23/08/16

Cécile B. Evans

Die belgisch-amerikanische Videokünstlerin fragt in ihren Arbeiten nach dem Einfluss digitaler Technologien auf unser Fühlen und Handeln

von Anne Schreiber
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Cécile B. Evans, What the Heart Wants, 2016, Courtesy the artist
Die Arbeiten von Cécile B. Evans (*1983) reflektieren die zunehmende Fähigkeit digitaler Systeme wie eigenständig handelnde Wesen zu erscheinen. Die belgisch-amerikanische Künstlerin interessiert der Einfluss digitaler Technologien auf unser Fühlen und Handeln. Ihre Videos und Skulpturen sind oftmals in begehbare Installationen integriert. Über Online-Plattformen lädt Evans die Betrachter ein, sich über die Themen ihrer Arbeiten auszutauschen. Ihre Werke versteht sie als Performances. Die Betrachter sind aufgefordert zum User zu werden und die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine zu beeinflussen.

Mit den zwei jüngeren, 2014 entstandenen Videoarbeiten „AGNES“ und „Hyperlinks or It Didn’t Happen“ macht Evans sichtbar, wie Kommunikationssysteme ihrem menschlichen Gegenüber immer ähnlicher werden. Während der Interaktion mit einem Bot, einem automatischen Softwareprogramm, werden persönliche Daten eingespeist. „AGNES“ wurde 2014 als erste digitale Kommission der Londoner Serpentine Galleries angekauft und auf der Webseite ausgestellt. Dort sollen die Besucher ihre Gedanken und Gefühle mitteilen. In Folge der Interaktion lernt die weibliche Assistentin Agnes immer besser auf die Bedürfnisse der Besucher einzugehen. In Zeiten von digitaler Überwachung und wachsenden Datenansammlungen macht „AGNES“ sichtbar, wie geschlechtlich codierte Technologien uns dazu bringen, intime Informationen preis zu geben.

In der begehbaren Installation „Hyperlinks or It Didn‘t Happen“ treffen die Besucher auf die digitale Kopie des 2014 verstorbenen Schauspielers Philip Seymour Hoffman. Nach dessen Tod wurde überlegt, inwiefern seine Rolle im letzten Teil einer Serie durch einen Avatar dargestellt werden könnte. Die Arbeit lädt die Besucher ein, die Erzählung mitzugestalten, womit Evans den kybernetischen Topos vom Menschen als bloßes Feedbacksystem neu wendet. Über Chatforen können sie in einen Dialog mit dem Erzähler „PHIL“ treten. Zudem sind die im Raum ausgestellten Gegenstände benutzbar. Die Objekte sind parallel Teile des Films, so dass die realen Gegenstände zu Hyperlinks werden, zu Schnittstellen in die virtuelle Welt.

Nach ersten Einzelpräsentationen in London 2014 in der Serpentine Gallery und 2015 in der Seventeen Gallery war Evans letztes Jahr unter anderem auch in Gruppenausstellungen in der Kunsthalle Fridericianum in Kassel und im Kunstverein Düsseldorf vertreten. In diesem Jahr zeigte der Bielefelder Kunstverein eine erste Einzelausstellung im deutschsprachigen Raum. Ihre bisher umfangreichste Arbeit „What the Heart Wants“ (2016), die mit der Kunsthalle Winterthur, De Hallen Haarlem und der Kunsthalle Aarhus koproduziert wurde, ist derzeit auf der 9. Berlin Biennale ausgestellt. An der Stirnwand des großen Saals im Erdgeschoss der Kunstwerke ist eine monumentale Videoarbeit installiert. Der Raum davor ist mit Wasser geflutet, über einen Steg geht man auf die Arbeit zu. Wie schon in „AGNES“ begegnet man auch hier einem weiblichen Avatar „Hyper“. Über Foren wurden Informationen und Wünsche gesammelt, aus denen sich das digitale System „Hyper“ generiert. Die Arbeit behandelt Themen wie Stammzellenforschung, Terrorismus oder Kleiderregeln für Frauen.       

Cécile B. Evans: What the Heart Wants.
Kunsthalle Winterthur, Marktgasse 25, Winterthur.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 12.00 bis 18.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 12.00 bis 16.00 Uhr.
Bis 2. Oktober 2016.

 

 




Kunsthalle Winterthur