23/11/16

Ende mit offenem Ausgang

Für die Ausstellung „Non-finito“ in der Ursula Blickle Stiftung kuratieren sechs prominente Gäste ihre persönlichen Charts aus der Sammlung

von Seraphine Meya

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Non-infinito, 2016, Installationsansicht Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal, 2016, Foto: Dirk Altenkirch, Karlsruhe
In den letzten 25 Jahren waren in der Ursula Blickle Stiftung bis zu vier Ausstellungen jährlich zu sehen. In einer Abschlussausstellung mit dem Titel „Non-Finito“ lud Ursula Blickle nun noch einmal die großen Namen der Kunstszene ein, um einen Querschnitt durch ihre Sammlung zu zeigen. Maximilian Geymüller, Nicolaus Schafhausen, Claudia Slanar, Peter Weibel und Alfred Weidinger waren in der Ursula Blickle Stiftung alle schon kuratorisch tätig und Michael Hübl schrieb über vierzig Artikel über die Ausstellungen in den „Badischen Neuesten Nachrichten“. Die sechs bekamen jeweils einen Raum der alten, zum Ausstellungsort umgebauten Mühle und eine Liste der Kunstwerke der Sammlung, um daraus ein offenes Ende zu kuratieren. Claudia Slanar, Kuratorin der jüngsten Ausstellung „Tanz ES!“, machte daraus in den zwei Kabinetten im ersten Stock eine konzeptuelle Ausstellung. Unter anderem lässt sie hier eine kleinformatige Stoffarbeit von Louise Bourgeois mit einer Zeichnung von Silvia Bächli in Dialog treten und zeigt in Fotografien von Dirk Bouwhuis den künstlerisch veränderten Spiegelsaal der Alten Mühle vor einigen Jahren. Der Spiegelsaal war nach Ursula Blickles Rückkehr aus São Paulo der Ort, an dem sie wieder an ihre frühe Karriere als Ballerina im Wiener Ballett anknüpfte, diesmal um Tanzunterricht zu geben. Als sie schließlich internationale Kuratorinnen und Kuratoren einlud, um zeitgenössische Kunst in der alten Mühle zu zeigen, blieb die Spiegelwand an Ort und Stelle. Mal abgedeckt, mal in die Ausstellung eingebunden, war der Tanz als biografisches Element Blickles so immer präsent.

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Non-infinito, 2016, Installationsansicht Ursula Blickle Stiftung, Kraichtal, 2016, Foto: Dirk Altenkirch, Karlsruhe
Das Treppenhaus stattete Michael Hübl mit Quadraten aus Spiegelfolie aus. In all den Jahren, in denen Hübl über die Ausstellungen der Stiftung schrieb, habe er sich laut Ursula Blickle nie ganz an den wandfüllenden Spiegel im Erdgeschoss der Mühle gewöhnen können. Seine Spiegelfolien, mit denen der Journalist fast einen eigenen künstlerischen Ansatz gefunden hat, wirken wie eine Hommage an die Hausherrin, deren Herz für das Tanzen schlägt. Peter Weibel und Nicolaus Schafhausen übernahmen in „Non-finito” die Auswahl für den Spiegelsaal im Erdgeschoss. Während Weibel, Leiter des ZKM Karlsruhe, den Spiegel als Stellwand für eine großformatige Arbeit von Walter Stöhrer nutzt, präsentiert Schafhausen unter anderem Werke von Jack Pierson, Isaac Julien, Sarah Lucas und Sylvie Fleury. Ein Relief von Isa Genzken an der Außenwand des Wohnhauses von Ursula Blickle vervollständigt den Eindruck, hier prominente Künstlerinnen und Künstler der letzten Biennalen und Documenta-Ausstellungen vereint zu finden. Eine frühe Arbeit von Simon Denny zeigt Maximilian Geymüller in seinem Raum zusammen mit Günther Förg und Cosima von Bonin.

Wie die Auflistung der vielen Künstlerinnen und Künstler schon demonstriert, vernebelt ein Potpourri an Namen und Kunst den Ausstellungsbesuchern die Sinne. Der intensive Duft von Gewürznelken tut sein Übriges, während man an einem Spiegel und einem Joseph Beuys vorbei die Treppe hinauf geht. Die Quelle des Dufts offenbart sich im Dachgeschoss. Die eindrückliche trichterförmige Installation von Ernesto Neto spannt sich von der Decke bis zum Boden. In einem strumpfartigen Material ballt sich auf dem Boden eine große Menge Nelkenpulver, den entrückenden Geruch verströmend. Der von Alfred Weidinger kuratierte Raum verstärkt den Eindruck des Kunstpotpourris, da das duftende Hauptwerk leider nicht den ganzen Raum für sich einnehmen darf, sondern von großformatigen Werken an den Wänden in den Hintergrund gedrängt wird.

Die Ausstellung hinterlässt die Rezensentin zwar konfus, aber, wie wahrscheinlich beabsichtigt, auch beeindruckt. In einem Vierteljahrhundert gaben sich hier in der Alten Mühle die großen Namen der Kunstwelt die Hand und konnten sich ohne Budgetzwänge austoben. Die Relikte dieser Ausstellungen sind nun alle auf einmal zu sehen und bringen 25 Jahre zum Abschluss.      

 

Non-finito.
Ursula Blickle Stiftung
Mühlweg 18, Kraichtal-Unteröwisheim.
Öffnungszeiten: Mittwoch 14.00 bis 17.00 Uhr, Sonntag 14.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 11. Dezember 2016.

 

 




Ursula Blickle Stiftung