09/06/16

Lauren Huret

Digitale Erkundungen der Diffusion von Körper und Wissen

von Jürgen Reuß

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Lauren Huret, Breaking the internet, Foto: Martina Flury Witschi, alle 2016, courtesy the artist
Die Screens der jüngsten Arbeit, die Lauren Huret (*1984) an den Swiss Art Awards zeigen wird, wirken wie Aquarien. In seltsam kruden Bewegungen schwebt darin ein menschlicher Körper wie im unruhigen Schlaf. „Deep Blue Dream” handelt vom Traum des Bewusstseins der Maschine und von der mit der rasant fortschreitenden Entwicklung künstlicher Intelligenz einhergehenden Trennung des Wissens von der Materialität unserer Körper.

Lauren Hurets Werk konzentriert sich auf die Schnittstellen von Wissenschaft, Technik und Mystik. 2008 machte die Französin ihren Master an der École des Beaux-Arts de Bordeaux, 2013 dann den WorkMaster an der Haute école d'art et de design (HEAD) in Genf, wo sie zurzeit auch als Forschungsassistentin arbeitet. Aktuell befasst sie sich vor allem mit Geschichte und Gegenwart digitaler Technologien und mit den Auswirkungen künstlicher Intelligenz. Nach zahlreichen internationalen Gruppenschauen und zwei Soloprojekten in Lodz und Grenoble zeigt das Kunsthaus Langenthal mit „Artificial Fear Intelligence of Death“ derzeit ihre erste institutionelle Einzelausstellung.

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Laurent Huret, Man's intelligende trapped in computers, Foto: Martina Flury Witschi, 2016, courtesy the artist
Dieser ging eine intensive Beschäftigung mit technischer, philosophischer und Science-Fiction-Literatur zu Fragen der künstlichen Intelligenz voraus, die 2015 schließlich in einer Forschungsreise nach San Francisco und ins Silicon Valley mündete, wo Huret zahlreiche Gespräche mit maßgeblichen KI-Entwicklern und deren Kritikern führte. In ihrer Ausstellung in Langenthal hat sie die Ergebnisse ihrer Recherchen nun zu einer komplexen Erzählung über künstliche Intuition, Techno-Spiritualismus, Cyberpunk und IT-Geschichte arrangiert. Neben Videoarbeiten präsentiert sie hier auch ihre jüngsten Collagen von Bildmaterial aus frühen Ausgaben der Computerzeitschrift Byte, in denen sie eine historische Line vom Einsatz der Telefonistinnen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis zu den Definitionen von Weiblichkeit im digitalen Zeitalter zieht. 

Lauren Huret, Swiss Art Awards 2016, Messe Basel, Halle 4.

 

 




Swiss Art Awards