03/12/15

Eine Wundertüte als Summe

Die Basler Off-Spaces haben sich organisiert und stellen gemeinsam in der Villa Renata aus

von Annette Hoffmann

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Matthias Gabi, Objet (Eier), 201, courtesy the artist
Der Prozess sei wichtig gewesen, sagt Raphael Stucky von Dr. Kuckucks Labrador. Zusammen mit seinem Kollegen Chris Hunter hat er „Ʃ – Eine Ausstellung der Basler Projekträume“ in der Villa Renata organisiert, die zu einem regelmäßig bespielten Ort der Basler Künstlerschaft geworden ist. Immer wieder gibt es Ansätze zu Zusammenschlüssen in der Schweizer Off-Kunstszene. In Zürich entstand der Art Space Guide, in Basel existiert der kleine Führer „Roland for an Oliver“, der regelmäßig einen Überblick über die unabhängigen Initiativen verschafft. Doch obwohl man sich selbstbewusst gibt und die Macher von „Roland for an Oliver“ bescheinigen, dass „kleine Projekträume zum außergewöhnlichen Ruf der Kunst-Stadt Basel“ beitragen, bleibt Druckerzeugnissen kaum mehr zu tun, als diese Vielfalt aufzuzeigen. Die Bedingungen mögen in der Schweiz besser sein als etwa in Deutschland – die Szene ist kleinräumig und gut vernetzt – Off-Spaces sind naturgemäß schnelllebig, die Öffnungs- und Laufzeiten der Ausstellungen kurz. Kein Wunder, ihre Unabhängigkeit ist durch viel ehrenamtliche Arbeit erkauft. Ihr Bestehen basiert auf Freundschaften und Gemeinsamkeiten, nicht aber auf institutionali­sierten Strukturen. Das muss in das jeweilige Lebensmodell passen.

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Sabrina Tamara Brückner, Pech Porsche, 2015, courtesy the artist
Wenn jetzt die Basler Projekträume für drei Wochen in die Villa Renata einziehen, könnte die Summe im Titel eine kleine Wundertüte werden. Eine solche Vielfalt wird nur selten abgebildet. Von Zines bis hin zu Schaufenster-Initiativen, nomadisierenden Organisationen und Off-Spaces mit einem festen Raum ist alles vorhanden. Und um das Sichtbarmachen dieser Vielfalt, das durchaus basisdemokratisch ausgehandelt wurde, geht es vorerst. Nicht nur ist interessant, wie unterschiedlich und charakteristisch sich die unterschiedlichen Projekte hier darstellen, aus den regelmäßigen Treffen hat sich auch ein Rahmenprogramm ergeben, dass an den Wochenenden mit Performances, Gesprächen und Konzerten für Leben sorgt und auch ausschwärmt an andere Orte. Neue Projekte und Kooperationen werden sich aus dieser Summe bilden und vielleicht lässt sich jetzt beobachten, wie sich eine Szene in Echtzeit organsiert. Gut möglich, dass daraus nicht nur neue Gemeinsamkeiten entstehen, sondern auch der Wunsch nach einer größeren Anerkennung durch die Politik. Bis 2011 zeichnete das Bundesamt für Kultur auch Off-Spaces mit Preisen aus, seit Inkrafttreten des neuen Kulturförderungsgesetzes werden diese nicht mehr vergeben. Die Pro Helvetia hat sich der Projekträume angenommen, fördert jedoch nur, wenn ausdrücklich der künstlerische Nachwuchs ausgestellt wird. Da könnte eine neue Diskussion in Gang kommen.        

 

Ʃ – Eine Ausstellung der Basler Projekträume.
Villa Renata
Socinstr. 16, Basel.
Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 16.00 bis 20.00 Uhr, Sonntag 12.00 bis 22.00 Uhr.
Bis 6. Dezember 2015.

 

 




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