28/11/15

Wegmarken in Kulturlandschaft

Skulpturen von Tobias Rehberger leiten Wanderer von Riehen nach Weil – oder umgekehrt

von Annette Hoffmann

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Tobias Rehberger, Wegmarke 18 (Fernglas), 2015, © Tobias Rehberger, Foto: Mark Niedermann

Einheimische wissen, wie nah das schweizerische Riehen und das deutsche Weil geografisch beieinander liegen. Alle anderen hat nun der Künstler Tobias Rehberger (*1966) mit seinem jüngsten, grenzüberschreitenden Projekt darauf gestoßen. Am 27. September 2015, pünktlich zum Start der Herbst-Wandersaison, wurde der Rehberger-Weg „24 Stops“ eröffnet. Die Hälfte der Skulpturen steht bereits, das zweite Duzend wird im nächsten Frühjahr verwirklicht.

Sechs Kilometer ist die Strecke lang, sie verläuft von der Fondation Beyeler und dem Kunst Raum Riehen bis zum Vitra-Gelände in Weil am Rhein. Anfang und Ende sind jeweils durch eine Glocke markiert. Der charakteristischen Zacken, den der Weg bei Weil beschreibt, führt unmittelbar in die Weinberge. Umwege sind ein Teil des Ganzen.

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Tobias Rehberger, Wegmarke 2 (Vogelkäfige), 2015, © Tobias Rehberger, Foto: Mark Niedermann
Es ist kein Zufall, dass die Wanderung über den Tüllinger Hügel führt. Ist man einmal mitten in den Reben, schaut man auf Basel, den Roche-Turm, die Industrie der Stadt und dann ein bisschen später auf das Areal der Vitra AG inkusive ihres Designmuseums. Man wähnt sich mitten in der Natur und entdeckt mit einem Blick durch das Rehbergersche Fernrohr, dass alles eine Kulturlandschaft ist, nur verschieden geformt: Die Wiesen bei Riehen, die Weinberge, die Streuobstwiesen und selbst die Grenze zwischen den beiden Staaten, die man heute ohne viel Aufsehens passieren kann. Die Skulpturen, die der Frankfurter Künstler am Wegrand installiert hat, spiegeln diesen Gedanken wieder. Finden sich in unmittelbarer Nähe der Fondation Beyeler und des Kunst Raum Riehen noch eher häusliche Objekte, etwa Vogelkäfige, die über dem Innenhof hängen und ein blauer ballonförmiger Wasserspeier ‒ den man gerne einmal bei wirklich schlechtem Wetter sehen würde – so kommt man später an zwei poppig bunten Abfalleimern, einem Fernrohr und einem Hochsitz vorbei. Letzterer ist derart knuffig als sei er für ein Kinderzimmer konzipiert.

Die Wanderkarte, die so sehr Wimmelbild ist, wie eine Karte nur vertragen kann, wurde als Billboard verwirklicht. Wären diese Skulpturen nicht offensichtlich gestaltet, sie würden uns in der Landschaft kaum auffallen, weil wir sie nicht als Gegensatz zur Natur verstehen. Das liegt weniger an ihnen als an unserem Naturverständnis. Gerade verfärbt sich das Laub der Reben, an denen noch die letzten Trauben hängen, Walnüsse liegen auf dem Weg, Stare überfliegen die Obstbäume. Die Natur bräuchte die Kunst nicht. Aber sie verändert unsere Wahrnehmung.                    

Rehbergerweg Weil am Rhein – Riehen.

 

 




24 Stops