10/06/16

Adam Cruces

Der in Zürich lebende Texaner arbeit an Updates des Memento mori

von Dietrich Roeschmann

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Adam Cruces, Still Life with Watermelon (After Raphaelle Peale), 2015, Courtesy the artist & Kunsthaus Langenthal
Tick-tack-tick-tack. Die Zeit verrinnt, und natürlich braucht man keine Uhren, um das zu wahrzunehmen. Meistens reicht der morgendliche Blick in den Spiegel oder das Kramen in alten Sachen, die irgendwann aus der Gegenwart des eigenen Lebens gefallen und dann in den Keller gerutscht sind. Dennoch: Nirgendwo materialisiert sich dieses dumpfe Gefühl, das es jetzt irgendwie anders ist als eben noch, so griffig wie im Sound des Sekundenzeigers oder im bewegten Bild der Digitalanzeige. Adam Cruces (*1985) liefern diese Hilfskonstruktionen zur Visualisierung der Zeit den Stoff für seine Kunst. Der gebürtige Texaner, der 2013 seinen Abschluss an der Zürcher Hochschule der Künste gemacht hat, nimmt sie als das, was sie sind: Requisiten in einem unfairen Spiel, zum Scheitern verurteilt durch begrenzte Batterielaufzeiten oder empfindliche Technik, aber gerade deshalb perfekte Metaphern der absoluten Gegenwart.

Ein schönes Beispiel dafür sind seine um Schwämme geschnallten und in Kunstharz eingegossenen Armbanduhren, die wie urzeitliche Insekten in Bernstein den Moment des Versagens ihrer Funktion konservieren. Auf ähnliche Weise schlagen auch die Stillleben des Amerikaners eine Brücke zwischen der physischen und der virtuellen Realität. Die in Pastellfarben gemalten Porträts von Wassermelonen, Tomaten- oder Zitronenscheiben imitieren in ihrer Objekthaftigkeit die Form von Küchenuhren und verweisen zugleich auf berühmte Vanitas-Motive der Kunstgeschichte, die er für eine weitere Serie direkt aus dem Internet heruntergeladen, auf Leinwand gedruckt und praktischerweise gleich mit einem Uhrwerk versehen hat – gewissermaßen als Herzschrittmacher eines unverwüstlichen Sujets. Auch ansonsten ist der Humor, mit dem Cruces an seinen zeitgenössischen Updates des Memento mori arbeitet, denkbar schräg. Mal kutschiert er 3-D-Miniaturprints von Brancusi- oder Boccioni-Skulpturen auf dem Rücken eines Reinigungsroboters durch den Kunstraum, mal verwandelt er Kühlschränke in Ausstellungsdisplays und hält so die Sehnsucht frisch, dass es uns doch noch gelingen könnte, die Zeit zu überwinden. Dumm, dass sie nur mit Strom funktionieren.            

 

Adam Cruces, Swiss Art Awards 2016, Messe Basel, Halle 4.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 19.00 Uhr, Vernissage: 13. Juni 2016, 19.00 bis 22.00 Uhr.
Bis 19. Juni 2016.

 

 

 




http://www.swissartawards.ch