03/05/12

Goldene Fake-Porträts und quasi-modernistische Monumente

Aleksandra Domanović reflektiert in ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Basel über neue Identitätsfindungen.

von Yvonne Ziegler
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Aleksandra Domanović reflektiert in ihrer Ausstellung in der Kunsthalle Basel über neue Identitätsfindungen.4939nymphe.jpg

„Drop Sculptures“ werden Plastiken und Skulpturen im öffentlichen Raum genannt, die so wirken als seien sie vom Himmel gefallen, da ihnen jegliche Verbindung zum Ort fehlt. Ähnlich deplatziert wirken die plastischen Arbeiten Aleksandra Domanovićs (*1981) in der Kunsthalle Basel. Einfach, monumental und in farbigem Anstrich nach marokkanischer Fasson besetzen sie den Raum und erwecken zusammen mit einem goldenen Fake-Porträt Titos Erinnerungen an Denkmalkulte totalitärer Zeiten. Tatsächlich beziehen sie sich auf zwei jugoslawische Denkmäler aus den Sechzigerjahren: drei modernistische, in den Himmel ragende Fäuste, die Domanović zu vier roten Wandreliefs umformte, und mehrere abstrakt-florale Figuren, von denen die Künstlerin eine herausgriff und Türkis einfärbte. Domanović thematisiert die Gegensätze und Verbindungen von vergangener und aktueller Kultur: den Denkmalkult unter Josip Broz Tito (in jedem Schulzimmer hing sein Abbild) und den Alltag im zerfallenen Jugoslawien, wo Stars, Helden und Politiker wie Bruce Lee, Johnny Depp, Rocky Balboa oder Bill Clinton als öffentliche Monumente ohne historischen Bezug aufgestellt werden. Im Video „Turbo Sculpture“ (2012) führt sie dies anhand von übereinandergelegten Bildern von modernistischer Architektur und Monumenten, von Hollywoodstars, bejubelten Politikern, Nationalparkidylle und Flugplatznamen wie Alexander der Große zusammen.

Einst stärkten im ehemaligen Jugoslawien die Abendnachrichten das Gemeinschaftsgefühl. Man versammelte sich gespannt vor dem Fernseher, um das Weltgeschehen zu verfolgen. Heute sind insbesondere die jungen Menschen per Internet vernetzt und die Technokultur zum weltumspannenden Gemeinschaftsphänomen geworden. Diese Verschiebung stellt Domanović anhand von ehemaligen Nachrichtenintros und tanzenden Technofans einander gegenüber. Neues löst Altes ab, ist irgendwie anders, geht andere Wege. Seit 2010 existiert die jugoslawische Top-Domain-Kennung yu nicht mehr, denn die neuen Teilstaaten haben jeweils eigene. Doch was im Netz per schnellen Mausklick möglich ist, bedeutet für die Menschen der neuen Staaten einen langen Prozess der Identitätsfindung. Momentan scheint sich der Blick nach Westen zu richten. Man stellt „Turbo Sculptures“ auf, um die fremden Idole zu vereinnahmen.

Kunsthalle Basel
Steinenberg 7, Basel.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 11.00 bis 20.30 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 27. Mai 2012.
Kunsthalle Basel