22/01/16

Das Kunsthaus Zürich und die Sammlung Bührle

Die Sammlung Bührle und ihre Herkunft

von Annette Hoffmann

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Schwarzbuch Bührle, hrsg. von Thomas Buomberger und Guido Magnaguagno, Rotpunkt Verlag, Zürich 2015, 256 S., 34 Euro | 38 Franken
Das Buch kommt zur rechten Zeit. In fünf Jahren soll der Neubau des Kunsthaus Zürich stehen. Die Sammlung Bührle wird dann vorerst als Leihgabe für 20 Jahre ein neues Domizil finden. Die Beziehung zwischen dem Kunsthaus und Bührle ist jedoch keine kurze Liaison. Mitte der 1950er Jahre propagierte und unterstützte Emil G. Bührle den Neubau finanziell, der dann nach seinem Tod 1958 eröffnet wurde. Daher mutet die Diskussion um die Herkunft der Sammlung und nicht zuletzt um das Vermögen Bührles, das dieser mit Waffengeschäften gemacht hat, verspätet an. Gut möglich, dass sie mit dem Fall Gurlitt zusammenhängt, in dessen Folge das Kunstmuseum Bern die deutsche Auslegung von Raubkunst als „NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut“ übernahm. Nach der Lektüre dieses Bandes zweifelt man nicht daran, dass einige der während des Krieges getätigten Ankäufe Bührles genau unter diese Definition fallen. Kurz nach dem Krieg – das Zürcher Steueramt schätzte sein Vermögen auf 205 Millionen Franken – galt er als der reichste Schweizer, Anfang der 1950er Jahre kaufte er fast jede Woche Kunst. In den neun Auf­sätzen des Bandes wird aber auch klar, dass der Deutsche als „Par­venü“ galt, „dessen Vermögen auf neuem Geld und nicht immer ast­reinen Geschäften beruhte“. Dennoch konnte er ein wichtiger Mäzen für Zürich werden.

 




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