15/06/15

Sophie Nys

Eine Forscherin zwischen Geschichte und der Ironie der Geschichte

von Fiona Hesse
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Sophie Nys. Oh Brother, Brother, Brother, 2013, courtesy the artist

Eine Forscherin zwischen Geschichte und der Ironie der Geschichte

Haben Pflanzen ein Sexleben? Was ist in Sigurdur Hjartarsons Garten noch höher als das Haus? Und was ist „Full of Piss and Vinegar“? Auf augenzwinkernde und poetische Art gelingt es der in Zürich lebenden Belgierin Sophie Nys (*1974), Politik, Kunst und Gesellschaft zu karikieren, ohne auf Ernsthaftigkeit zu verzichten. Ihre Arbeiten wurden bereits auf unterschiedlichsten Ausstellungen Europas gezeigt, zuletzt im CRAC Alsace in Altkirch, ihre Filme sind an zahlreichen Filmfestivals auf der ganzen Welt zu sehen.

Historische Begebenheiten, Personen oder Orte sind für Nys von besonderem Interesse. Ob Spuren urbaner Gestaltung in Japans Natur oder das Aufgreifen politisch-sozialer Erlebnisse in Bolivien, begeistert sie ein Thema, reist Nys für ihre Recherchen um die ganze Welt, forscht in Archiven und stellt immer wieder auch den Bezug zur Gegenwart her. Ihr digitalisierte Super8-Film „Full of piss and vinegar” aus dem letzten Jahr etwa erinnert zwar an die vielen Toten, welche die großen Pestepidemien des Mittelalters forderten. Der Titel aber verdeutlicht, was wirklich den Zeitenwandel überdauert hat: ein englisches Sprichwort, das umgangssprachlich jugendliche Vitalität beschreibt und rein gar nichts mit Tod und Verderben zu tun hat. Selbst auf die sexuelle und phallische Überhöhung in unserer Gesellschaft nimmt Nys Bezug, unter anderem 2013 in „La vie sexuelle des plantes“. In ihrer Collage „Dans le jardin de Sigurdur Hjartarson“ verbindet sie die das Haus überragenden Baumstämme mit der Bedeutung von Penissen im Leben Hjartarsons, der bis 2012 der Leiter des Penis-Museums in Reykjavik war und parodiert dabei eigentlich unsere Gesellschaft.

 So verschieden ihre Sujets, so unterschiedlich sind auch ihre Werke. Quer durch alle Gattungen finden sich Fotografie, Collage, Video, Installation, Skulptur oder Fotogramm – als bediene sie sich mühelos aller denkbaren Kunstformen, um die jeweilige Arbeit bestmöglich in Szene zu setzen. Die Kunst von Nys, die an der Sint-Lucas School of Arts in Ghent studiert hat und für Recherchen am Fine Arts Department der Jan Van Eyck Akademie in Maastricht gearbeitet hat, ist humorvoll, vielschichtig, historisch und gleichzeitig höchst aktuell.

Sophie Nys an den Swiss Art Awards 2015, Messe Basel, Halle 4.