14/06/16

Lydia Wilhelm

Die Winterthurerin faltet Fotografien in die dritte Dimension

von Annette Hoffmann

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Lydia Wilhelm, Umordnung, 2015, courtesy the artist
Um den Blick auf die Oberfläche einer Fotografie zu lenken, gibt es verschiedene Möglichkeiten: vergrößern oder verfremden. Lydia Wilhelm (*1975) hat sich fürs Falten entschieden. Ausgerechnet die Falte. Kaum etwas ist mehr mit Skulptur und Malerei verbunden als die Falte. Sie scheint Stoff – sei es in Form von Kleidung oder als Vorhang – ganz wesentlich zu brauchen. Geht man darüber hinaus und nimmt die Falte als Denkmodell, wie es etwa Gilles Deleuze getan hat, dann wird trotz ihrer klaren Kanten die Grenze zwischen dem Sinnlichen und den Intelligiblen unscharf.

Lydia Wilhelm, die in Winterthur lebt und arbeitet, wendet die Falte auf Illustrationen aus Fachbüchern der Mineralogie und Geografie an. Die ersten Impulse dazu kamen ihr bei einem Stipendienaufenthalt in Reykjavik. Wilhelm strukturiert die Abbildungen von Bergen in kleine Einheiten, die sie alle gleich behandelt. Sieht man ihre „Verfaltungen“ jedoch als Serie, fällt die Vielfalt auf, mit der aus dem zweidimensionalen Papier ein dreidimensionales Tableau wird.

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Lydia Wilhelm, Beschaffenheit, 2016, courtesy the artist
Wilhelm ahmt dabei die Prozesse nach, die Gebirge überhaupt erst hervor gebracht haben. Zugleich fühlt man sich an die Rasterstruktur von Druckverfahren erinnert. Die in Graubünden geborene Künstlerin hat die Faltungen dieser fotografischen Abbildungen aus einer Auseinandersetzung mit dem Kris­tall entwickelt. Der Kristall, mit dem sich Wilhelm vor allem in Zeichnungen befasst hat, gibt das regelmäßige Muster und das Dreidimensionale vor für ihre Verfaltungen. Wie sehr es Lydia Wilhelm dabei um die Entfaltung eines plastisch werdenden Musters geht, zeigte sich in der Gruppenschau „Skript“ im Basler Ausstellungsraum Klingental. Dort installierte sie gewalzten Ton zu kleinen gefalteten Päckchen auf dem Boden.

Lydia Wilhelm bei Widmer+Theodoridis, Zürich, an der Photo Basel – Kunstmesse für künstlerische Fotografie Ackermannshof, St. Johanns-Vorstadt 19-21, Basel.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 11.00 bis 22.00 Uhr, Samstag 11.00 bis 19.00 Uhr.
15. bis 19. Juni 2016.

 

 




Photo Basel