14/01/16

Das große Ding Heimat

Die Städtische Galerie Offenburg widmet Stefan Strumbel eine museale Schau

von Annette Hoffmann

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Stefan strumbel, To begin is to be half done, 2015, Nowhere, Ausstellungsansicht, Foto: Tom Zora
In Offenburg ist man, was die Verbundenheit mit der Region angeht, gerne etwas offensiver. „Darf’s ein bisschen Heimat sein“, fragt ein Metzger in der Innenstadt jeden, der an seiner Fassade vorbeikommt. Mit scheibchenweise Heimatgefühlen gibt man sich derzeit in der Städtischen Galerie Offenburg nicht zufrieden. Stefan Strumbel stellt dort aus. Und dem 1979 in Offenburg geborenen Strumbel geht es um das ganz große und gewaltig schwere Ding. Gut möglich, dass er mit „Time Walk“ so etwas wie ein Alter Ego geschaffen hat: einen schwarz gesprayten, hölzernen Uhrenträger des 21. Jahrhunderts, der statt Zylinder Baseballkappe trägt und auch Sneakers, und der auf der Hutte Strumbel-Uhren mit sich kreuzenden Gewehren, grinsenden Totenköpfen und Bambi in die weite Welt vertreibt. In den 50er und 60er Jahren entdeckten Souvenirläden diesen Handelsvertreter des 19. Jahrhunderts wieder und platzierten ihn vor den Geschäften, um für Kuckucksuhren und Schwarzwaldromantik zu werben.

Strumbels Erfolgsgeschichte ist bekannt. Erst kamen die Anzeigen wegen unerlaubten Sprayens, dann die Sammler, inzwischen auch die Theater, die ihn als Bühnenbildner entdeckt haben. Stefan Strumbel und seine Arbeiten sind wie ein eingängiger Popsong, alle lieben ihn, der Adel, die Kirche, Tourismusmanager. Und warum auch nicht? Der Künstler wirkt sympathisch, ist bodenständig, professionell und pointensicher. Doch bei so viel Affirmation kann sich das Subversive des Pop schon einmal verflüchtigen.

In Offenburg erinnert eine Wandinstallation von Drucken an seine Street-Art-Anfänge, ansonsten hat die Städtische Galerie dem Offenburger eine museale Schau mitsamt Sockeln und Abstandhaltern gewidmet. Diese neueren, überwiegend in den letzten beiden Jahren entstandenen Arbeiten zeigen eine Faszination für Oberflächen. Mittlerweile produziert Strumbel in Bronze und Aluminium. Die Signatur ist jeweils gut zu erkennen, nur echt mit dem pochenden Herzen. Da ist etwa seine Serie „Ready Made“, in Lochpolsterfolie verpackte Flachware, selbst die Klebestreifen sind in dem Aluminiumguss zu erkennen. Bilder schützt man auf diese Weise beim Transport. Eine Rolle Luftpolsterfolie steht in einem der nächsten Räume, sie wird von einem der beiden verspiegelten Sockel reflektiert. Ein Hummerarrangement findet sich auf dem einen, auf dem anderen ein Fast-Food-Menü auf einem Speckbrettchen. „To begin is to be half done“, ein bronzenes Doppelbett mit bestickter Leinenwäsche bezogen, dessen eine Hälfte zerwühlt, dessen andere frisch gemacht ist, lässt an Tracey Emins „My bed“ denken, das zu einem der signifikantesten Werke der Young British Artists wurde. Doch bei Strumbel wird alles Existentielle auf einen Sinnspruch heruntergedimmt.     

 

Stefan Strumbel
Städtische Galerie Offenburg
Amand-Goegg-Str. 2, Offenburg.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 13.00 bis 17.00 Uhr, Mittwoch 13.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 31. Januar 2016.




Städtische Galerie Offenburg