24/11/16

Liebeshymnen an die Farbe

Maria Zgraggens Ausstellung in der Kunstplattform akku ist auch eine Feier der Malerei

von Tiziana Bonetti

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Maria Zgraggen, ohne titel, 2016, courtesy the artist
Beim Betreten der Ausstellungshalle akku laden vier grossformatige, expressionistisch-abstrakte Leinwände „Ohne Titel“ dazu ein, in die diffusen Acryl-Farblandschaften Maria Zgraggens zu tauchen. Wohlgemerkt ein Tauchgang, der nicht in räumlich-perspektivische Tiefen führt, sondern Gelegenheit für eine Sondierung der farblich pulsierenden Oberflächentextur bietet. Kreuz und quer überlagern sich pastose Farbaufträge und bilden so Schichten von Farbmassen auf der Leinwand, Pinselhaare kleben unter reliefartigen Farbansammlungen, Acrylkleckse und -sprenkel wechseln sich mit eingetrockneten Farbschlieren ab. Durch die Anwendung differenter Strichführungen werden Übergänge von der totalen Abdeckung der Leinwand bis hin zu ihrer vollkommenen Aufdeckung geschaffen. So kommen mitten im Wirrwarr der Farben Stellen zum Vorschein, die einen Blick auf die Textur der Leinwand freigeben. Wie komponiert die Malereien Zgraggens sind und welches Mass an Experimentierfreude und Spontaneität ihre endgültige Beschaffenheit mitbestimmt, lässt sich von den ausgestellten Arbeiten nicht ablesen. Doch lassen sich die monumentalen Bilder als Liebeshymnen an die Farben sowie als grossartige Feier der Malerei lesen; als Malerei, die sich bewusst artifiziell gibt und sich derlei thematisch ins Zentrum stellt.

Anlässlich der Ausstellung „The Wandering Eye“ hat die gebürtige Urner Künstlerin Maria Zgraggen (*1957) über ein Jahr lang neue Werke entwickelt. Darunter die Serie der grossformatigen Farblandschaften sowie die Installation „Zwischen A und B“ aus Sperrholz, Acryl und Dispersion. Nebst diesen monumentalen Arbeiten bieten die Papierzeichnungen mit Farb-, Blei-, Filz-, Kugel- und Bleistift, einen Einblick in das aktuelle Schaffen Zgraggens. Zu sehen sind in dieser Serie in fahrigem Linienduktus Ansammlungen von verstreut wirkenden elementaren Formen, die je dezidiert monochrom koloriert sind.

Konzeptuell anregend ist die raumgreifende Installation „Zwischen A und B“, die vom Boden bis zur Wand aufragt und mit einer Hängevorrichtung befestigt ist. Die komplexe Konstruktion bestehend aus different bemalten Sperrholzzylindern und gebogenen Holzelementen ist förmlich als in den Raum greifende abstrakte Malerei zu verstehen und fungiert als begehbares Bild. So lassen sich die ineinander verschränkten, sich überlagernden Holzelemente als räumliche Ausführung von Pinselstrichen nachvollziehen. In dieser Installation wird die Leinwand vom Raum substituiert und gleichsam gerahmt. Sowohl die Installation als auch die grossen Wandmalereien offenbaren die langjährige Affinität Zgraggens zur abstrakten Malerei. Die Leinwände der Künstlerin fordern ihre Betrachter dazu auf, dem einstigen Tanz der Farben, den Zgraggen choreographiert hat, visuell nachzuspüren.

Maria Zgraggen, The Wandering Eye
Kunstplattform akku
Gerliswilstr. 25, Luzern.
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Freitag 16.00 bis 19.00 Uhr, Samstag 11 bis 16.00 Uhr.
Bis 4. Dezember 2016.

 




Kunstplattform akku