28/10/15

Rechte obere Ecke nisten

Die Berliner Künstlerin Dani Jakob ahmt im Pförtnerhaus Natur nach

von Manuel van der Veen

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Dani Jakob, Homecoming, 2015, Foto: Jürgen Rösch

Das Pförtnerhaus, ein kleiner, beinahe unauffälliger Raum, nahe der Freiburger Brauerei Ganter, versteckt sich in der Peripherie des gewaltigen Komplexes. Zurzeit wird der Off-Space bespielt von der Berliner Künstlerin Dani Jakob (*1973), die, passenderweise das Marginale ins Zentrum ihrer Arbeit rückt. Dani Jakob wendet diese Geste auf Überbleibsel an, auf Reste, Nebenprodukte, aussortierte Fragmente, quasi nach Freud „Abhub der Erscheinungswelt“. Als Material sucht sie sich das, was andere als Hobbyartikel abtun. No-go-Material und Methoden wie Seidenmalerei, Pappmaché, Salz und was ebenso herumliegt. So stecken in der Ausstellung einfach zwei Federn in der Wand. Etwas, das höchstens von Kindern noch wahr- und aufgenommen wird. Es ist eine Federzeichnung. Der Schaft eine geschwungene Linie, eine Konturfeder mit festem klarem Umriss und einer unzählig verästelten Innenstruktur. Ein sehr malerisches Zusammenspiel von Struktur und Form, Duktus und Umriss. Jakob stanzt die als interessant erkannte Struktur förmlich aus. Wer sich an ihre Bodenarbeiten erinnert, erkennt den Bezug. Scharf umrissene Form und Material, das sich kontrolliert selbst komponiert. Jakob strukturiert ihre Bodeninstallationen nicht selten durch bloße Abdrücke von Dingen. Etwas, das mal da war und nur die Spur von einem Rest hinterlässt.

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Dani Jakob, Homecoming, 2015, Foto: Jürgen Rösch

Dani Jakob liegt es fern ihren Heimatbezug, sie wurde in Freiburg geboren, und ihre Begeisterung für Natur zu leugnen. Das Umriss-Struktur-Verhältnis erinnert an eine Planstadt, eine konstruiert geometrische Form, welche sich auf den Boden legt, durchwuchert von Weggabelungen. Heimatlich pointiert durch die Festungsanlage von Neuf-Brisach, eines der herausragendsten Werke vom Ingénieur de France ‒ Sébastien Le Prestre de Vauban. Randständiges Material und Methoden, letztlich platziert Dani Jakob ihre Arbeiten auch an solchen Plätzen: oben im Eck. Dort nisten kleine, bronzefarbene Nester. Diese sind natürlich bedeutungsschwanger, doch vor allem durchzogen von einer vielschichtigen, individuellen Waben-Struktur. Eine feine, natürliche Aneinanderreihung wird von Dani Jakob einfach übernommen und mit kleinen Pappmachéknollen nachgeahmt. Warum ändern, was die Natur so konzentriert gestaltet und zusammensetzt. Etwas so sein lassen fällt den meisten schwer. Man will sich einmischen und frei gestalten. Lässt man dies sein, dann akzeptiert man das Haus eben als Haus, die Struktur als Struktur. Man löst es als das, was es ist, heraus und betrachtet es. Eine Abstraktion zerstört die natürliche Organisation und endet häufig in erzwungen intellektuellen Assoziationen. Die Eck-Nest-Situation spielt mit dem großen, eigentümlich geschwungenen Fenster des Pförtnerhauses. Von einer bronzefarbenen Schicht überzogen werden die Brutstellen künstlich und künstlerisch veredelt. Sie erhalten Einzug in den Kunstkontext und erinnern an die hohe Technik des Bronzegusses. Übernahme der Struktur und Aufwertung durch Glanz. Das Marginale wird im Pförtnerhaus ins Zentrum gerückt und räumt somit der Architektur einen besonderen Platz ein. Was man eher im Freien erwarten würde, ist bewusst und clever im Inneren platziert, einen guten Blick auf diese „Natur“ bekommt man auf jeden Fall, wie gewohnt ‒ durchs Fenster.

 

Dani Jakob
Pförtnerhaus
Fabrikstr., Freiburg.
Öffnungszeiten: Von außen einsehbar, 15. November 2015, 16.00 bis 19.00 Uhr. Oder nach Vereinbarung unter 0179/5013974 (Jürgen Oschwald), 0152/23063305 (Florian Thate).
Bis 15. November 2015.




Pförtnerhaus