16/06/16

Eines in sieben Schichten

Die Ausstellung von Katharina Hinsberg im Kunstmuseum Ravensburg lebt von Veränderungen

von Florian Weiland

hinsberg.jpgKatharina Hinsberg, Feldern (Farben), 2014, © VG Bild-Kunst, Bonn 2016, Foto: Achim Kukulies, Düsseldorf


Die Wand wird zur Leinwand. Doch auch wenn Katharina Hinsberg (*1967) mit ihrer Rauminstallation „Feldern (Farben)” im Kunstmuseum Ravensburg unverkennbar auf die Farbfeldmalerei anspielt – gemalt ist hier nichts. Mehr noch: Die Künstlerin stellt mit ihrer Arbeit die Malerei in Frage. Hunderte Blätter Seidenpapier hängen dicht an dicht nebeneinander. Von der Decke bis zum Boden. Es gibt, abgesehen von den Türen und Fenstern, keine Aussparungen. So entsteht ein wandfüllendes, maßgeschneidertes Kunstwerk von gewaltigen Ausmaßen: auf einer Länge von rund 80 Metern hängen die querformatigen Seidenpapiere in sieben Schichten übereinander. Jede Schicht hat ihre eigene Farbe. Während der Laufzeit der Austellung werden nach und nach die oberen Schichten nach Vorgaben der Künstlerin entfernt. Zum anfänglichen Blaulila kommt ein Orange hinzu, es folgen Schwarz und Gelb usw. Muster entstehen und streng geometrische Raster, die sich über alle vier Wände ziehen. 

Katharina Hinsberg, die als Professorin für Konzeptuelle Malerei an der Hochschule für Bildende Küns­te Saar lehrt, präsentiert in Ravensburg ein minimalistisches Kunstwerk, das von der Veränderung lebt. Insgesamt werden hier acht Zustände ihrer Arbeit zu sehen sein, bei denen es sich eigentlich um acht verschiedene Kunstwerke handelt. Es sind in ihrer Wirkung vollkommen unterschiedliche Farbräume, die den Besucher erwarten. Neue Bilder werden zum Vorschein gebracht, was zugleich immer auch den Verlust des vorangegangenen Motivs, das abgetragen wird, bedeutet. Ein ebenso einfaches wie faszinierendes Konzept, das durch das verwendete Material einen zusätzlichen Reiz gewinnt. Die hauchdünnen Seidenpapiere plustern sich auf, sobald ein Lufthauch sie trifft. Die schönsten Effekte entstehen, wenn man ganz dicht an den Wänden entlang rennt. Etwas verzögert geraten die Papiere ebenfalls in Bewegung. Aber es genügt auch schon, ein wenig zu pusten. Hinsbergs Rauminstallation garantiert ein dynamisches und zugleich höchst sinnliches Vergnügen.

Eine weitere Werkserie der Künstlerin ist im Foyer des Kunstmuseums zu sehen. Hinsberg hat dafür befreundete Kunstschaffende gebeten, auf einem einfachen DIN-A5-Blatt alle Stifte auszuprobieren, die sie bei sich zu Hause zur Verfügung hatten. Es ist überraschend, wie unterschiedlich diese „Farbproben“ ausfallen. Wer mag, kann selber ein Blatt Papier mitnehmen, seine eigenen Stifte testen und das Ganze ans Museum zurückschicken. Die Einsendungen werden aufgehängt, so dass die Galerie der „Farbproben“ ständig wachsen wird. Also: Stifte gezückt!     

 

Katharina Hinsberg
Kunstmuseum Ravensburg
Burgstr. 9, Ravensburg.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 19.00 Uhr.
Bis 3. Juli 2016.

 

 

Bilder:

 




Kunstmuseum Ravensburg