22/12/15

Durch die Decke gehen

Heimo Zobernig konzentriert sich im Kunsthaus Bregenz auf die architektonische Intervention

von Christian Gampert

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Heimo Zobernig, Ausstellungsansicht 3. OG., Kunsthaus Bregenz, Foto: Markus Tretter, © Heimo Zobernig/Kunsthaus Bregenz/Bildrecht, Wien 2015
Der Künstler Heimo Zobernig ist in diesem Jahr auf der Biennale in Venedig durch Bescheidenheit aufgefallen: er durfte den österreichischen Pavillon bespielen – aber er stellte nichts aus. Er vereinheitlichte lediglich Boden- und Deckenniveau des Gebäudes, das dadurch modernistisch und kahl wirkte. Zobernig (*1958) ist auch sonst mit einer Kunst radikaler Reduktion hervorgetreten. Ursprünglich hatte er Objekte aus Alltagsmaterial gestaltet, mittlerweile konzentriert er sich immer mehr auf architektonische Interventionen. So auch in seiner Ausstellung in Bregenz, wo das Kunsthaus nicht unwesentlich verändert wird.

Heimo Zobernig ist ein ordnungsbewusster Mensch. Einst hat er die Zettelkästen der Wiener National­bibliothek erworben und im Museum aufgestellt – in Bregenz dagegen gibt es nun eine ganze Batterie, eine kleine Retrospektive all der Regale zu sehen, die Zobernig praktisch seit Karrierebeginn aus Pressspan und ähnlichen Stoffen gebaut hat. Natürlich steht das in der Tradition des Minimalismus – Donald Judd und John Armleder, die Urahnen, bevorzugten allerdings etwas teurere Materialien. Und noch eine andere Traditionslinie wird von der Ausstellung aufgenommen, vor dem Kunsthaus hat Heimo Zobernig eine riesige schwarze Wand aufgestellt, eine Großform von Malewitschs „Schwarzem Quadrat“, der Inkunabel des Suprematismus und der abstrakten Malerei überhaupt.

Innen wird das so weitergehen: im Zentrum der Schau stehen die konstruktivistischen Eingriffe, die Zobernig an schon bestehenden Architekturen vornimmt und das Kunsthaus Bregenz von Peter Zumthor ist da ein dankbares Objekt. Der zweite Stock ist gestaltet wie eine Bühne. Ein Teil des quadratischen Saals wird von einem pechschwarzen Vorhang ummantelt, der an einem rechtwinklig stehenden Gerüst hängt und somit nochmal einen Raum im Raum bildet. Zum ersten Mal wird dem Besucher klar, wie der Architekt Peter Zumthor es schafft, in allen Stockwerken eine Oberlicht-Situation herzustellen. In jedem Stock gibt es eine gläserne Decke, eine Glasverkleidung unter der tragenden Betondecke. Zobernig montiert nun diese Glaslamellen zum Teil ab, und nun sieht man darüber die Apparaturen einer künstlichen Beleuchtung. Man sieht aber auch, dass von außen Tageslicht in diesen normalerweise mit Glas abgehängten oberen Bereich der Räume fällt, während die Räume selbst ja fensterlos sind.

Das klingt schwierig, es ist aber ganz einfach, wenn man davor steht: Zobernig macht Zumthors architektonische Tricks sichtbar, er skelettiert, er entkleidet das Kunsthaus. Im obersten Stockwerk tut er dann das Gegenteil: da wächst aus der zum Teil wegmontierten Glasdecke eine neue Architektur heraus, eine scheinbar schwere, dunkle, mit Ausbuchtungen versehene Holzverkleidung. Natürlich ist das ein Selbstzitat – Zobernigs Pavillon in Venedig war ganz ähnlich gestaltet. Und natürlich ist das alles in Wahrheit aus Pappe. Aber es ist großes Architekturtheater, reine Rationalität und Klarheit. Und am schönsten ist, dass diese Bühnenräume auch benutzt werden. Im Karree vor dem schwarzen Vorhang tanzten kürzlich junge Flüchtlinge ihre Lebensgeschichte.    

Heimo Zobernig
Kunsthaus Bregenz
Karl-Tizian-Platz, Bregenz.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 10.00 bis 21.00 Uhr.
Bis 10. Januar 2016.




Kunsthaus Bregenz