24/10/16

Ein Essay übers Schreiben und Lesen

Der Freiburger Philosoph Günter Figal denkt über den Begriff der Unwillkürlichkeit nach

von Manuel van der Veen

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Günter Figals Essayband ist ein ruhiges, ein einfaches Buch. Nicht weil es simpel wäre, sondern weil es ungezwungen und schlicht ist. Mit leichten, lichten Worten vermittelt Figal, der in Freiburg Philosophie lehrt, eine Ruhe und lädt dazu ein, in der Stille weiterzudenken. So mündet das erste Essay übers Schreiben und Lesen in einer Reflexion des eigenen Tuns. In beinahe meditativer Wiederholung führt Günter Figal den Leser in einen Frei-Raum der Unwillkürlichkeit ‒ Unwillkürlichkeit ist eines jener Schlagworte, das kein Künstler heutzutage missen möchte. Diese Unklarheit greift Figal auf und sinniert über Versuche, das Unabsehbare einzubinden und über ein Tun, in welchem das Unwillkürliche mitspielt. Die fünf bereichernden Essays regen zur Kommunikation durch eine beispielhafte Annäherung an die Kunstwerke und Dinge selbst an. Malerei von Agnes Martin, Möbel von Donald Judd oder durch eine wunderbar nachvollziehbare Beschreibung einer einfachen Keramik-Schale von Young-Jae Lee. Eingefangen durch die Sprache erfahren sowohl die Kunst als auch das Leben eine Öffnung, eine Erweiterung, die klarer sehen lässt, ohne zu verzweifeln. Es ist ein schönes Buch.

Günter Figal: Unwillkürlichkeit Essays über Kunst und Leben. modo Verlag, Freiburg 2016, 24 Euro | ca. 27 Franken




Modo Verlag