01/12/15

Betty Rieckmann

Die Auseinandersetzung mit Licht begann für Betty Rieckmann ausgerechnet auf dem Schrottplatz

von Isabel Mehl

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Betty Riekmann, Lollopop Worlds, 2013
Betty Rieckmann (*1986) ist in Palo Alto/Kalifornien geboren und wuchs in Deutschland auf. Sie studierte zunächst an der Staatliche Akademie der Bildende Künste Karlsruhe Malerei und Grafik bei Erwin Gross und im Anschluss Lichtdesign in Hildesheim. Rieckmanns beharrliche künstlerische Auseinandersetzung mit Licht hat dort nach ihrem Abschluss sogar zu einem Lehrauftrag für Lichtkunst geführt. Doch ihre Faszination für das Medium nahm ihren Anfang auf dem Schrottplatz ihres Stiefvaters. Während sie ihrer Faszination für Schrott folgend, die dort zusammengesammelten Objekte anfänglich mit Farbe übergoss, entdeckte sie eines Tages das Objekt des Autoscheinwerfers für sich  – ihre Licht-Malerei war geboren. Wenn alles, was wir sehen, Reflexionen von Licht ist, was läge da näher als direkt mit Licht zu malen, so Betty Rieckmann im Gespräch. Ich treffe Rieckmann kurz vor der Eröffnung ihrer EnBW-Förderausstellung. Sie weiß über ihre Kunst zu sprechen, die Sätze sitzen, ihre Arbeit und deren Kontextualisierung fließen ineinander.

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Betty Rieckmann, Enlightment machine, 2015
Ihre Arbeiten sind durchzogen von kunsthistorischen Referenzen, so kann die Arbeit „Hyena Stomp“ von 1962 des US-amerikanischen Künstlers Frank Stella als direkter Bezugspunkt für die Werkgruppe „A morphing Frank Stella“ (2014/2015) gesehen werden. Stellas Malerei wird von Rieckmann in die Gegenwart geholt. Sie erkundet die Tiefenwirkung verschiedener Lichtspektren durch die schichtweise Ausleuchtung einer Wandskulptur deren Farbfelder computergeneriert werden. Um diese flächige Form von Licht zu kreieren, bedient sie sich neuester LED-Technologien. Es entsteht eine sich ständige in der Transformation begriffene Arbeit, welche mit der Wahrnehmung der Betrachter spielt – zwischen Sog und Abstoßung.

In einer ihrer neuesten Arbeiten, „Embodiment of Brilliance“ (2014), setzt sie sich mit der niederländischen Malerei des goldenen Zeitalters auseinander. Rieckmann präsentiert drei Fotografien von Aluminium in Leuchtkästen. Die Glanzpunkte, die traditionell mit weißer Farbe auf die Oberfläche gesetzt werden, sind hier reines Licht, das von hinten an die Oberfläche durchdringt – es entsteht ein starker dreidimensionaler Eindruck. 

Rieckmanns „Light Trees“ (2015), die zum 300. Geburtstag Karlsruhes im Schlossgarten aufgestellt wurden, reagieren auf menschliche Bewegung und Berührung. Sie wolle das Bewusstsein für die uns umgebende Natur stärken, so Rieckmann. Ganz unter sich kommunizieren die morsenden Leucht-Bojen. Diese „Silent Communications“ (2014/2015) rezitieren Seefahrtgedichte deutscher Klassiker wie Goethe, Heine und Fontane. Die Worte der Dichter wird für ein Großteil des Publikums ungehört verhallen, das blinkende Licht als Verweis auf etwas Abwesendes. Rieckmann ist Licht-Mystikerin und Licht-Technikerin zugleich. Zum Abschied starren wir gemeinsam auf ein rotes Licht, das weiß wird, doch was wir sehen, ist Cyan.

Betty Rieckmann
EnBW
Durchlacher Allee 93, Karlsruhe.
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 15. Januar 2016.




Betty Rieckmann