14/06/15

Anne Imhof

Decodierungen der Macht in Performance und Zeichnung

von Yvonne Ziegler
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Anne Imhof, Deal, Performance at MoMA PS1, 2015

Decodierungen der Macht in Performance und Zeichnung

Zeichnen ist für Anne Imhof (* 1978) ein essentielles Mittel zur Bildfindung, das ihr performatives Œuvre anstößt, begleitet, reflektiert und in Form eigenständiger Arbeiten ergänzt. An der Liste in Basel zeigt sie eine Auswahl von Gemälden, deren figurative Linien sie nicht ohne Risiko mit Rasierklingen in glattes dunkles Alu-Dibond geritzt hat. Die gebürtige Gießenerin, die 2012 als Meisterschülerin von Judith Hopf die Städelschule mit dem Absolventenpreis abschloss und dieses Jahr für den Preis der Nationalgalerie nominiert wurde, macht seit Langem auch Musik. An der Akademie arbeitete sie zunächst mit Video, Fotografie und Zeichnung, doch fehlte ihr zunehmend eine offene, Widersprüche zulassende Zeitform. In performativen Arbeiten mit vielen Mitakteuren schafft sie daher seit 2011 eindrückliche Gemälde in Raum und Zeit. Diese, so sagt sie, verstehe sie weniger als choreographiert denn vielmehr als bildnerisch abstrakt. Ihre Arbeiten sind nicht konsumierbar, sie entwickeln sich über Stunden, zeichnen sich durch langsame Veränderungen von wiederholten einfachen Bewegungen aus, oft entlang von auf dem Boden gezogenen Linien und Grenzen. Angeregt durch Beobachtungen ihres Umfelds, auf der Straße oder in Clubs thematisiert die Künstlerin non-verbale Kommunikationsformen, unausgesprochene Regeln und Geheimcodes, insbesondere von Machtbeziehungen. So fließen Gesten und Blicke von Türstehern in „Aqua Leo“ ein, während die Weitergabe von Metallstäbchen in „SOTSB“ Täuschungsmanöver von Taschendieben anklingen lässt. Durch den Einsatz von Tieren, durch Licht, das kaltweiß, kränklichgelb oder in aktivierendem Blau leuchtet, und durch Flüssigkeiten nimmt sie weitere ästhetische Setzungen vor. An Körpersäfte erinnernde Buttermilch fließt aus Mündern, ergießt sich über den Boden, strömt unangenehme Gerüche aus. Ihren gleichzeitig von Fremdheit und Alltäglichkeit durchtränkten Performances kann man sich nur schwer entziehen.        

Anne Imhof bei Deborah Schamoni (München), Liste 20 – Art Fair Basel, Warteck PP, Burgweg 15, Basel.




Deborah Schamoni