18/11/16

Kultautor der Kunstszene

Ein Buch aus und für die 1950er Jahre: Georges Perec "Die Dinge"

von Manuel van der Veen

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Gefangen zwischen Konjunktiv und all den bitteren Tatsachen des Jetzt sitzt das Paar Jérôme und Sylvie in ihrer viel zu kleinen Wohnung und raucht. Der einzige Ausweg sind all jene wunderbaren Dinge, die für einen besseren, nein, den allerbesten Alltag stehen. Unerträglich ist es den Worten zu folgen, welche in den Träumen umherwandern, aber zu nichts kommen. Alles bis ins kleinste Detail planen, ein fertiges Bild entwerfen und den Fuß dabei nicht vor die Türe bekommen. Der 1965 veröffentlichte Roman war das literarische Debüt von Georges Perec, der zu einem Kultautor der Kunstszene werden sollte. Ein Buch aus und für die 1960er Jahre, das ins Herz unserer Zeit trifft. Ein Buch für all die Liebhaber des Prätentiösen. Ein Buch für jedermann, für alle, die ihre politische Gesinnung mittels Kleidern und ohne handfeste Argumente präsentieren, für alle, die lieber in den Urlaub fahren als zu arbeiten, für alle, die gerne reisen, ohne das Naheliegende zu kennen, für alle, deren Klamotten teuer waren und um Bafög betteln, für alle, die im „exakten Rhythmus ihres Durstes“ leben. Ein Wahnsinns-Buch. Nach der Lektüre versucht man schleunigst über erste Schritte nachzudenken.

Georges Perec: Die Dinge, diaphanes, Zürich 2016, 120 S., 12,95 Euro | 15 Franken




Diaphanes