17/05/12

Roadmovie durch das Oeuvre

Zum Kehraus in der Bärengasse: Olivier Mossets Schau "Leaving the Museum" in der Kunsthalle Zürich.

von Yvonne Ziegler

Oliver Mosset
Olivier Mosset, Leaving the Museum, Installationsansicht Kunsthalle Zürich im Museum Bärengasse, 2012, © Stefan Altenburger Photography Zürich


Zum Kehraus in der Bärengasse: Olivier Mossets Schau "Leaving the Museum" in der Kunsthalle Zürich.

Nichts mehr als ein schlichter schwarzer Kreis mittig auf weiß grundiertem Quadrat. So wenig kann Malerei sein: Farbe auf Leinwand, ohne Komposition, ohne Repräsentation von Innen- und Außenwelten, ohne gestischen Pinselduktus, ohne Zweck. 1967 malten die BMPT-Künstler Daniel Buren, Olivier Mosset, Michel Parmentier, Niele Toroni auf der legendären Vernissage im Salon de la Jeune Peinture im Musée d’art moderne in Paris vier reduzierte Werke, verkündeten, dass sie keine Maler seien, und packten ihre Arbeiten am gleichen Abend wieder ein. In der Folge tauschten sie die Motive. Es kam nicht darauf an, wer tatsächlich Mossets Kreis, Burens Streifen, Toronis Pinseltupfen und Parmentiers Querbalken malte. Mosset (*1944) fertigte seine schwarzen Kreise bis 1972, danach ging er zu Streifenbildern über, später zu monochromen Arbeiten.

Weniger diese Radikalität als vielmehr der lockere, unprätentiöse Umgang mit Kunst und Autorschaft ist in der derzeitigen und letzten Ausstellung der Kunsthalle Zürich im Museum Bärengasse zu erfahren. Eine rote, ringförmige Leinwand von 2002 erinnert an Mossets frühe Nullmalerei, während ein Schwarzweißfilm von Serge Bard aus dem Jahr 1968 die nachgestellte Vernissage einer Mosset-Ausstellung überbelichtet, schräg und unscharf gefilmt wiedergibt. Unter den eigens für den Film eingeladenen Statisten befanden sich Dali, César und Rotella. Kooperation spielt eine große Rolle in Mossets Werk und durchzieht folglich auch die Zürcher Präsentation. Zwischen monochromen Arbeiten in Rot, Gelb und Orange von 1979, einer gelb bemalten Wand im Erdgeschoss und einem Werkkomplex weißer Monochrome aus dem Jahr 2011 glitzert ein silbernes Weihnachtsbaum­Ensemble von John M. Armleder, füllen die Folksongs Al Perrys den Raum, der in Mossets Wahlheimat Tucson ein berühmter Musiker ist.

In einem anderen Raum ist die Doppelkanalprojektion von Amy Granat und Drew Heitzler von 2007 zu sehen: eine einsame Motorradfahrt durch die Landschaft des amerikanischen Südwestens mit losen Bezügen auf Goethes Werther und vorbei an Smithons Spiral Jetty. Mossets Leidenschaft für Motorräder kommt in mehreren Werken zum Ausdruck, seine Vincent Baujahr 1950 steht in einem der Ausstellungsräume. Und da Mosset eines seiner monochromen Bilder von Warhol signieren ließ, bat jüngst Michael Zahn den Künstler seinerseits ein Werk von ihm zu signieren. Mossets Kunst entsteht in Beziehungsgeflechten, sie ist voller Leichtigkeit und Einfachheit.

Olivier Mosset: Leaving The Museum.
Kunsthalle Zürich

Bärengasse 20, Zürich.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12.00 bis 18.00 Uhr, Donnerstag 12.00 bis 20.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 17. Juni 2012.
Kunsthalle Zürich