26/08/15

Ein Himmel voller Autopneus

Der Bildhauer Michael Sailstorfer sucht im Centre PasquArt nach neuen Formen der Skulptur

von Alice Henkes

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Ausstellungsansicht Galerie, Centre PasquArt, 2015, Foto: Patrick Christie, GFF Biel © VG Bild-Kunst 2015
Im Centre Pasquart hängt der Himmel voller Autopneus. In den Galerien hat Michael Sailstorfer dicke Gummischläuche wie graue Wolken unter der Decke arrangiert. Im Altbau wachsen die pneumatischen Wolken tief in den Raum und werden zum dunklen Labyrinth. Besucher müssen sich ihren Weg durch dieses Gummigewölk suchen, dadurch verändert sich ihre Bewegung im Raum. Sie werden, so sagt Sailstorfer, zu Teilen der Installation.

Der in Berlin lebende deutsche Künstler Michael Sailstorfer (*1979) arbeitet vorwiegend im Bereich der konzeptuellen und installativen Kunst. Im Centre Pasquart ist seine erste institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz zu sehen. Die dunkelgrauen Wolkenformationen, die Sailstorfer in einigen Räumen installiert, erzeugen eine rätselhafte Gewitterschwere, die durch die Künstlichkeit des gewählten Materials befremdet. Diese Diskrepanz zwischen Material und Motiv zieht sich wie ein Leitmotiv durch die Ausstellung. Da gibt es Masken aus Aluminium, die an archaische Holzmasken erinnern, aber auch ein wenig an Astronautenhelme. Und eine Fotoserie dokumentiert eine ebenso aufwendige wie aberwitzige Aktion, bei der Sailstorfer einen herbstlichen Baum „wieder begrünt” hat. Dafür sammelten Sailstorfer und sieben Mitarbeiter über mehrere Wochen hinweg das welke Laub, das der Baum abwarf, lackierten es grün und montierten es an den kahler werdenden Ästen. Das klingt nach einer frechen Eulenspiegelei und ist doch mehr. In seinen Installationen beleuchtet Sailstorfer unser widersprüchliches Verhältnis zu Natur und Technik. Wir sehnen uns nach dem Echten, Naturnahen, Authentischen, und sitzen doch zugleich fest im Korsett der Technik, das wir uns seit Beginn des 20. Jahrhunderts mittels Maschinen, neuen Materialen und Kommunikationsmedien aufgebaut haben.

Im Wolken-Irrgarten manifestiert sich ein weiterer Arbeitsschwerpunkt Sailstorfers. Er sucht nach neuen Möglichkeiten der Skulptur. Dazu gehört die Einbindung ephemerer Phänomen und Vorgänge in seine Arbeit. Die Besucher, die sich den Weg durch die Wolken bahnen, werden zum Teil des Kunstwerks. Gern arbeitet Sailstorfer auch mit dem Mittel der Ironie. Etwa wenn er eine ausgestopfte Katze auf einen übermannshohen Sockel stellt. Die Katze starrt auf die Leuchtstoffröhre über ihr. Der Betrachter schrumpft unter dieser bizarren Skulptur zum Winzling.  

Michael Sailstorfer
Centre PasquArt
Seevorstadt 71-73, Biel/Bienne.
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag 14.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 18.00 Uhr.
Bis 13. September 2015.




Centre PasquArt