15/06/16

Raphaela Vogel

Im wüsten Drohnenflug über das eigene Ich in der Kunstgeschichte

von Dietrich Roeschmann

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Raphaela Vogel, Teint Eklat, 2014, Foto: Simon Vogel, courtesy BQ, Berlin & Raphaela Vogel
Sanftes Meeresrauschen, die Morgensonne steht knapp über dem Horizont. In der Ferne sehen wir eine junge Frau über den Strand tanzen, in der Hand ein großes Seidentuch, das sich zart im Wind bauscht. Okay, die Zutaten stimmen: das könnte jetzt kitschig werden. Doch keine Sorge: Die Arbeiten von Raphaela Vogel (*1984) haben mit theatralischer Selbstfindung wenig zu tun. Eher schon mit der Selbstverortung des Körpers im technologisch vermessenen Raum. Das Strandvideo „The Prophecy” etwa drehte sie mithilfe einer von ihr gesteuerten Kamera-Drohne, die kurz nach dem Abheben schwer mit dem Seewind kämpfen musste, ihr Objekt – die Künstlerin – aber zuverlässig und mit einer an Bedrohung grenzenden Hartnäckigkeit im Visier behält. Auf dem Videoscreen ragen die Kufen des Fluggeräts als fieses Augenpaar ins Bild wie eine Zielvorrichtung in der Ego-Pers­pektive eines Video Games.

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Raphaela Vogel, Raphaela, 2015, courtesy BQ, Berlin & Raphaela Vogel
Dass Vogel diese Arbeit in ihrer Berliner Galerie BQ kürzlich per Beamer an die Wand projizierte, der auf einer aus grauen Dixie-Pissoirs montierten Stele im Raum thronte, ist typisch für die Künstlerin, die bei Peter Fischli an der Frankfurter Städelschule studierte. Mit einem aberwitzigen Hang zur skulpturalen Überformung spannt sie noch das banalste Ausstellungs-Equipement in ihre raumgreifenden Installationen ein. Shishas im HR-Giger-Look, wacklige Säulenobjekte aus Bierkisten und Stand­aschenbechern oder mannshohe Plastik-Dinosaurier auf Rollen bilden die Sockel und Halterungen für die Projektionstechnik, die oft so nahe an der Wand platziert ist, dass man Mühe hat, auf den lächerlich kleinen Bildfeldern zu erkennen, ob Vogel dort nun gerade zu Gitarrenlärm in hart geschnittenen Sequenzen durch die Marmorbrüche von Carrara turnt oder eine Präsentation selbst bemalter Tierhäute performt. Versucht man dann hinter die grellen Oberflächen dieser Arbeiten zu blicken, ist man plötzlich gefangen in einem Netz von kunsthistorischen Verweisen auf Duchamp, Michelangelo, Eva Hesse, Fischli/Weiss und andere Protagonisten künstlerischer Fetischproduktion. Neo-Trash-Animismus mit Star-Appeal.              

Raphaela Vogel bei BQ, Berlin, Art Basel
Messe Basel, Halle 2.1.
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag 11.00 bis 19.00 Uhr.
16. bis 19. Juni 2016.

 

 




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