13/06/15

Pauline Beaudemont

Die Genfer Künstlerin inszeniert kulturhistorische Schwebezustände

von Charlotte Matter

beaudemont.jpgPauline Beaudemont, o.T., 2015, courtesy the artist

Die Genfer Künstlerin inszeniert kulturhistorische Schwebezustände

Durch präzise Materialsetzungen eröffnen die Objekte von Pauline Beaudemont (*1983) trotz reduzierter Formen multiple Assoziationsketten und Erzählstränge. Ihre Installation an den diesjährigen Swiss Art Awards funktioniert wie eine Kapsel – ein weicher Teppich und das warme Licht versetzen den Besucher in eine sanft entrückte Stimmung, nicht unähnlich dem Zustand des Eindösens, und bilden die Illusion eines zeitlosen Raums. Gleichzeitig wird dieser durch die kunst- und kulturgeschichtliche Verweisfunktion der Materialien zum Behälter unterschiedlichster Epochen. Hier, ebenso wie in vergangenen Arbeiten, verwendet die Genfer Künstlerin mit aktuellem Wohnsitz in Berlin beispielsweise Beton, das als globalisiertes Baumaterial ebenso an den konstruktiven Willen der Architektur der Moderne und deren zukunftsgerichtete Aufbruchsstimmung erinnert wie an die lange Geschichte des Zementbaustoffs. Messing und vergoldete Spiegel verweisen auf den Jugendstil der Jahrhundertwende, als Freuds Traumdeutung erschien, auf das Maschinenzeitalter der Industrialisierung und die einhergehende Faszination für Spiritismus. Die Glühlampen aus bernsteinfarbenem Rauchglas imitieren das Licht von Gasflammen und mahnen an die Zeit vor der Elektrizität, während die gedrehte Hanfkordel als tropisches Baumaterial auf eine geografische Ferne und als bewusstseinserweiternde Substanz auf eine spirituelle Ferne verweist. Dieser Idee von Materialien als Projektionsflächen steht die Verhandlung ebenso mehrdeutiger Inhalte gegenüber, so etwa Träume – ein schwer greifbares und bis heute nicht ganz verstandenes Feld, das wohl gerade deshalb seit jeher Forschung und Kunst beschäftigt, und mit dem sich die Künstlerin schon seit längerem auseinandersetzt. Auf einer grossen vergoldeten Spiegelfläche ist das Bild einer schlafenden Hermaphrodite aus dem Louvre zu sehen, deren uneindeutiges Geschlecht das ambivalente Schwebegefühl widerspiegelt, das der Installation von Pauline Beaudemont innewohnt. 

Pauline Beaudemont an den Swiss Art Awards 2015, Messe Basel, Halle 4.