07/07/16

Landpartie

Wenn der Sommer naht, wagt sich auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen. Auf diesen Seiten stellen wir Ihnen die schönsten Ausflugsziele vor

von Annette Hoffmann

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Tobias Rehberger, Hochsitz, aus: 24 Stops, 2016, Foto: Mark Niedermann, Courtesy the artist
24 Stops
Zwischen Weil & Riehen

Nachdem im vergangenen September der Rehberger-Weg zwischen Weil und Riehen eröffnet wurde, ist er nun fertig gestellt worden. Insgesamt 24 Arbeiten sind jetzt am Wegrand zu entdecken und führen als Landmarken selbst Spaziergänger mit schlechter Orientierung zum Vitra Museum in Weil am Rhein oder zur Fondation Beyeler in Riehen. Die Objekte sind, so der Frankfurter Künstler, eine „Beleuchtung“ für die Natur. Tatsächlich bemühen sie sich gar nicht um Mimikry: sie sind quietschebunt, von solidem Material und wirken wie Designobjekte. Viele erfüllen auch wirklich Funktionen, die man auf dem fünf Kilometer langen Weg vermissen könnte. Da gibt es einen Unterstand, einen Mülleimer, einen Plan und manches was völlig zweckfrei aussieht, kann Bienen und Vögeln eine Obhut geben. Der Weg verändert sich im Laufe des Jahres, jetzt im Sommer liegt ein Stopp im Naturbad Riehen nahe. 

24 Stops

 

Mirko Baselgia
Kloster Schönthal

Zu den ersten Handlungen von Mirko Baselgia (*1982) gehörte, als er sich in Langenbruck häuslich einrichtete, einen ehemaligen Melkstall in eine Werkstatt umzubauen. Baselgia hatte einiges vor. Etwa die alte Lehmgrube, aus der früher Material für Ziegel gewonnen wurde, wiederzubeleben und für eigene Arbeiten zu nutzen. Wie vieles an diesem Ort, so gibt es auch hier eine Verbindung zum Kloster Schönthal. Im 17. Jahrhundert diente das säkularisierte Kloster als Lager für die Ziegel. Die Natur ist das Thema des 34-jährigen Bündner Künstlers. Sei es, dass er Murmeltiergänge in Bronze ausgießt oder Bienen zu anderen als den üblichen Wabenkonstruktionen anleitet. Baselgia interessiert sich dafür, wie wir mit Rindern umgehen, welche Tiere wir für nützlich ansehen und welche nicht. Seine Arbeiten führen dabei tief in die Kulturgeschichte.

Bis 8. November 2016.
Kloster Schönthal

 

Am Ort
Chur

Wer im Sommer in Chur den Bus nimmt, dem kann passieren, dass während der Fahrt Michael Günzburger einsteigt und auf den Scheiben kleine Zeichnungen hinterlässt. Auch wenn der diesjährige Kunstsommer des Vereins Art-Public Chur „Am Ort“ heißt, muss es doch keine statische Intervention sein. Im Fontanapark hat Roman Signer eine Skulptur und Norbert Möslang eine Soundcollage geschaffen. Und gut 40 Vogelhäuschen von huber.huber sind in der ganzen Stadt verteilt.

Bis 30. Oktober 2016.
Art Public

 

Max Frey
Kantonsspital Aarau

Was ist denn das? Ein Schwarm grüner Vögel? Was der 1949 geborene Bildhauer Max Frey im weitläufigen Park des Kantonsspitals Aarau derart leichthändig installiert hat, ist tatsächlich eine Reihe handelsüblicher Gießkannen. Jedoch sind sie so angeschnitten, dass sie kaum wiederzuerkennen sind. „Grün – Objekt für einen Sommer“ ist dabei nicht allein Installation, es ist auch eine kinetische Skulptur und ein erfrischendes Wasserspiel.

Bis 11. September 2016.
KSK Aarau

 

Heimo Zobernig
St. Georgen

Diesmal gehört die Bühne in St. Georgen dem österreichischen Künstler Heimo Zobernig. Zobernig hat sie genützt, um weitere Bauten zu inszenieren. So hat er in den Kunstraum Grässlin mit dem „Trabant“ eine ehemalige Wiener Künstlerbar installiert. Doch auch der Gang durch die Schwarzwaldstadt lohnt sich. Dort finden sich Malerei von Heimo Zobernig und Werke der anderen Größen aus der Sammlung der Familie Grässlin wie Martin Kippenberger, Reinhard Mucha und Franz West in Schaufenstern und Gebäuden.

