20/10/16

Amerikas Wohlstandsperipherie

Ein Band über William Eggleston zeigt, wie Farbfotografie salonfähig wurde

von Dietrich Roeschmann

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Untitled, 1969–70 (Adyn Schuyler Senior, der Onkel des Künstlers, mit Assistent und Chauffeur Jasper Staples in Cassidy Bayou, Sumner, Mississippi) © Eggleston Artistic Trust
„Langweilig, vulgär, banal!”, ätzte die Kritik, als das New Yorker Museum of Modern Art 1976 erstmals William Egglestons grelle Schnappschüsse aus der Peripherie der amerikanischen Wohlstandsgesellschaft zeigte. Heute, 40 Jahre später, gilt der Südstaaten-Bohemian, der die Farbfotografie salonfähig machte, als einer der einflussreichsten Fotografen überhaupt. Mit seinem coolen, melancholischen Blick auf das Niemandsland der Supermärkte, Diners, Tankstellen und Suburbs prägte er unser Bild von Amerika wie kein anderer. Erstmals versammelt ein Bildband nun die wichtigs­ten Porträts Egglestons, der sich nur beiläufig für Menschen interessiert, ihnen aber gerade deshalb auf wunderbar unaufgeregte Weise sehr nahe kommt.

William Eggleston: Porträts, Scheidegger & Spiess, Zürich 2016, 184 S., 38 Euro | 49 Franken




Scheidegger & Spiess