15/06/12

Arbeiten im XXL-Format

Ein Rundgang über die Unlimited der Art'43 Basel. Was man nicht verpassen sollte.

von Annette Hoffmann
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Ein Rundgang über die Unlimited der Art'43 Basel. Was man nicht verpassen sollte.4904shimabukukl.jpg

Die Art Unlimited ist traditionsgemäß die XXL-Show der Art Basel. In diesem Jahr hat der Leiter des Swiss Institute in New York Gianni Jetzer dieses Segment musealer Größe von Simon Lamunière übernommen. Es ist nicht die stärkste Ausgabe der Art Unlimited geworden, doch Entdeckungen lassen sich auch unter den 62 von Gianni Jetzer kuratierten Arbeiten machen.

Robert Morris‘ Rauminstallation „Untitled (Scatter Piece)“ ist nicht nur ein beeindruckendes Werk, es wirft auch Fragen nach Originalität und Remake auf. 1969 schuf Robert Morris diese Arbeit, die aus etwa 200 Elementen, darunter Zink-, Kupfer- und Aluminiumplatten unterschiedlicher Größe sowie Filzstücken, besteht, für seine Ausstellung beim New Yorker Galeristen Leo Castelli. Vor zwei Jahren rekonstruierte der Künstler seine eigene Arbeit nach neun Zeichnungen, die damals entstanden sind. Die Anordnung selbst folgte dem Zufallsprinzip. Angesichts dieser eingefrorenen Dynamik, die an eine performative Aktion erinnert, wundert man sich nicht, dass Morris in den letzten Jahren auch von jüngeren Künstlern wieder entdeckt wurde.

Eine ausgesprochen ästhetische Arbeit stellt die Galerie Kukje aus Seoul von Kimsooja vor. „Thread Routes – Chapter 1“ führt die koreanische Künstlerin nach Peru, wo sie das erste Kapitel ihres Filmprojektes beginnen lässt. Kimsooja dokumentiert das peruanische Kunsthandwerk des Webens, in das gleichermaßen Männer und Frauen einbezogen sind. In „Thread Routes – Chapter 1“ verschränkt Textilkunst sich mit der Landschaft, deren Felder Teppichen gleichen, dem sozialen Gefüge der Gemeinschaft und dem antiken Mythos der Parzen.

Was macht ein Fisch, wenn er auf eine Kartoffel trifft? Vermutlich befällt ihn eine dunkle Ahnung. Shimabukus Video „Shimabuku’s Fish & Chips“ hat jedenfalls alles für einen Publikumsrenner. Seine Protagonisten sind eine Kartoffel, die langsam durch ein Gewässer trudelt und eine Reihe Fische, an denen die Kartoffel in die Tiefe sinkt. Dann sind da noch der Soundtrack und der Witz des japanischen Künstlers, der aus Englands beliebtestem Fastfoodgericht eine surreal verfremdete Gegenüberstellung macht. So poetisch war Fish & Chips noch nie.

Unglaublich detailverliebt gibt sich die Rauminstallation von Laura Owens „Untitled“ aus diesem Jahr. 51 Künstlerbücher finden sich aufgestapelt auf einem langen Tisch, umsäumt sind sie von 92 Bildern an der Wand, die eigentlich Uhren sind. Mal sind die Gesichtszüge die Zeiger, mal spielen die Zahlen verrückt. Owens‘ Künstlerbücher, viele davon haben bestickte Einbände, greifen die Kultur der Innerlichkeit des 18. und 19. Jahrhunderts auf und reflektieren durch ihre aufwändige Herstellung über die vergehende Zeit.

Mit der endlichen Lebenszeit hat sich Jitish Kallat in seiner Installation „Epilogue“ befasst. Der in Mumbai lebende Künstler setzt in den Fotografien, die man passiert, zugleich seinem Vater ein Erinnerungszeichen. Auf den Pigmentdrucken sind alle Mondverläufe im Leben seines Vaters zu sehen, der 1998 im Alter von 62 Jahren starb. Nicht als realistische Aufnahme des Mondes, sondern als mehr oder weniger angebissenen Fladenbrot.

Auf 144 Bildern erzählt der isländische Künstler Ragnar Kjartansson von seiner Zeit in Venedig. Ein halbes Jahr hat Kjartansson 2009 in der Lagunenstadt verbracht, an jedem Tag entstand ein neues Bild. Es musst warm dort gewesen sein, man sieht den Künstler fast ausschließlich in Badehose. Die subjektiv wirkenden Bilder vermitteln dem Betrachter, dabei gewesen zu sein und porträtieren den Künstler als Performer seines Lebens.

Eine schöne Bildidee zur Fluchtperspektive zeigt die New Yorker Galerie Andrew Kreps mit Ricci Albendas Skulptur „Open Universe“. Genau genommen ist Albendas Werk eine Art Mobile, das er im Atelier Calder in Saché während eines Stipendiumaufenthaltes schuf. Es besteht aus feinen Weidengerten, die miteinander verbunden rasterförmige Strukturen ergeben und die sich, je nach Perspektive, selbst hervorzubringen scheinen. Ein federleichtes Sinnbild für unser Universum.

Art'43 Basel
Messe Basel, Hallen 1 + 2, Täglich 11.00 bis 19.00 Uhr. Bis 17. Juni 2012.
Art Basel