24/06/16

Raumgreifende Bilder und flache Strukturen

In der Ausstellung von Gerold Miller in der Kunsthalle Weishaupt wird der Rahmen ins Zentrum gerückt

von Florian Weiland

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Gerold Miller, instant vision 151, o. J., total object 152, 2008, © Gerold Miller, Fotos: Jens Ziehe
Seine Objekte aus lackiertem Aluminium sind raumgreifende Bilder und flache Skulpturen in einem. Und sie sind eine Herausforderung. Gerold Miller (*1961) testet aus, wie weit sich die Reduktion forcieren lässt. Zentrales Motiv seines Werks ist der Bildrahmen. Traditionell eher schmückendes Beiwerk und Bildbegrenzung, rückt er bei dem in Berlin lebenden Künstler ins Zentrum. Charakteristisch für Miller sind Wandobjekte mit abgerundeten Ecken, die einen leeren quadratischen oder rechteckigen Raum abschließen. Diese Fehlstelle gibt den Arbeiten ihre Spannung. Doch es geht noch radikaler: zwei sechs Meter lange Aluminiumleisten – die eine farbig, die andere schwarz – fassen eine weiße Wand ein. Es funktioniert: Sie nehmen den Raum in Besitz. Die Wand des Ausstellungsraumes wird zu einem skulpturalen Gebilde.

Perfektion ist das Wort, das einem beim Rundgang durch die Ausstellung, einfällt. Die glänzenden Oberflächen, in denen sich der Betrachter spiegeln kann, die knalligen Farben. Besonders das Neonpink – der Künstler hat das Copyright für diesen Speziallack – sticht ins Auge. Nichts wird hier dem Zufall überlassen. Die Ausstellung dokumentiert sehr gut, wie sich Millers Werk in den letzten drei Jahrzehnten entwickelt hat und wie der Künstler bestimmte Themen immer wieder variiert und weiterentwickelt.

Miller arbeitet in Serien. Die Titel sind schlicht. „Anlage“, „Total Object“ oder „Monoform“. Die erste umfassende Retrospektive des Künstlers im süddeutschen Raum lebt von spannenden Blickachsen und Kontrasten. Die Architektur der Kunsthalle Weishaupt bietet dafür den notwendigen Platz. Auch für eine über sieben Meter hohe, abgewinkelte Stele aus poliertem Edelstahl, Teil der Werkgruppe „Verstärker“, die in Ulm erstmals zu sehen ist. Die freistehenden Skulpturen Millers sind überhaupt eine Entdeckung. Doch auch sonst kann die Schau aus dem Vollen schöpfen: Siegfried Weishaupt besitzt rund 50 Werke des Künstlers. Die Arbeiten treten miteinander in einen Dialog: Schwarz-Weißes hängt neben Farbigem, offene Formen neben geschlossenen, glänzend spiegelnde Oberflächen neben matten. Die Ausstellung hat ihren ganz eigenen Rhythmus. In der Gesamtschau fasziniert Millers Minimalismus noch stärker. Eine Verbeugung vor der Kunstgeschichte darf nicht fehlen – doch seiner Hommage an das „Schwarze Quadrat” von Kasimir Malewitsch verleiht Miller eine ganz eigene Note, indem er einmal mehr mit den Oberflächen spielt und den Betrachter in sein Werk einbezieht.      

Gerold Miller
Kunsthalle Weishaupt
Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 1, Ulm.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 2. Oktober 2016.

 




Kunsthalle Weishaupt