11/01/16

Dies ist kein Springbrunnen

In der Kunsthalle Karlsruhe erweist Bethan Huws Marcel Duchamp ihre Referenz

von Chris Gerbing

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Bethan Huws, Forest, 2008-9, courtesy the artist, © Bethan Huws & VG-Bild-Kunst, Bonn, 2015
In die Orangerie, dort wo früher exotische Pflanzen überwinterten, implementiert die walisische Künstlerin Huws jetzt einen artifiziellen Wald, der sich aus ihrer inzwischen zehnjährigen Auseinandersetzung mit Marcel Duchamp erklärt und sich auf dessen „Porte-bouteilles“ bezieht. „Forest“ ist die Ausstellung betitelt, denn der Flaschentrockner erinnert die Künstlerin an „einen blattlosen Baum im Winter“. Mit etwas Fantasie lässt sich diese Assoziation beim Durchschreiten der 88 unterschiedlich großen Flaschentrockner nachvollziehen, magisch angezogen vom leuchtenden, kleinen Objekt in der Ecke. Der Flaschentrockner – eines der ersten Ready Mades, mit denen Duchamp den Kunstbegriff revolutionierte: Objekte, die er zum Kunstwerk erklärte und in den Kunstkontext einbrachte –, steht für die gedankliche Auseinandersetzung mit der Frage, was überhaupt das Kunstwerk vom Alltagsgegenstand unterscheidet und wer diese Unterscheidung vornimmt. Dazu passt die bereits über dem Eingang der Orangerie grüßende Neon-Arbeit von Bethan Huws: „At the Base of the Brain There Is a Fountain“ spielt auf das wohl bekannteste Ready Made Duchamps an, die „Fountain“, ein auf den Boden gelegtes, von ihm signiertes Pissoir, das dadurch zum Brunnen umgewidmet wird. Mit dieser zitathaften Verwendung weist Huws auch darauf hin, dass es ein Reservoir an Erfahrung und Wissen braucht, um das Denken in bestimmte Bahnen zu lenken.

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Bethan Huws, Le porte-bouteille, 2008, Foto: Charles Duprat, courtesy the artist, © Bethan Huws & VG-Bild-Kunst, Bonn, 2015
„Piss off, I’m a Fountain“ ist aus logisch-rationaler Sicht ein falscher Satz, denn was wir sehen, ist eben kein Springbrunnen, sondern ein Fenster, dessen Ausblick durch den runtergelassenen Rollladen verwehrt wird. Gleichzeitig ist es ein ironisches Wortspiel, eine Verheißung, die die Fantasie ankurbelt. Es könnte ja sein, dass sich hinter der hermetisch schwarzen Fläche ein Brunnen befindet. Auf spielerische Weise macht Huws damit auch deutlich, dass Sprache für sie, die in Wales ihre Jugend verbrachte, dann in Paris lebte und heute in Berlin arbeitet, ein wichtiger Bezugspunkt ihrer künstlerischen Arbeit ist. Auch René Magritte und Joseph Kosuth erweist sie augenzwinkernd die Referenz. Bei beiden geht es um das Spiel mit Objekt, Wahrnehmung und Wiedergabe, das sie dem Betrachter durch die Offenlegung ihrer Prinzipien bewusst macht. Sie wolle mit ihren Arbeiten Strukturen transparent machen, äußerte sie einmal. In Karlsruhe ist dies in ihren Objekten, Wand-Vitrinen und Filmen nachvollziehbar, aber auch in ihrer sehr persönlichen, assoziativen Umhängung der klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst, die traditionell in der Orangerie ihren Platz haben.

 

Bethan Huws
Kunsthalle Karlsruhe
Hans-Thoma-Str. 2-6, Karlsruhe.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 17. Januar 2016.

 




Kunsthalle Karlsruhe