Bis 30. Oktober 2016.
Sammlung Grässlin

 

The View
Salenstein

Zugegeben, es gibt lauschigere Orte als ausgerechnet ein ehemaliges Wasserreservoir, einen Zivilschutzbunker und einen militärischen Unterstand. Klingt mehr nach Kaltem Krieg als Kunstgenuss. Doch obwohl. Im Sommer, wenn alle schwitzen und nach Luft schnappen, ist Kühle mehr als willkommen. Die Sommerausstellung in „The View – Contemporary Art Space“ zeigt merkwürdige Organismen, die nur schwer zu klassifizieren sind. Die Entdecker der fossilen Art „Hallucigenia“ etwa fanden den Wurm mit seinen Tentakeln so unwahrscheinlich, dass sie ihn nach einem Hirngespinst benannten. Martin Walde hat Hallucigenia aus Glas geformt, während Björn Schülke eine kinetische Skulptur geschaffen hat, die sich um sich selbst dreht. Zu sehen sind auch Arbeiten von Boris Petrovsky und Martina Lauinger, die in ihren Stahlplastiken gesellschaftliche und biologische Themen anspricht.

Bis 30. September 2016.
The View

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Dina Danish, Live From The Aquarium, 2016, Videostill, Installation in der Brasserie Les Halles, Zürich, Courtesy the artist & Galerie Barbara Seiler, Zürich

Gasträume 2016
Zürich

Es soll ja Menschen geben, die Städte im Sommer meiden: zu heiß, zu stickig. Zürich weiß da Abhilfe und hat die City und Zürich-West in eine Wundertüte voller Skulpturen verwandelt. Da sind duftende Kästen zu entdecken, Betonröhren von Olivier Mosset und Maya Bringolf hat Metallrohre und Ventilatoren zu einem Kanalbrausen verwandelt. Ein schöner Anlass zur Entschleunigung im Alltag.

Bis 4. September 2016.
Stadt Zürich

 

 

Skulpturenweg
Leutkirch

In Leutkirch kann man Kunst in diesem Sommer mit zweierlei Maß messen. Da ist zum einen der Skulpturenweg, der durch die Stadt führt und da ist zum anderen eine Ausstellung von Kleinskulpturen in der Galerie im Kornhaus. Überschneidungen bei den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern sind durchaus gewollt, so dass sich gut Vergleiche ziehen lassen können. Unter dem Titel „Leute in der Stadt“ führt ein Parcours mit 31 Skulpturen durch die historische Altstadt der ehemaligen Freien Reichsstadt Leutkirch. „Leute in der Stadt“ meint natürlich die Stadt selbst, aber verweist auch darauf, was zu erwarten ist. Die Skulpturen von Wolfgang Thiel, Barbara Wolfart, Klaus Prior oder Agnes Keil sind größtenteils figurativ und bilden so ein Gegenüber für die Passanten. Im Kornhaus Leutkirch hingegen sind um die 50 Kleinskulpturen zu sehen, die eine ganze Bandbreite von Stilen und Formen zeigen.

Bis 16. Oktober 2016.
Leutkirch

 

Just A Perfect Day
Kulturort Weiertal

Man kann es nicht oft genug sagen. Ist ein Tag einfach perfekt, muss man das kundtun. Besucher des Kulturort Weiertal werden sich vermutlich noch nicht einmal wundern, wenn sie im Park auf den Schriftzug „Perfect Day“ treffen. Für den diesjährigen Kunstsommer gibt die Arbeit das Motto vor. Bestritten wird er vom „IG Archiv Ostschweizer Kunstschaffen“, deren Mitglieder sich in den Galerienräumen, dem Park, zwischen Weihern und Bachläufen, im Bungert, unter Bäumen und Wiesen ausbreiten können. Kuratiert wurde die Ausstellung von Maja von Meiss. Zu sehen ist das ganze Spektrum zeitgenössischer Kunst. Malerei ist vertreten, aber auch ein falscher Schwan mischt sich unter die Enten, dessen Hals ein Wasserschlauch ist. Eine Madame wird an „aujourd‘hui“ erinnert – und man kann nur hoffen, dass sie den Tag zu ergreifen weiß, man findet Assemblagen und Pop-Art. Begleitet wird die Ausstellung von Führungen, Rundgängen mit den Gartengestaltern und einem Sommerfest.

Bis 11. September 2016.
Skulpturen Biennale