21/10/16

Die andere Seite der Wirklichkeit

Joakim Eskildsen hat mit seiner Kamera Armut in den USA festgehalten

von Annette Hoffmann

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Joakim Eskildsen, American Realities, © Joakim Eskildsen, 2015, Steidl 2016
Bräuchte es noch einen Beweis für die unerträgliche Phrasenhaftigkeit von Donald Trumps Wahlkampfslogan „Make America Great Again“, Joakim Eskildsens Bildband „American Realities“ könnte ihn liefern. Der 1971 geborene Däne bereiste 2011 im Verlauf mehrerer Monate die USA im Auftrag des Time Magazins und zeigt eine ganz andere soziale Wirklichkeit. Auf der Suche nach der Armut in einem der reichsten Länder der Erde besuchte er New York, Kalifornien, Louisiana, South-Dakota und Georgia. Etwa 15 Prozent der Bevölkerung lebt unter der Armutsgrenze, das sind 46 Millionen Menschen. Das kann heißen, dass sich Familien keine Mikrowelle leisten können oder eine allein stehende Frau in einem Zelt in einer illegalen Siedlung lebt und vergewaltigt wird. Trotz der kargen Lebensumstände sind Eskildsens Aufnahmen sorgfältig komponiert und ausgeleuchtet. Eskildsens Serie erinnert an die Dokumentarfotografie, die auf Initiative der Farm Security Administration zur Zeit der Großen Depression entstanden ist. Heute jedoch ist Armut vielfältiger. Wo er auch war, eines traf Eskildsen immer wieder an: laufende Fernseher. Und dies ist womöglich Teil des Problems.

Joakim Eskildsen: American Realities, Steidl Verlag, Göttingen 2016, 120 S., 32 Euro | ca. 47.90 Franken




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