18/06/15

Nicolas Party

Ein Blick durch Elefantenbeine auf die Kunst und ihre Räume

von Dietrich Roeschmann

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Nicolas Party, Trunks and Faces, Ausstellungsansicht Westfälischer Kunstverein, Münster, 2014

Ein Blick durch Elefantenbeine auf die Kunst und ihre Räume

Als der Westfälische Kunstverein Münster anlässlich einer Soloschau des Lausanner Künstlers Nicolas Party (*1980) kürzlich eine kleine Serie Wandteller auflegte, von denen je ein pausbäckiger Krawattenträger blickte, dauerte es keine Woche bis die Edition vergriffen war. Wirklich überraschend war das nicht. Denn auch wenn diese skurrilen Deko-Keramiken nicht unbedingt zum Kerngeschäft des jungen Malers gehören, reihen sie sich dennoch schlüssig in sein bisheriges Œuvre ein. Malerei war für Party schon immer ein Balanceakt zwischen Bild und Objekt, der im besten Fall beide so eng miteinander verzahnt, dass sich in der Wahrnehmung seiner Arbeiten alle Hierarchien auflösen. Als Jugendlicher sprühte er Graffiti auf Hausfassaden. Während seines Kunststudiums in Lausanne und Glasgow experimentierte er dann mit unkonventionellen Oberflächen, malte auf Kisten, Möbel oder Felsbrocken, ließ seine Bilder über Rahmen, Sockel und Wände wuchern und entwickelte in diesen Übertretungen der Leinwand eine Malerei, die den Raum als Bühne und Bildträger zugleich eroberte. Das Resultat sind Ausstellungsdisplays, die sich Cartoonisten ausdenken könnten, wenn in ihren Witzen Kunst auftauchen soll: An den Wänden, die oft Landschaften oder abstrakte Muster zieren, hängen Porträts von Menschen in bunten Pullovern und weichen, seltsam steifen Körpern, die teigigen Gesichter staunend in die Welt gerichtet. In ihrer glatten Körperlichkeit wirken sie mal wie Persiflagen auf die fetten Diven des Kolumbianers Fernando Botero, mal wie Humanversionen der fröhlichen Teekannen-Motive, mit denen sich Party seit Jahren in immer neuen Serien an der Geschichte des Stilllebens von Chardin bis Hockney abarbeitet. In seiner Soloschau in Münster hingen sie zwischen Dutzenden, auf raumhohe Sockel gemalten Elefantenbeinen. Verspielter lässt sich Malerei kaum als Wald inszenieren, den man vor lauter Bäumen nicht erkennt.     

Nicolas Party bei Gregor Staiger (Zürich), Art Basel, Statements, Messe Basel, Halle 1.




Galerie Gregor Staiger