10/11/15

Die lange Geschichte der Konflikte

In Daniel G. Andújars Ausstellung "Zones of Conflict" verläuft der Transfer zwischen realem Abbild und virtueller Person in Endlosschleifen

von Yvonne Ziegler

andujar.jpgDaniel G. Andújar, Infiltrators, 2014, Filmstill, Courtesy the artist
Der spanische Medienkünstler und Aktivist Daniel G. Andújar (*1966) gehört zu jenen Kunstschaffenden, die Mitte der Neunziger erstmals das Internet als mediale Erweiterung des öffentlichen Raums einsetzten. So schuf er damals bereits eine E-Diskussionsplattform sowie die bis heute bestehende Organisation „Technologies To The People“, die sich für den Zugang aller zu neuester Technologie einsetzt. Dabei steht er dieser nicht unkritisch gegenüber, sondern postuliert und offenbart vielmehr, dass sie gleichermaßen für positive als auch für negative Ziele eingesetzt werden kann.

In seiner aktuellen Einzelausstellung im Basler Haus der elektronischen Künste präsentiert Andújar Werke, die soziale, gesellschaftliche und politische „Konfliktzonen“ aufzeigen, sei es durch Aufnahmen von Demonstrationen und Kampfhandlungen, Bauleitungen, Videospielen und Fotografien. Seine aus den Jahren 1998 bis 2015 stammenden Arbeiten veranschaulichen dabei implizit auch die technische Entwicklung der letzten zwei Dekaden. So kann man auf Wandtexten alte Codes von Hackerangriffen zusammen mit Anleitungen zum Bombenbau lesen, die im ehemals verbotenen Anti-Vietnamkrieg-Buch „The Anarchists Cookbook“ (1971) veröffentlicht wurden. Allesamt heute frei im Internet zugänglich.

Mit der Reproduktion alter Stiche aus dem 18. Jahrhundert macht Andújar darauf aufmerksam, dass Konflikte eine lange Geschichte haben, mit William Hogarths „The Battle of the Pictures (Edition von 1822)“ thematisiert er zudem Fragen der Bilderverbreitung und Deutungshoheit – damals wie heute ein Terrain von Macht, Zensur, Repression und Manipulation. So sieht man gleich gegenüber Fotos von Polizeiagenten in Zivil, die auf Demonstrationen in Barcelona 2001 mit versteckter Kamera aufgenommen wurden. Mittels einer Software wurden sie in skizzenhafte Blätter transformiert und schließlich virtuellen War-Game-Körpern angepasst. Der Transfer zwischen realem Abbild und virtueller Person verläuft in Endlosschleifen, da die Technologie unerschöpfliche Quellen-, Distributions- und Manipulationsoptionen eröffnet. Nicht zufällig zeigt „Capital. The Commodity. The Drug“ (2015) Fotos von Drogen, die im Darknet angeboten werden. Durch Andújars aus dem Netz stammende Bilder und Videos werden beängstigende Aspekte sichtbar: Codes, mit denen man sich im 3D-Printer Gewehre ausdrucken kann. Plakate, auf denen Politikergesichter anderen Körpern aufgesetzt und mit falschen Aussagen versehen sind. Und Videogames, die entsetzlich nah an den ersten Aufnahmen von realen Kriegsgeschehnissen konzipiert wurden. Dagegen stehen erste globale Friedensdemos als Zeichen von weltweitem Widerstand: „No war for oil“.          

Daniel Andújar, Zones of Conflict
Hek
Freilager-Platz 9, Münchenstein-Basel.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag 12.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 15. November 2015.

 




Haus der elektronischen Künste Basel