03/07/16

Malerei ohne Hierarchie

Das Museum Frieder Burda zeigt Malerei auf Leinwand von Katharina Grosse

von Florian Weiland

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Katharina Grosse, Ohne Titel, 2008, Detail, © Katharina Grosse und VG Bild-Kunst, Bonn 2016
Ein endloser Bildraum ohne Zentrum, ein Rausch der Farben ohne Hierarchie: Das Tafelbild von Katharina Grosse (*1961), das derzeit im Museum Frieder Burda zu sehen ist, beeindruckt nicht zuletzt durch seine gewaltigen Ausmaße. Mit dem Pinsel wäre dies schlicht unmöglich. 1989 hat die Künstlerin erstmals zur Sprühpistole gegriffen. Die Malerei verlor dadurch ihre Beschränkungen: große Flächen ließen sich zügig füllen, Linien durchziehen ohne abzusetzen. Grosse arbeitet in einem Abstand von drei bis vier Metern von der Leinwand. Es ist eine berührungslose Malerei. Aber sie kann auch anders. Breite Pinselstriche, die zu regelrechten Farbfeldern mutieren, beherrschen eine Komposition aus dem Jahr 1991. Und schon damals hat Grosse nicht nur zum Pinsel gegriffen. Auf einigen Bildern etwa finden sind Fußabdrücke der Künstlerin, ihre Füße transportierten die Farben über die am Boden liegende Leinwand, was den Bildern eine spürbare körperliche Note gibt. Wandert Grosse durch ihre eigenen Farblandschaften?

In seiner aktuellen Ausstellung konzentriert sich das Museum Frieder Burda ganz auf die Tafelbilder der in Berlin lebenden Künstlerin. Es zeigt ihre Auseinandersetzung mit der traditionellen Malerei und ihre eigene malerische Entwicklung. Nicht nur die schiere Größe ihrer Formate bricht mit allen Regeln und setzt neue Akzente. Auch lässt sie die abstrakte Farbfeldmalerei hinter sich, indem sie zwar deren Bildsprache aufgreift, aber mit deren strenger Perfektion bricht. Der Pinselstrich bleibt bei Grosse deutlich sichtbar. Die Farbfelder sind nicht strikt voneinander getrennt, sondern durch die zugrundeliegende Untermalung miteinander verbunden. Die Farbe wird in Schichten aufgebaut. Die transparenten Übermalungen sorgen für Spannung. Schablonen aus Schaumstoff oder Pappe führen beim Arbeiten mit der Spritzpistole zu weich fließenden oder hart abgegrenzten Übergängen. Wo die Farbe an der Leinwand hinunterläuft, entstehen Farbbahnen. Manche ihrer Bilder sind wild und ungezähmt, andere von parallelen Linien und Schraffuren beherrscht. Sie wirken wie vergittert und erzeugen eine erstaunliche Tiefenwirkung. Grosse betont, dass ihre Bilder nur einen Ausschnitt zeigen würden. In der Vorstellung ließen sie sich weit über die Leinwand hinaus fortsetzen. Ihre Malerei kennt keine Grenzen. Nur einmal verlässt die Ausstellung die klassische Form des Tafelbildes. Eine monumentale, nur partiell bemalte Ellipse mit kreisrunden Loch lehnt schräg an der Wand. Hier erobert die Malerei den Raum und sucht den Dialog mit der markanten Architektur des Museums. Aber darf man hier überhaupt noch von Malerei reden? Handelt es sich nicht eher um eine Skulptur oder, treffender noch, eine Installation im Raum? Sie wolle, hat Grosse einmal erklärt, dass Malerei sich extrem verhält.

 

Katharina Grosse
Museum Frieder Burda
Lichtentaler Allee 8b, Baden-Baden.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 9. Oktober 2016.

 

 

 




Museum Frieder Burda