17/06/15

Yoan Mudry

Hybride Collagen zwischen Kunst und Comic

von Annette Hoffmann
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Yoan Mudry, Step by Step, 2014, Foto: © Serge Hasenböhler

Hybride Collagen zwischen Kunst und Comic

Als Nicolas Krupp Werke von Yoan Mudry (*1990) im letzten Sommer ausstellte, war ein Großteil davon schon verkauft. Der Basler Galerist kannte die Werke des Genfer Künstlers da erst seit zwei Jahren, er hatte sie bei einer Gruppenausstellung im New Jerseyy entdeckt. Es wundert nicht, dass die Kunst von Yoan Mudry derart zwischen hippem Off-Space und etablierter Galerie diffundieren kann. Denn Mudrys Bilder, Installationen und Skulpturen sind Hybride, die auf dem Grundprinzip der Collage beruhen. Er verarbeitet die Geschichte des Comics ebenso wie Werke von Richard Prince und Fundstücke aus dem Internet, mitunter mit einer Prise Martin Kippenberger. Eine Begebenheit in der Clique, ein Witz, der zwischen Freunden zirkuliert, kann jedoch genauso wichtig sein. Mudry, der 2014 sein Studium mit dem Master an der HEAD abschloss, malt, er arbeitet mit Filz und eingefärbten Socken, die er zu Schriftzügen legt und hat offensichtlich eine Vorliebe für allerlei Meeresgetier. Man glaubt gar nicht, wie treuherzig Oktopusse und Krabben aussehen können, wenn Mudry sie zu Bettvorlegern für den Galerieraum macht.

Photoshop ist ein selbstverständlicher Teil des Bildprozesses, an dessen Ende jedoch eine ganz traditionell bemalte Leinwand steht. „Step by Step“, eine Arbeit aus dem Jahr 2014, zeigt drei junge Frauen aus Richard Princes „Girlfriend”-Serie von 1993. Die drei posieren auf einem Motorrad, ihre knappen Shirts zeigen die Rundungen ihrer Brüste. Zwei stilisierte Comichände ergreifen den blauen Stoff, in dessen Mitte der Körper einer der Frauen zu sehen ist, der von einem Dreieck hervorgehoben wird. Und als ob das der Reizüberflutung noch nicht genug wäre, finden sich im oberen Bilddrittel zwei Füße, geschaffen wie vom amerikanischen Comiczeichner Robert Crumb, die eine Synthese von Pumps und Fuß und Fuß und Wurzelwerk darstellen. Dass verschiedene Hintergründe auf die Leinwand gemalt sind, übersieht man fast. Wem sollte da nicht schwindelig werden? Es ist ein unablässiges Schichten, Überlagern und Collagieren. Alles, was in Mudrys Bildarchiv Eingang gefunden hat, ist gleichwertig. Vielleicht auch, weil sich kein Element der Hierarchie einer Erzählung fügen muss. Alles ist hier ein kulturelles Zeichen.               

Yoan Mudry bei Nicolas Krupp (Basel), Art Basel, Messe Basel, Halle 2.1.




Nicolas Krupp