15/12/15

Go East

Reisen und fotografieren ist bei Taiyo Onorato & Nico Krebs eins, zu sehen im Fotomuseum Winterthur

von Florian Weiland

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Taiyo Onorato & Nico Krebs, Vehicle, 2013 (Fahrzeug), © Onorato & Krebs, courtesy RaebervonStenglin, Sies + Höke und Peter Lav Gallery
Die Reise führt zu Städten wie Baku in Aserbaid­schan oder Astana in Kasachstan. Es sind Städte im Wandel, vor allem aber Städte, auf die ihre Bewohner stolz sind – und von denen wir im gar nicht so fernen Europa nur wenig wissen. Symbolträchtige Bauten entstehen dort, vergleichbar dem Pariser Eiffelturm oder dem Opernhaus von Sydney. Gigantische Bauvorhaben, die hierzulande kaum mehr zu realisieren wären. Was bei uns jahrelang diskutiert wird, wird dort einfach gebaut. So einfach ist das. Sie hätten diese Mischung aus „Turbo-Kapitalismus, aus Identitätssuche und dem Wunsch nach großen Gesten unglaublich faszinierend“ gefunden, verrät Taiyo Onorato.

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Taiyo Onorato & Nico Krebs, Sea Division, 2013 (Meerestrennung), © Onorato & Krebs, courtesy RaebervonStenglin, Sies + Höke und Peter Lav Gallery
Das Fotoprojekt „Eurasia“ ist ein Road Trip in den Osten, in Länder wie Georgien, Turkmenistan, Usbe­kistan, Kirgistan oder in die Mongolei. In Regionen, die sich in einer Phase des Übergangs befinden. Go East, statt Go West. Taiyo Onorato und Nico Krebs feierten mit ihrer Arbeit „The Great Unreal“, für die sie die Vereinigten Staaten bereisten, große Erfolge. Das neue Projekt ist das perfekte Kontrastprogramm. Während unser Amerikabild von Film und Fernsehen, aber auch eigenen Reisen geprägt ist, sind die eurasischen Länder Terra Incognita. Einzig die Ukraine machte in der letzten Zeit traurige Schlagzeilen. „Eurasia“ beschränkt sich nicht auf die pure Dokumentation. Die Fotos und Filme, die während ihrer knapp viermonatigen Reise entstanden sind, bilden lediglich den Ausgangspunkt der Ausstellung. Onorato & Krebs ließen sich oft vom Zufall leiten. Reisen sei für sie, so das Künstlerduo, „eine experimentelle Herangehensweise.“ Was Konstruktion, was Dokumentation ist, ist für den Betrachter nicht leicht zu entschlüsseln. Die ländlichen Gegenden scheinen in der Zeit zurückgeblieben zu sein. In den Städten tobt das Leben. Leuchtreklamen, protzige Prunkbauten, wohin man nur schaut. Die Ausstellung lebt nicht zuletzt von diesem Kontrast. Die Bilder, die wir zu sehen bekommen, wirken nicht selten grotesk.  Der Höhepunkt aber wartet im dritten Saal. Zehn 16mm-Filme werden hier gezeigt. Man bekommt ein Gespür für die Reise der beiden Künstler und – staunt. Man sieht eine Menschenmasse in heller Aufregung und erkennt erst nach einiger Zeit, dass es hier um den sportlichen Wettkampf eines Dorfes geht, Ringkämpfe – ist es Spiel oder Ernst? – zwischen zwei Männern, menschenleere Straßen oder ein an einen Pfahl gebundenes Pferd. Vielfältige Eindrücke, so vielfältig wie die bereis­ten Länder selbst.      

 

Taiyo Onorato & Nico Krebs
Fotomuseum Winterthur
Grüzenstr. 44+45, Winterthur.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr, Mittwoch 11.00 bis 20.00 Uhr.
Bis 14. Februar 2016.

 




Fotomuseum Winterthur