22/02/16

Puristische Witze

So spannend kann Minimalismus sein: Ceal Floyer "On Ocassion" im Aargauer Kunsthaus

von Annette Hoffmann

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Ceal Floyer, On Occasion, Aargauer Kunsthaus, Aarau, Foto: Timo Ullmann, Aarau
Ceal Floyers Arbeiten kommen so trocken daher, dass man ihnen fast ein Leben jenseits des Ausstellungsbetriebes wünscht. Vielleicht beginnt es in ihrem Video „Drop“ ja zu regnen, sobald man aus dem Raum geht, oder der Ton, der in „Scale“ in  regelmäßigen Intervallen von einer Lautsprecher-Stufe zur nächsten hoch- oder hinabsteigt, hüpft heimlich vor sich hin. Doch die Arbeiten von Ceal Floyer (*1968) sind was sie sind, sehr kontrolliert und auf solche Weise puristisch und witzig – und zwar von dieser geistreichen Art von Witz, der vor allem durch das Spiel mit Zeichen und Bezeichnetem funktioniert.

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Ceal Floyer, Drop, 2013, Foto: © Ceal Floyer, courtesy the artist; 303 gallery, New York; Lisson Gallery, London; Esther Schipper, Berlin
Da liegt also eine Glühbirne auf einem Overhead-Projektor, der so eingestellt ist, dass das projizierte Objekt unmittelbar unterhalb der Decke hängt. „Overhead Projection“ heißt diese Arbeit als ginge es nicht vor allem darum, ein Bild für die Vorstellung von einer Glühbirne zu schaffen. Floyers Arbeiten drehen René Magrittes Behauptung „Ceci n’est pas une pipe“ noch einmal um, ihre Werke behaupten genau dies. Und während man darüber nachdenkt, wird der Besucher von Floyers Aargauer Ausstellung von zwei Lautsprechern mit warmen Applaus und auch ein paar Buhs bedacht. Der Ton setzt so häufig ein, dass jeder Neuankömmling im ersten Raum ihrer Soloshow „On Occasion“ unweigerlich damit begrüßt wird. Ein bisschen Selbstironie kann da nicht schaden.

Die Arbeit „Ladder“ aus dem Jahr 2010 führt den Minimalismus als eine wesentliche Quelle von Ceal Floyers Arbeiten vor. Bis auf die erste und die letzte Sprosse fehlen sämtliche andere, so dass aus der Leiter ein Gestell wird, das funktionslos an der Wand lehnt, aber den industriellen Hintergrund nicht verleugnen kann. Floyer überträgt dieses Prinzip auf einfache Videoarbeiten, etwa auf die Dia-Projektion eines Lichtschalters in Originalgröße und in der zu erwartenden Höhe oder eines Ringbuches in einer Ecke, in dem ab und an eine Seite umgeblättert wird. Zu ihren schlackenlosesten Arbeiten gehört „Sold“, ein mit Kadmiumrot gefülltes Loch in der Wand. In Aarau ist dieses Werk aus dem Jahr 1996 in der Sammlung neben einem Bild von Paul Gauguin platziert, dessen Gemälde auf dem Kunstmarkt regelmäßig Rekordpreise erzielen.

So denkbar reduziert sich Ceal Floyers Arbeiten geben, so pointiert sind sie. Und wer gut zehn Minuten zusieht, wie in ihrem Video „Drop“ vor einem verhangenen Abendhimmel und dem nahen Wald lange nichts passiert und dann die ersten Tropfen von einem Sims fallen, weiß wirklich, was Suspense ist.     

 

Ceal Floyer, On Occasion
Aargauer Kunsthaus
Aargauerplatz, Aarau.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 10. April 2016.

 




Aargauer Kunsthaus