24/03/16

Unterschiede machen schön

Die Preisträgerin der Werner-Stober-Stiftung Katja Colling ist in der Städtischen Akademie Karlsruhe zu sehen

von Manuel van der Veen
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Katja Colling, Die Zugfahrt, 2015, courtesy the artist, © VG Bild-Kunst Bonn 2016

Mit charmant-eloquentem Witz und einer Poesie, die so elegant wie lapidar ist, eröffnet die Dorner-Schülerin Katja Colling (*1981) ihre Schau in der Städtischen Galerie Karlsruhe. Begrüßt wird man im ersten Stock von einem lautmalerischen Wortspiel und einem grinsenden Strick-Face auf einem Podest. Irgendwie erinnert es mit seinen zwei

großen hängenden Kreisen, dem schwarz geschwungenen Strich und der zärtlichen, zeitaufwendigen Handarbeit auch an ein metaphorisches Kürzel des Weiblichen. Keck. Von den Materialangaben im Begleittext (gestrickte Wolle, schwarze Kabelbinder, Holz, Metall, Lack, Öl, Acryl) kann man nur schwer auf die künstlerische Gattung schließen. So muten Collings skulpturale Arbeiten eher wie Zeichnungen an. Eine dürre Metallhalterung, durch die sich eine sinn-, aber nicht reizlose Konstruktion zieht. Klassische Service-Haltung mit dem über den Ast geworfenen Handtuch.

 Katja Collings malerische Gesten bestehen aus einem kleinen, aber variationsreichen Vokabular: Mal sind es vereinzelt, zählende, dünne Striche, mal langgezogene breitere, auslaufende und zur Fläche komprimierte dichte Striche. Selten fehlen Winkel oder aus Zöpfen gebildete „V”s. Diese paart Colling mit lässig-nachlässig ausgeschnittenen Leinwandstücken, welche die Subtilität des Arrangements durchbrechen. Der deutlich unterschiedliche Duktus von Leinwand und aufgeklebter Fläche pointiert die Differenz, welche die Komposition wieder zusammenstrickt. Eine Art

Shaped-Canvas-Variation. Während „Januar“, die einzige klassisch anmutende Malerei, an ein deformiertes Fußballfeld erinnert, wendet „Wenns draußen kalt ist, ists auch schön“ der klassischen Machart den Rücken zu. Auf der Leinwand, die wie ein Objekt an zwei Haken hängt, posiert ein ausgeschnittener Brueghel, „Winterlandschaft mit Eisläufern und Vogelfalle“, ein Werk, das in der Distanz zwischen Gefahr und Spielerei changiert. Hier zeigt sich eine Masche Collings: konventionelle Hängung ist bei ihr Mangelware. Ihre Arbeiten gehen immer auf Abstand, sei es durch die Dicke des Leinwandrahmens, durch Abstandschienen, indem sie die Leinwand auf den Boden legt, schrägt aufgestellt, auf links wendet oder hoch hängt. So gönnen sich die einzelnen Werke auch untereinander gebührenden Raum. Dieser, die geklebten Flächen, Unmittelbarkeit neben theoretischen Reflexionen und die unterschiedlichen Materialien sind Fremdkörper, die Colling gekonnt verkuppelt, ohne ihre andersartige Herkunft zu verleugnen. Die Einzelwerke bleiben durch ihr Loslösen immer fähig zur Immanenz und öffnen sich spielerisch, über die Differenzen hinweg, für ein wirklich anmutig-leichtes Gesamtbild. 

 

Katja Colling, Stober Pullober
Städtische Galerie Karlsruhe
Lorenzstr. 27, Karlsruhe.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 17. April 2016.

 

 




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