19/01/16

Material in der Endlosschleife

Das Kunstmuseum Luzern gibt einen synoptischen Einblick in das Werk von Michael Buthe

von Tiziana Bonetti

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Ausstellungsansicht Kunstmuseum Luzern, Michael Buthe, Die heilige Nacht der Jungfräulichkeit, 1992, Kolumba Kunstmuseum des Erzbistums Köln, © Pro Litteris, Zürich, Foto: Marc Latzel
„Wie gelebtes Leben soll auch das Kunstwerk sich dauernd verwandeln.“ In diesem Leitgedanken, der Michael Buthes (1944-1994) drei Jahrzehnte umfassendes künstlerisches Schaffen durchzog und der im Ausstellungskatalog zitiert wird, liegt die Crux oder, um genauer zu sein, das Dilemma der Retrospektive dieses Konvoluts an Collagen, Zeichnungen, Rauminstallationen, Gemälden und hängenden Assemblagen. Seit dem Tod Buthes liegt das transitorische Moment – in der Endlosschlaufe hat der Künstler durch Addition und Subtraktion Material bereits ausgestellter, vermeintlich vollendeter Installationen wiederverwendet – nun nicht mehr in der Hand des Künstlers, sondern unterliegt natürlichen Verfallsprozessen.

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Michael Buthe, My love to Etienne, 1969, Kunstmuseum Luzern, © Pro Litteris, Zürich
Die von Kurator Heinz Stahlhut in lose chronologischen Werkgruppen konzipierte Ausstellung im Kunstmuseum Luzern gewährt einen synoptischen Einblick in die Schaffensperiode des in Deutschland geborenen Künstlers von den späten 1960er- bis in die frühen 1990er-Jahre: Gezeigt werden sowohl frühe Arbeiten Buthes wie das Stoffbild „My Love to Etienne“ (1969), das als Antwort des Künstlers auf die Krise der Malerei gelesen werden kann als auch narrative Zeichnungen, Collagen und Assemblagen, die, wie die Collage „ohne Titel“ (frühe 1970er-Jahre) à première vue von kindlicher Hand zu stammen scheinen. Zu sehen sind nebst diesen Arbeiten die beiden einzigen noch rekonstruierbaren raumgreifenden Installationen „Heilige Nacht der Jungfräulichkeit“ (1992) und „Taufkapelle mit Papa und Mama“ (1994). Letztere zeugt von der beinahe allen Arbeiten implizit inhärenten Hingabe und Affinität des Künstlers zur abstrakten Malerei und zu kräftig leuchtenden Farben. Sie bekundet aber auch Buthes Präferenz für Objets trouvés und organische Materialien wie Holz und Wachs.

Einige der im Kunstmuseum Luzern ausgestellten Arbeiten gemahnen an prähistorische Zeiten, so auch die vermeintlich einem religiösen Altar nachempfundene symbolträchtige Arbeit „Le Roi est mort“ (1974-1977); eine Installation mit Büffelhörnern, die mit einer Schnur um die Lehne eines Holzstuhls mit kaputter Sitzfläche zusammengebunden wurden. Ihr Abschluss bildet ein an die Wand gehängter Teppich aus mit goldener Farbe bedecktem Wachs und Federn an den Enden.

Der Farbe Gold begegnet man übrigens nicht nur in dieser Arbeit: Buthe hat sie öfters zu differenten Zwecken und auf diverse Weise eingesetzt. So zeigt sich das Gold einmal in Form von getüpfelten Pünktchen, welche die Oberfläche eines Bildes zieren, ein andermal bedeckt die Farbe eine ganze Fläche. Auch wenn die durch den Gebrauch von Gold erzielte Ästhetik mit Kitsch in Verbindung gebracht wird, verleiht sie Buthes Arbeiten einen Anflug von Kostbarkeit und Opulenz, der oftmals in Widerspruch zu den anderen verwendeten Materialien steht.

Mit der Präsentation der Arbeiten ist es dem Kurator gelungen, der unleugbaren Heterogenität von Buthes künstlerischer Ausdrucksweise Herr zu werden, ohne in Beliebigkeit zu verfallen.   

 

Michael Buthe
Kunstmuseum Luzern

Europaplatz 1, Luzern.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 31. Januar 2016.

 

 




Kunstmuseum Luzern