bisherigen Arbeiten und nehmen Bezug auf meine momentane Ateliersituation, welche nun zum Teil der Wohnsituation wurde.
Dieser Umstand ermöglicht es mir die Ergebnisse des praktischen Prozesses permanent betrachten zu können.

Die ständige Verfügbarkeit scheint das Verhältnis von praktischer Arbeit und theoretischer Beschäftigung zu verändern. Die theoretische Auseinandersetzung nimmt mehr Raum ein als bisher, während sich die praktische Umsetzung langsamer aber zielgerichteter entwickelt.

Ein weiterer interessanter Punkt in Bezug auf das veränderte Arbeitsumfeld ist, dass die neue Umgebung materielle Bestandteile beinhaltet, die nicht aus dem Atelierkontext stammen, aber deren Einfluß spürbar wirksam wird.

Diese Perspektive hat mich besonders interessiert.

Den Fokus legte ich dabei auf die Kleiderhäufchen von meinem Freund, welche sich immer mal wieder in der Wohnung verteilen und auf mich einen spannenderen Eindruck machen als meine eigenen. Sie sind mir zwar schon früher aufgefallen, dennoch schenkte ich ihnen keine so große Aufmerksamkeit. Nun haben sie mich viel mehr gefesselt, da mein Blick ihnen kaum noch entweichen kann. Sie begeistern mich durch ihren erzählerischen Charakter und ihre vielseitige skulpturale Fähigkeit.

Ich habe begonnen, sie in meinen Prozess miteinzubeziehen und ihnen eine fotografische Form zu geben.

− Christina Sperling, *1989, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.
Zuletzt waren ihre Arbeiten in der Garage L6 in Freiburg zu sehen.

Homepage der Künstlerin

......................................................................................................................................................................
[30. April 2020] Annette Merkenthaler

coronamerkenthaler1.jpg

coronamerkenthaler2.jpg

coronamerkenthaler3.jpgAnnette Merkenthaler, kleine Aktion, April 2020, Fotos: Annette Merkenthaler, Courtesy the artist

Durch ein Gespräch mit meinen Enkeln über eine nicht genau zu beschreibende Wut auf das Auftauchen des neuen Coronavirus und die Frage, wie man diesem „Miststück“ begegnen könnte, ist die Idee zu dieser „kleinen Aktion“ entstanden – ohne Worte, spielerisch und von einem leicht ironischen Lachen begleitet.
Die Situation ist zu komplex, zu unsichtbar und zu bedrohlich, um sofort und direkt darauf mit künstlerischer Arbeit reagieren zu können. Zumindest kann ich das nicht. Ich empfinde eine absurde Diskrepanz zwischen dem grauen Netz der Ungewissheit und Unwägbarkeit, das über allem liegt und gleichzeitig dem Erleben eines herrlichen Frühlings mit seinem üppigen Grün. Allerdings auch er wird überschattet von enormer Trockenheit und von der „Erinnerung“ an eine Klimadebatte. Der Abstand vom Innen zum Außen wird mit der Zeit leider undurchlässiger.

Es ist eine Zeit des Nachdenkens, des manchmal vor sich hin Träumens, des Beobachtens, und ganz langsam hoffentlich auch eine Zeit für Entwicklungen, für Erfindungen, für Unbekanntes und vor allem für Austausch. Jetzt ordne ich, räume auf, arbeite bereits Vorhandenes ab und gehe in den Garten.

— Annette Merkenthaler, *1944, lebt und arbeitet in Freiburg i.Br.
Zuletzt stellte sie zusammen mit Anna Schütten im AKKU Stuttgart aus und hatte im Frühsommer 2019 im Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle – heute PEAC Museum – eine große Werkschau unter dem Titel “Stand heute“.

Homepage der Künstlerin

......................................................................................................................................................................
[29. April 2020] Marco Schuler

coronaschuler1.jpgMarco Schuler, next (l.), Allalone (r.), 31.3.2020, DIN A4, Pastell, Courtesy the artist

coronaschuler2.jpg
Studio im Freien, Foto: Marco Schuler

In der Krise arbeite ich draussen bei wunderbarem Wetter,
an einem Ort, an welchem schon vor 100.000 Jahren Menschen gearbeitet haben.
„An diesem schönen Orte hab ich an dich gedacht und ohne grosse Worte
die Zeichnungen gemacht!"

