13/06/15

Jakob Tyroller im Pförtnerhaus Freiburg

Mit der Ausstellung von Jakob Tyroller im Pförtnerhaus eröffnet in Freiburg ein neuer Offspace

von Dietrich Roeschmann

Pfortnerhaus1.jpg

Ein neuer Offspace in Freiburg: das Pförtnerhaus in der Fabrikstraße. Foto: Jürgen Oschwald

 

Mit der Ausstellung von Jakob Tyroller im Pförtnerhaus eröffnet in Freiburg ein neuer Offspace

Eigentlich wäre alles bereit gewesen. Die Elektrik war verlegt, die Wände gestrichen, die Scheiben geputzt. Doch dann, kurz bevor der Pförtner in der Freiburger Fabrikstraße seine erste Schicht hätte antreten sollen, kam das Aus. Um die Warenlieferung zu zentralisieren, hatte die Brauerei Ganter hier eine neue Einfahrt samt Pförtnerhaus gebaut. Dumm nur: Die Seitenstraße erwies sich bereits vor der Eröffnung als zu eng für die großen LKW. Folglich blieb das Tor geschlossen und das nagelneue Pförtnerhäuschen fiel ungenutzt in einen Dornröschenschlaf – für mehr als fünfzig Jahre. Der Staub kroch durch die Ritzen,  am Mauerwerk wucherte das Unkraut, und irgendwann fiel vor der Tür ein Schuss. Die Nachbarin sagt, es habe einen Toten gegeben. In der Scheibe klafft noch heute ein Loch.  

Vor wenigen Monaten dann entdeckten die Freiburger Künstler Florian Thate und Jürgen Oschwald das verstaubte Kleinod aus den Sechzigern, das mit seiner elegant gebogenen Frontscheibe und knapp 15 Quadratmetern Grundfläche gut als Miniversion der berühmter „Nighthawks“-Bar von Edward Hopper durchgehen könnte. Ein perfekter Ort für einen unabhängigen Kunstraum, fanden die beiden, und sprachen Brauereichef Ernst Ludwig Ganter an, der zugleich geschäftsführender Vorstand des Kunstvereins Freiburg ist. Mit Erfolg: Sie bekamen einen unbefristeten Vertrag.

Nach dem Abriss des Glaspavillons an der Heiliggeiststraße im vergangenen Januar, in dem die Künstlerinitiative „Plan B“ und das Folgeprojekt „barcelona“ ambtionierte Ausstellungsprogramme realisierten, gibt es mit dem Pförtnerhaus nun erstmals wieder einen Offspace mit langfristiger Perspektive in der Stadt – ein Glücksfall, nicht nur für die junge Freiburger Kunstszene aus dem Umfeld der Akademie und der Hochschule für Kunst, Design und populäre Musik.  

M3.jpgJakob Tyroller, M003, 2013, Collage auf Gips, 20 x 12 x 5 cm, Courtesy the artist

Die erste Ausstellung eröffnet am heutigen Samstag. Oschwald und Thate haben dazu den Stuttgarter Künstler Jakob Tyroller eingeladen. Neben Wandzeichnungen von bis an die Zähne bewaffneten Polizistenpaaren, denen der 35-Jährige Fragmente küchenpsychologischer Beziehungsgespräche in den Mund gelegt hat, zeigt er auch eine Serie von fotografischen Porträtcollagen auf Gipsabdrücken realer Gesichter. Das klingt im ersten Moment harmlos, entfaltet von Angesicht zu Angesicht aber einen subtilen Sog in den blanken Horror. Eine charmante Idee, dem so lange verwaisten Haus auf diese Weise erst einmal die Geister auszutreiben. Und auch das weitere Programm klingt vielversprechend. Für die kommenden Ausstellungen haben Thate und Oschwald unter anderen den Karlsruher Maler Christian Falkner, die in Berlin lebende Lichtkünstlerin Zora Kreutzer und die mittlerweile international erfolgreiche Ex-Freiburgerin Dani Jakob eingeladen.  

 

Jakob Tyroller

Pförtnerhaus

Fabrikstraße 17, Freiburg.

Vernissage: 13. Juni 2015, 18 Uhr.

So, 14. Juni 2015, und Fr, 10. Juli 2015, von 16.00 bis 19.00 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung unter Tel. 0179 50 13 974.

Bis 10. Juli 2015.




Das Pförtnerhaus auf Facebook