04/04/16

Daniel Karrer

Auf seinen Expeditionen durch das Feld der Malerei findet der Basler Künstler immer neue Links zwischen Tradition und Aufbruch

von Simon Baur
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Daniel Karrer, Verbergen Nr. 2, 2014, courtesy Herrmann Germann Contemporary and the artist
Der Basler Künstler Daniel Karrer (*1983) bewegt sich vorwiegend auf dem breiten Feld der Malerei. Sie ist für ihn kein ebenes Gelände, kein Tempobolzen auf dem Highway. Malerei ist für Daniel Karrer ein Verifizieren in unwegsamem Gelände, eine gut vorbereitete, wohl begründete Forschungsreise wie sie vor über zweihundert Jahren Alexander von Humboldt in südamerikanischen Gebieten unternahm. Man mag nun einwenden, dass dieser Vergleich ein kühner sei. Man besinne sich vor eiligen Schlüssen, auf seine Entwicklung, wie auch auf seinen Umgang mit Motiven und Mitteln, die seine Malerei ausmachen.  

Jedem einzelnen Bild, ob es sich um eine Landschaft, ein Porträt oder ein Stillleben handelt – wobei in Gedankenstrichen angefügt sei, dass sich die Gattungen durchaus verschränken und sich nur ausnahmsweise in einer „ausschliesslichen“ Form zeigen – geht eine sorgfältige Recherche voraus, die die Landschaften auf ihre geologischen Verwerfungen, die Porträts auf die physiognomischen Eigenschaften und die Stillleben auf ihre optionalen Transformationsprozesse hin untersucht. So zeigt der Berg in „Verbergen, 2“, entstanden 2010, neben landschaftlichen Motiven, wie Geröllhalden und einer Wald-Silhouette, auch einen Schnitt durch die unterschiedlichen Gesteinsschichten, doch erinnert dieser weniger an eine geologische Struktur als an eine Scheibe Nougat. Reminiszenzen traditioneller Landschaftsmalerei werden mit neuen Formulierungen kombiniert und schaffen ein zeitloses Ambiente. Diese Balance aus Tradition und Aufbruch mag mit ein Grund sein, weshalb Daniel Karrer den Auftrag für ein monumentales Panorama alpiner Landschaften erhielt, das er im Naturhistorischen Museum Basel für eine Ausstellung ausführt, die im Juni eröffnet wird. Eine ähnliche Balance findet sich in den Bildern, die auf unfertigen Gemälden beruhen, die er aus einem Künstlernachlass übernommen hatte. Über diese skizzenartigen Entwürfe oder fast vollendeten Motive, legte er jeweils eigene Strukturen: über ein Gesicht einen Setzkasten, unter und über eine Festungsanlage einen Tisch, was teils zu absurden Überlagerungen führt, die an surrealen Irritationen des Belgiers René Magritte erinnern.

Momentan ist in seinem Atelier wenig zu sehen, einige kleine Malereien auf Holz, und ein Entwurf zum Panorama, alle anderen Arbeiten befinden sich in Ausstellungen im In- und Ausland. Ab Juli wird Daniel Karrer dank dem Stipendium „Atelier Mondial“ ein halbes Jahr in Berlin verbringen und dort seine erste institutionelle Einzelausstellung vorbereiten, die Ende Jahr in der Kunsthalle Winterthur zu sehen sein wird. Im September wird er zudem seine Arbeit in der Ausstellung des Kunstkredits zeigen, mit dem Werkbeitrag, der ihm zugesprochen wurde, verbindet sich auch die Möglichkeit einer Teilpräsentation in der Kunsthalle Basel. Selbst bei einem so dichten Programm, findet Daniel Karrer Zeit und Musse für seine Experimente im Atelier, auf einem Tisch sind Plots zu sehen, in denen er mit grobem Raster und Übermalungen experimentiert und an der Wand hängt eines der jüngsten Bilder, auf dem das Exzerpt einer Hecke zu sehen ist, die zu einem Objekt transformiert wurde. Dicht und konzentriert ist seine Bildsprache, wohin auch immer ihn seine Expeditionsreise führen wird, es wird spannend bleiben.

 


Daniel Karrer u.a., Malerei zwischen Raum und Abstraktion
Kunstmuseum Olten

Kirchgasse 8, Olten.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 14.00 bis 19.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 1. Mai 2016.