17/06/15

Katja Aufleger

Die Hamburgerin hat ihre eigene Big Bang Theory — abgefüllt in Flakons

von Annette Hoffmann
Thumbnail

auflegersumofitsparts.jpg

Katja Aufleger, Sum of its parts, 2012, courtesy the artist und Stampa

Die Hamburgerin hat ihre eigene Big Bang Theory — abgefüllt in Flakons

Für Katja Aufleger (*1983) läuft es derzeit gut. Nach ihrem Master of Fine Arts in Hamburg im Jahr 2013, wird ihr eine Auszeichnung nach der anderen zugesprochen. Erst der Berenberg Preis für junge Kunst, dann 2014 der Förderpreis Kulturstiftung der öffentlichen Versicherungen Oldenburg, das Hamburger Arbeitsstipendium und in diesem Jahr wird sie dank eines Stipendiums der Stadt Hamburg einige Monate in Zürich arbeiten können.

Unkommentiert möchte Katja Aufleger das nicht lassen. In ihrer Stipendienausstellung im Kunstverein in Hamburg machte sie durch eine systemische Aufstellung das Kunstfeld selbst zum Thema. Jugendliche setzen sich an den Fuß der Karriereleiter oder deuteten eine Klimax durch ein Fähnchen an. Ein schönes, unbekümmertes Happening, das sich mit unübersehbarer Ironie über das Kunstsystem lustig machte, obwohl Katja Aufleger selbst in es verflochten ist. Vielleicht aber ist der Hamburger Künstlerin überhaupt ein gewisses Maß an Furchtlosigkeit zu Eigen. 2013 ließ sie mehrere mundgeblasene Glasgefäße herstellen, die aus zwei oder drei Kammern bestanden und mit Substanzen gefüllt waren, die unterschiedliche Farben und Aggregatzustände aufwiesen. Wäre da nicht der unmissverständliche Titel „Bang!“ gewesen, man hätte diese sehr ästhetischen Objekte als eine Anschauung für die Nähe zwischen Kunst und Design verstehen können. Tatsächlich jedoch wären die Chemikalien – ohne die Scheidewand zwischen ihnen – explodiert.

Die Wissenschaften, sagte Katja Aufleger in einem Interview, seien ein wichtiges Thema für sie, weil sie allgemeine Fragen aufwerfen. „Sum of its parts“, eine Arbeit, die in diesem Jahr in ihrer Basler Galerie Stampa zu sehen war, ist kaum kleiner gedacht. Die mattschwarze LP zeigt, sobald man sie ein bisschen schräg hält, die beiden Hemisphären der Erde. Zu hören ist ein rhythmisches Säuseln und Kratzen, das die Höhendifferenzen der Nord-, beziehungsweise Südhemisphäre in einen Ton übersetzt. So dass man mit Katja Aufleger 530 Mal um die Erde kreisen kann, 33 Mal pro Minute. Das ist auf eine sehr unaufgeregte Weise doch sehr aufregend.               

Katja Aufleger bei Stampa (Basel), Art Basel, Messe Halle 2.1, Basel.




Stampa