08/04/16

Erweitern Sie Ihren Speicher!

Nach dem Boom des Kunstmarktes boomt jetzt die Museumsbauwirtschaft. Gut so!

von Dietrich Roeschmann

kmquer.jpgKunstmuseum Basel, Neubau, Februar 2016, Foto: Stefano Graziani
Natürlich kann man fragen, ob der Kunstmarkt im vergangenen Jahrzehnt den Anschluss an die Wirklichkeit verloren hat. Man kann sich über die Milliardenumsätze wundern, die hier gemacht wurden, oder über Spekulanten klagen, die die Preise in die Höhe trieben und so den Boom beförderten. Dieser bescherte der Kunst zwar eine bis dahin beispiellose öffentliche Aufmerksamkeit samt Starsystem nach Vorbild des Pop, brachte andererseits aber die öffentlichen Institutionen zunehmend in Bedrängnis, weil deren Ankaufsetats mit der Preisentwicklung nicht Schritt halten konnten und die Museen dadurch verstärkt in Abhängigkeit von äußerst selbstbewussten Leihgebern und in Konkurrenz zu einer wachsenden Zahl von privaten Sammlermuseen gerieten. Das kann man beklagen. Doch der Hype  der letzten 15 Jahre hatte auch einen positiven Effekt. Er ermutigte viele Städte und Kommunen mit massiver Unterstützung durch lokale Mäzene zu erheblichen Investitionen in ihre museale Infrastruktur.

Während der Kunstmarkt die Grenzen seines Wachstums vorläufig erreicht zu haben scheint – laut des aktuellen „Art Market Report” der TEFAF-Messe in Maastricht fiel der weltweite Umsatz im Kunsthandel 2015 von 68 auf 63 Milliarden Dollar –, nimmt das Echo der fetten Jahre in den Städten jetzt deutlich Gestalt an. Von Mannheim bis Chur, von Hannover bis Zürich drehen sich die Kräne über den Baustellen ambitionierter Museumserweiterungen, die oft in den Nullerjahren geplant wurden. Eines der prominentes­ten Beispiele ist der Neubau des Kunstmuseums Basel, der am 17. April 2016 nun nach fünfjähriger Bauzeit mit einem zweitägigen Fest und einer Mega-Schau zur Entwicklung der Skulptur von 1946 bis heute eröffnet. Die ersten Planungen für den Annex, der eine Art Scharnier zwischen dem 1936 erbauten Kunstmuseum und dem 1980 eröffneten Museum für Gegenwartskunst bildet, gehen auf das Jahr 2001 zurück. Der markante Bau mit seiner eleganten Backsteinfassade, entworfen von Christ & Gantenbein, kostete 100 Mio. Franken. Das Grundstück und die Hälfte der Bausumme steuerten die Basler Mäzenin Maja Oeri und ihre Laurenz-Stiftung bei. Auch in Mannheim ermöglichte erst die 50-Mio.-Spende des SAP-Gründers Hans-Werner Hector den 2011 projektierten Bau des neuen Kunsthallen-Annex nach Plänen der Architekten Gerkan Maag & Partner. Die Erweiterung wird knapp 70 Mio. Euro kosten und soll Ende 2017 eröffnen. Und während nun endlich auch in Zürich ein definitiver Zeitplan für den 2002 erstmals angedachten und 2008 an den britischen Architekten David Chipperfield vergebenen Erweiterungsbau des Kunsthauses vorliegt – Kosten: 200 Mio. Franken, städtische Beteiligung: 88 Mio., Fertigstellung: 2020 –, eröffnet das Bündner Kunstmuseum in Chur noch in diesem Sommer seinen von Barozzi Veiga entworfenen Kubus, der dem Haus die Verdopplung der bisherigen Ausstellungsfläche ermöglicht. Die Bausumme von knapp 30 Mio. Franken konnte hier zu zwei Dritteln von einer zweckgebundenen Spende gedeckt werden.