— Marco Schuler, *1972, lebt und arbeitet im Markgräflerland und in Los Angeles.
Ab 19.9. sind Arbeiten von ihm im Ausstellungsprojekt Kunst im Setzkasten" in Rottweil zu sehen, bevor er im Herbst eine große Einzelausstellung in der Verpackerei Görisried bei Kempten hat.

Homepage des Künstlers

......................................................................................................................................................................
[28. April 2020] Ulrike Gerst

buergerpark.jpgUlrike Gerst, Bürgerpark Pankow II, Aquarell auf Papier, 29,7 x 42 cm, 2020, Courtesy the artist

Die Serie „Bürgerpark Pankow II“ gehört zu einer anderen Serie, die der Springbrunnen, an denen ich seit drei Jahren arbeite – bisher Öl auf Leinwand.
Als absehbar war, dass es in Zeiten der Corona-Pandemie zu eingeschränkten Kontakten oder gar einer Ausgangssperre kommen könnte, habe ich im Atelier Bleistifte, Papier, Aquarellfarben und Fotos zusammengepackt und zuhause einen Arbeitsplatz eingerichtet. Vier Wochen lang wollte ich nicht ins Atelier, obwohl dies ohne Probleme gegangen wäre, da ich in unserem Atelierhaus nur vereinzelt Kollegen treffe. Ausgesucht hatte ich mir für diese besondere Zeit des Rückzugs und des Stillstandes Fotos, die ich 2019 im Bürgerpark Pankow – in der Nähe meines Berliner Ateliers gemacht hatte. An diesem Tag waren in den kleinen Springbrunnen des Parks statt der Fontänen nur Blasen zu sehen, deren Kumulierung in den kleinen Becken ungewöhnliche Formen aufwiesen.

Interessiert haben mich an diesen Fotos die Strukturen, die durch die Anhäufung und das willkürliche Zusammensein der Blasen entstanden sind, sowie deren unterschiedliche Größe; meine Intention waren Arbeiten, die durch die Auflösung der Formen an der Grenze zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion angesiedelt sind, quasi Hybride. Diese Arbeiten erfordern von mir ein hohes Maß an Geduld, Ausdauer und Konzentration – mit vielen Pausen. Besonders die Vorzeichnung ist sehr zeitintensiv. Sie muss sehr genau sein, da die hellen Stellen ausgespart werden. Beim raschen Aquarellprozess kann ich diese Entscheidungen nicht treffen, dies muss vorab geschehen.

Diese Arbeitsweise erschien mir angemessen für diese außergewöhnliche Situation; in Verbindung mit dem Hören der immer selben Musik entstand für mich eine Phase erhöhter Konzentration und Auf-die-Arbeit-Bezogensein, mit gewissen meditativen Momenten. Dazwischen war ich viel draußen, spazieren, habe gelesen… zu Beginn der Beschränkungen fühlte ich mich in einem seltsamen Ausnahmezustand und hatte wenig Energie zu arbeiten; die Stille um mich herum fand ich recht irritierend. Erst seit zwei Wochen arbeite ich wieder mehr und mit Freude.

Die erste Arbeit zu dieser Aquarell-Serie ist im Februar in Berlin entstanden - auch in Zurückgezogenheit in der Wohnung während einer Grippe; zwei weitere Arbeiten in den letzten Wochen; jetzt möchte ich wieder im Atelier arbeiten. Auch zur Prüfung der Arbeiten brauche ich das Atelier als Referenz- und Denkraum.

— Ulrike Gerst, *1953, lebt und arbeitet in Freiburg und Berlin. Ulrike Gerst zeigt im nächsten Frühjahr eine Einzelausstellung in der Kreuzkirche, Nürtingen, vom 7. März bis 5. April 2021.

Homepage der Künstlerin


 

Mit freundlicher Unterstützung
von artforum3 e.V.

Dieses Projekt wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Freiburg i.Br. 

coronakulturamt1.jpg