18/04/12

Materialisierte Gedankenräume

Das Kunstmuseum Solothurn widmet dem Basler Konzeptkünstler Anselm Stadler eine sehenswerte Werkschau.

von Helen Lagger
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Nach rechts oder links? Von wo aus sollte man in die Ausstellung „Glimmende Peripherie“ im Parterre des Kunstmuseum Solothurn starten? „Spielt keine Rolle“, meint die Dame am Empfang. Um Entscheidungen, um Optionen und um Bilder, die so, aber genauso gut auch anders sein könnten, dreht sich denn auch das Werk des 1956 in Rheinfelden geborenen Künstlers Anselm Stalder. Dieser hatte in den Achtzigerjahren internationale Anerkennung erlangt, unter anderem als er 1984 die Schweiz an der Biennale in Venedig vertrat.
In der aktuellen Schau in Solothurn, die nach rund zehnjähriger Pause erstmals wieder Einblick in Stalders Schaffen gibt, sind neueste wie auch ältere Werke integriert. Der Titel „Glimmende Peripherie“ steht laut dem Künstler für das ständige Umschlagen von Ereignissen in Unerwartetes. Das Unvorhersehbare ist ein wichtiger Faktor in Stalders Kunst, die um Körper, Raum, Wahrnehmung und Sprache kreist und sich der unterschiedlichsten Medien bedient.

Im Kunstmuseum Solothurn durchlaufen die Besucher ein Labyrinth, bestehend aus Spiegeln, Geschriebenem, Zeichnungen von wuchernden Pflanzen, die in Leuchtkästen präsentiert werden, und „Skulpturen“, die mit Leerräumen operieren. Stalder hat ein kompliziertes Referenzsystem geschaffen, das die Entstehung eines Werkes selbst zum Thema macht. Die ausgebreiteten Exponate ergeben innerhalb des Museums, dessen Räumlichkeiten der Künstler in der Präsentation miteinbezogen hat, ein Museum im Museum. Bereits im Foyer beginnt die Schau: Vier in den Ecken angebrachte Scheinwerfer verwandeln die Eintrittshalle in einen Bühnenraum, so dass die Besucher selbst unmerklich zu Akteuren werden.

In den Ausstellungsräumen herrscht ein Gefühl der Zeitlosigkeit. Die aus verschiedenen Schaffensperioden stammenden Werke lassen sich kaum datieren, da der Künstler einen bewusst offenen Werkbegriff pflegt. Man stösst auf mehrere Arbeiten aus seiner berühmten „As if“-Reihe. Was auf Deutsch so viel bedeutet wie „als ob“. Der Titel der Reihe spielt darauf an, wovon der Künstler sich leiten lässt, nämlich von den Dingen, die möglich wären. Stalders visuelle Umsetzungen, unabhängig davon, ob es sich um Zeichnungen, Fotografien oder Objekte handelt, sind materialisierte Gedankenräume.

Bei der mit Öl auf Baumwolle gemalten Arbeit „As if (as if 000)“ aus dem Jahr 2000 handelt es sich um eine ornamentale Verdichtung der beiden Wörter „as“ und „if“. Das präzise aufgeführte Werk ist gedacht als malerische Umsetzung der rhetorischen Figur: Diese bezieht sich in ihrer mehrfachen Spiegelung gleichzeitig auf ein Davor und ein Danach und wird so zum Symbol des Kunstmachens, bei dem der Künstler sich auf Vergangenes bezieht und gleichzeitig in die Zukunft blickt.

Anselm Stalder: Glimmende Peripherie.
Kunstmuseum Solothurn

Werkhofstr. 30, Solothurn.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 3. Juni 2012.
Kunstmuseum Solothurn