18/06/15

Landpartie Teil 2

Wenn der Sommer naht, wagt sich auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen

von red.

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Mireille Fulpius, Installationsansicht "Art en plein air", Foto: Marie Delachaux

Wenn der Sommer naht, wagt sich auch die Kunst nach draußen. Ein guter Grund, ihr zu folgen

The membrane of the dream – The membrane of the real

Museum Langmatt, Baden

 Man hat sich ein bisschen daran gewöhnt, die Avantgarde als eine männliche Angelegenheit zu betrachten. Doch alles ist eine Frage der Perspektive. Schaut man sich an, was Anfang des 20. Jahrhunderts im Tanz passierte, bekommt die Avantgarde einen weiblichen Körper. Und um diesen ging es Pionierinnen wie Loïe Fuller, Isadora Duncan oder Mary Wigman. Was die Bewegung ihnen erlaubte, war ein neuer Entwurf von Weiblichkeit. Auf der Bühne verkörperte sich dieser durch exotische Kostüme, Reformkleidung und nicht selten durch den Schleier. Man denke nur an Fullers berühmten Schleiertanz. Nicht nur ließen sich immer wieder Künstler durch diese Tänzerinnen zu neuen Werken inspirieren, sie durchbrachen auch das strenge Spartendenken. Das Museum Langmatt zeigt eine Ausstellung über diese weibliche Avantgarde, darunter befinden sich auch historische Fotos und Filmaufnahmen, der Schweizer Künstler Christopher Füllemann erkundet darüber hinaus die Übergänge zwischen Innen und Außen sowie die Geschichte der Industrialisierung.

Bis 29. November 2015. Vom 19. bis 21. Juni 2015 findet ein transdisziplinäres Festival im Museum Langmatt und dem Kino Baden statt.

 

Art en plein air Môtiers

Alle vier Jahre kommt in Môtiers auf einen Einwohner ein gefühlter Künstler. Denn sobald es „Art en plein air“ heißt rückt das 800 Seelen-Dorf Môtiers zusammen und stellt für die Dauer der Schau Felder oder Gärten, Schaufenster, Fassaden, Mauern oder auch Hütten zur Verfügung. Diese Begeisterung für zeitgenössische Kunst stößt bei den ausstellenden Künstlern natürlich auf Gegenliebe. Sie bedanken sich mitunter durch Werke, die über das Ende der Ausstellung noch zu sehen sind. Und durch Treue zu dem im Kanton Neuenburg gelegenen Dorf mit seiner historischen Bausubstanz. John Armleder und Olivier Mosset etwa, die für die Ausgabe des Jahres 2003 das Plakat entworfen hatten, sind in diesem Jahr wieder dabei. Doch es zeigen nicht nur arrivierte Künstler wie die beiden Welschschweizer ihre Arbeiten, auch jüngere wie Vanessa Billy, Karen Geyer, Pedro Wirz und Julian Charrière sind vertreten. Eine wohl einmalige Verbindung von Natur, Dorfkultur und Kunst.

20. Juni bis 20. September 2015.

 

Video Arte Palazzo Castelmur

Coltura heißt die nahe bei Stampa gelegene Ansiedlung, die man sich kaum malerischer vorstellen kann. Eigentlich könnte man sich gut damit begnügen, was da ist: das Bergell, seine einmalige Landschaft und die schönen Häuser. Doch dort befindet sich auch das Palazzo Castelmur, das 1723 erbaut und im 19. Jahrhundert erweitert wurde. Werke von gut zehn Künstlerinnen und Künstlern werden hier bis Oktober einziehen und den Räumen eine besondere Atmosphäre verleihen. An der Ausstellung „Video Arte Palazzo Castelmur“ sind Evelina Cajacob, Zilla Leutenegger, Gabriela Gerber und Lukas Bardill, frölicher/bietenhader sowie Sebastian Stadler, Olga Titus, Yves Netzhammer und Ursula Palla mit Videoarbeiten beteiligt. Manfred Alois Mayr und Patrick Rohner zeigen Bilder und Installationen.

6. Juni bis 18. Oktober 2015.

 

Klaus Prior

Lahr

Man kann den Titel der Veranstaltung „Kunst in die Stadt!“ nur als Aufforderung verstehen. Sechs große Holzskulpturen von Klaus Prior werden bis in den Herbst das Stadtbild Lahrs bestimmen. Noch bis zum 7. Juni schlägt die Städtische Galerie einen Bogen zum malerischen Werk des 1945 geborenen Künstlers, der seit 1963 in der Schweiz lebt. Erst in den 1990er Jahren beginnt seine Auseinandersetzung mit dem Material Holz, zuvor war Klaus Prior als Maler in Erscheinung getreten. Prior bearbeitet Holzstämme mit der Kettensäge und schält menschliche Gestalten aus ihnen heraus. Der Künstler übermalt diese Figuren und kerbt ihre Gesichter ein, als gälte es auf dem Holz zu zeichnen. Die Witterung wird weitere Spuren auf den monumentalen Skulpturen hinterlassen.

Bis 20. September 2015.

 




Palazzo Castelmur
Lahr
Museum Langmatt
Art en plein air