01/06/15

Mobile Gärten

Im Museum Biedermann ist eine Ausstellung mit Werken englischer Künstler zu sehen, die sich mit der Natur befassen

von Annette Hoffmann

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May Cornet, From Now On, 2006, © Margit Biedermann Foundation & May Cornet

Im Museum Biedermann ist eine Ausstellung mit Werken englischer Künstler zu sehen, die sich mit der Natur befassen

Für alle, die es in ihrer Lunch-Pause nicht einmal auf die Grünflächen des nächsten Parks schaffen, hält Mary Cornet (*1975) eine Erste-Hilfe-Box parat. Ihr Kleingarten passt in eine handliche Kiste, deren Inhalt auf dem kleinsten Schreibtisch Platz hat. Ein paar Architekturelemente, stilisierter Rasen, drei Enten. Das Material – grau eingefärbtes Kunstharz – mag nicht unbedingt zu unseren Vorstellungen von Natur passen. Die „Portable Garden Box 3“ aus dem Jahr 2006 empfängt als Miniaturversion einer größeren Installation die Besucher im Museum Biedermann. In ihr kann man sich dann wie in einem künstlich angelegten Park vor einer grasgrünen geprinteten Zeichnung bewegen. Die Natur und unser Verhältnis zu ihr ist das heimliche Thema dieser Gruppenschau. Mag es dem Zufall geschuldet sein oder einer besonderen Neigung – Margit Biedermann sammelt Werke englischer Künstler: Nach einer Ausstellung mit italienischen Künstlern im Jahr 2012 lag es jetzt nahe, die Arbeiten von Nigel Hall (*1943), Kenny Hunter (*1962), Matthew Radford (*1953), Mary Cornet sowie David Nash (*1947) zu zeigen. Letzteren sammelt und stellt Margit Biedermann schon länger aus.

Unsere Vorstellungen von englischer Landschaft erfüllt dabei noch am ehesten seine Dokumentation von „Wooden Boulder“, nachdem David Nash 1978 eine Holzkugel schuf, setzte er sie in der freien Wildbahn aus und verfolgte 25 Jahre ihren Weg durch Bäche, Marschen zum offenen Meer hin. Ansonsten ist das Verhältnis zur Natur nicht ungebrochen. Der Bildhauer Kenny Hunter hat mit „Like Water in Water“ einen Springbrunnen geschaffen, der einerseits Vorgartenidyllen aufs Korn nimmt, andererseits das Zurückdrängen der Natur durch den Menschen thematisiert. Das Wasser fließt aus der Flanke eines Rehs in ein Bassin, das durch eine Holzkonstruktion gestützt ist. Nigel Hall übersetzt das, was er sieht, in abstrakte Linien, die er mit Kohle, mitunter auch in einem durchdringenden Gelb ausführt. In seiner 2008 entstandenen Arbeit „In the Bergell (Stampa)“ hat er das Holz in eine Form gebracht, die an eine Acht erinnert. Raffinierte Krümmungen und Wölbungen lassen die Maserung sichtbar werden. Das Schöne ist auch das Problem dieser Ausstellung, denn zwischen Kitsch und dem Artifiziellen entsteht kaum Reibung. Nach Tracey Emin 2007 wird in diesem Jahr Großbritannien erneut von einer Repräsentantin der Young British Artists auf der Biennale von Venedig vertreten. Englands Selbstbild hat immer noch etwas mit Punk und Rebellion zu tun.  Annette Hoffmann

British Art+

Museum Biedermann

Museumsweg 1, Donaueschingen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 20. Juli 2015.

 

 




Museum Biedermann