19/06/12

LED-Rauschen

Haroon Mirza macht in der Kunst Halle Sankt Gallen das stete Fließen der Töne sichtbar.

von Annette Hoffmann
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Gut einen Meter fällt das Wasser senkrecht eine Steinmauer herunter, begleitet von ein wenig weißer Gischt und ein paar auf Abwege geratene Spritzern. Es ist kein spektakulärer Wasserfall, der auf dem alten Bildschirm zu sehen ist. Dann scheint die Sequenz einen Moment still zu stehen und schon ist wieder alles normal. Die Kamera bleibt auf den gleichen Punkt gerichtet. Wäre da nicht dieser kleine Aussetzer, vielleicht würde man das stete Fließen von Haroon Mirzas Installation für die Kunst Halle St. Gallen gar nicht als Visualisierung dessen nehmen, was im Raum zu hören ist. Vier Lautsprecher, die neben dem alten Couchtisch mit dem Fernseher stehen, verbreiten die Klänge. Tatsächlich setzt die Tonspur, verstärkt und verfremdet, das Rauschen des Wassers um und ein wenig erinnert die Videosequenz des Baches an die Übertragungen von Tönen in Schwingungen. Der Titel von Haroon Mirzas Schau IIII II spielt auf diese physikalischen Wellen an.

Haroon Mirza (*1977), der für seinen Beitrag zur Biennale Venedig mit dem Silbernen Löwen für die beste Arbeit eines Nachwuchskünstlers ausgezeichnet wurde, schafft Installationen, die gleichermaßen skulptural als auch klanglich wahrgenommen werden. In St. Gallen hält er sich mit seiner Vorliebe für die nostalgische Ästhetik der 1970er und -80er Jahre zurück. Dafür breiten sich an den Wänden minimalistische Muster in Blau, Grün und Rot aus, die aus farbigen Schaumstoffkeilen zusammengesetzt sind, wie sie der Schallisolierung in Tonstudios dienen. Das sieht ein wenig der Gruppe Memphis aus, zitiert aber die Minimal Art und die musikalischen Patterns, die von diesem Zentrum auf die beiden umgebenden Räume ausbreiten. Mirzas Arbeiten für die Kunsthalle St. Gallen schaffen eine Klammer für die Folge dieser drei Räume. Die Klänge sind überall zu hören, während das An- und Ausgehen der LED-Bänder, die im ersten und dritten Raum ein Viereck um Boden, Säule, Decke und Wand umschreiben, die Impulse für die Töne geben.

Haroon Mirza
Kunsthalle St. Gallen

Museumstr. 32, St. Gallen.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 12.00 bis 18.00 Uhr, Samstag und Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.
Bis 1. Juli 2012.
Kunst Halle Sankt Gallen