30/05/16

Henning Strassburger

Die Bilder des in Berlin lebenden Malers flirren in trendiger Medienästhetik und sitzen wie gedruckt

von Manuel van der Veen

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Henning Strassburger, Superet Light, Installationsansicht Soy Captán, Berlin 2016
In „Bad bad bad Murphy“ von 2016 schwingen sich scharfe Umrissschlenker in Form von Surfbrettern über die Malerei. Sie eröffnen spitze, hellere Formate, auf denen eine malerische Lichtreflexion in Farbe verläuft. Sie schillert, erzeugt sehnsüchtige Tiefe, Lifestyle und nuanciert diverse Romantik-Grade.

Beachen, bumsen und Business rinnt zwischen den Linien hindurch. So schlängeln sich diese schwarz-prägnanten, relaxed-lässigen Windungen über die Oberfläche. Doch dann ein farblich konträres Strand-Feeling zwischen Grau, Blau und Abendrot. Die Ränder in „Bad Murphy“ lassen die Stimmung kippen. Zittrig salutierende Surfbretter in dunkelgrau umrissenen Posen mit farbiger Schärpe. Sie halten nicht still, sondern vibrieren, zusammen mit den schwarzen Wellen auf dem unruhigen Grund der Leinwand.

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Henning Strassburger, Bad bad bad Murphy, 2016, Courtesy the artist & BolteLang, Zürich
Henning Strassburger (*1983) lehrte 2014 ein Semester an der University of Nevada Las Vegas und ist zur Zeit Gastprofessor an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Karlsruhe. Er entlarvt sich in seinen Arbeiten als ein eingeweihter Kenner der Werbe-, Magazin- und Online-Ästhetik. Ein Millenial, ein Kind der Zeit, das sein eigenes Benehmen clever zu analysieren weiß. So performt er Youtube-Videos, Smartphone-Clips, Poster und schreibt die Novelle „High“. Die Aktivität, sich diese Fenster offen zu halten, mündet in einer gekonnten Bewegungsfreiheit, etwa die großformatigen, gut sitzenden Plakate mit gekämmter Rückansicht von Frisuren. Doch eigentlich bleibt Strassburger auch immer ein Maler: Pigment statt Pixel.

Auf „Light weight – that‘s a lie“ von 2015 brausen die Pinselstriche über die Bildfläche, doch nicht in erwarteter Farbhärte und -dichte. Darüber überall diese kleinen, summenden Kleckse, Spritzer, Flecken, Flächen und die sich immer wieder wiederholende Schleifen in Schwarz. Sie haben Charakter und dieser ist wandelbar. Das kohlige Schwarz verhält sich ähnlich der Kontur von Comic-Sprechblasen. Es hängt unbesorgt-unförmlich, girlandenmäßig leicht oder formt sich zornig-zackig. Sie protzen und produzieren sich, spielen sich in den Vordergrund, trotz aggressiv-greller CMYK-Fraktion. Die häufig zitierten Teenie-Magazin-Cover, die mit üppiger Reichhaltigkeit an Bild-Mini-Informationen prahlen, übersetzt Strassburger in einen Schwarm von Verführungsmomenten. Was wirkt, ist die Flut der Masse, ein Pumpen und Pulsieren, flap, flap, flap: so erzeugen und halten sich die Malereien in kleinteiligen Spannungen. Die technisch vielfältigen Verfahren wirken wie verschiedene Filter oder Tabs, die sich aufgeregt auf dem Screen tummeln, den Blick beschäftigt halten, anziehen und fallen lassen, drag and drop. Viele Flächen, die sich ihre Attraktivität in Flipper-Manier hin und her spielen. Strassburger nutzt das Aufmerksamkeitsdefizit des zeitgenössischen Betrachters und unterläuft es mit seiner hyperaktiven Malerei. Die super-präzisen Setzungen erzeugen sich eigensinnig-maschinell. Nichts wirkt eindeutig-verkrampft, sondern hält sich im beiläufigen Nebenbei fabrikmäßig in Schuss. Als würde ein Comiczeichner das Nebenprodukt einer Maschine erzeugen. So umfährt ein realer Rand aus schwarzen Restbeständen die Malereien, aus dem sich das Bild heraus entwickelt. Strassburgers Arbeiten verführen nicht durch den Fokus, sie törnen die Peripherie an.    

Henning Strassburger: Bleaching is teaching.
Kunstverein Reutlingen
Eberhardstr. 14, Reutlingen.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
29. Mai bis 7. August 2016.

Henning Strassburger bei BolteLang, Zürich, Liste – Art Fair Basel Warteck PP, Burgweg 15, Basel
sowie bei Sies+Höke, Düsseldorf, Art Basel, Halle 2.1, Messeplatz, Basel.

 




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