06/05/15

Aurélien Froment

Die Werke des französischen Künstlers spiegeln die Komplexität unseres Verhältnisses zur Welt wider

von Isabel Mehl
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Aurélien Froment, Fröbel Fröbeled, Ausstellungsansichten Villa Arson, 2014

Die Werke des französischen Künstlers spiegeln die Komplexität unseres Verhältnisses zur Welt wider

Ein Schiff wird im peruanischen Urwald über einen Berg gezogen – die Schlüsselszene aus dem Film „Fitzcarraldo“ (1982) von Werner Herzog ist Teil unseres kulturellen Gedächtnisses. Der in Dublin lebende französische Künstler Aurélien Froment (*1976) ist fasziniert von Herzog und übersetzte den Moment der Bergüberquerung in seiner Arbeit „Werner Herzog“ (2002) in ein Miniaturmodell. Herzogs Film der zwischen Fiktion und Dokumentation angesiedelt ist, stellt einen zentralen Bezugspunkt für das Werk Froments dar, das sich mit verschiedenen Formen der Repräsentation beschäftigt. In seiner multimedialen Praxis jongliert Froment mit konzeptuellen Zugriffen auf die Welt und bringt den Standpunkt der Betrachterinnen und Betrachter ins Wanken. Dabei greift er auf die existente Ideenwelt und deren Abbilder aus verschiedensten Disziplinen zu – von der Pädagogik über die Magie bis hin zu Architektur und Film. Dieses „Material“ dient ihm als Archiv, welches es aus dessen oftmals statischer Form zu befreien und in der Gegenwart neu zu verhandeln gilt. Das fotografische Dokument eines Interviews, welches Froment 2008 mit Herzog führte, wurde Teil der Arbeit „Debuilding (Werner Herzog)“ (2009). Dem Foto entnommene Farben dienten als Index für die Farbgebung der Vorderseiten verschiedener Holzblöcke. Diese wurden für diese Arbeit vor der Fotografie angeordnet und legen Fährten ins Innere des Bildes. Und sie bergen das Potential, die Rezipienten zu aktivieren und deren Verhältnis zum Kunstwerk neu zur Disposition zu stellen. Die Holzblöcke selbst sind auf die Auseinandersetzung des Künstlers mit dem Kindergarten-Erfinder Friedrich Fröbel (1782-1852) zurückführen. Dessen pädagogische Spielzeuge (sog. Spielgaben) sollten den Kindern helfen durch abstrakte Formen zu erlernen ihre Umwelt besser zu verstehen und sich in dieser zu orientieren. Froment transformiert diesen Gedanken in den Kunstkontext und zeigt die Komplexität unserer Kommunikation und Navigation in der Welt auf. Diese scheint nur oberflächlich problemlos zu verlaufen. Und ereignet sich zuweilen unbemerkt automatisiert. Diese versteckten Konstruktionsprozesse legt Froment offen.

Mit einer anderen Art der Formensprache beschäftigt sich Froments Fotoarbeit „Tombeau idéal de Ferdinand Cheval“ (2014). Dabei handelt es sich um neunzig Schwarz-Weiß-Fotografien in denen Froment einzelne Elemente des tempelartigen Bauwerks „Palais idéal“ (1879-1912) im französischem Haute­rives mittels schwarzem Stoff von ihrem Kontext löste. Der Schöpfer des „Palais idéal“ ist der Postbote und Autodidakt Ferdinand Cheval. Für seine durch Froment freigestellten eigenwilligen Miniaturen und Objekte dienten Cheval, der selbst nie gereist ist, Buchillustrationen als primäre Inspiration. Es besteht zwar permanent die Möglichkeit, Abbilder abzurufen, doch die Gefahr, dass wir uns unbemerkt in einem Simulacrum wiederfinden besteht.

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Aurélien Froment, Tombau idéal de Ferdinand Cheval, courtesy the artist and Marcelle Alix, Paris

Froments assoziative Praxis ist auf kein Medium festgelegt – er arbeitet mit Publikationen, Performance, Skulptur, Video, Fotografie – und im Medium der Ausstellung selbst. Er zeigt seine Werke parallel in den Kunstvereinen in Heidelberg und Karlsruhe. Das spiegelt auch den Widerstand seines Schaffens gegen Eindeutigkeiten und feste Orte des Denkens wider. Sein Schaffen lässt (Gedanken-)Konstellationen entstehen; die entstehenden Narrative legen die Rezipienten fest – reisend und navigierend zwischen der Welt und ihrer Repräsentation.  Isabel Mehl

 

Aurélien Froment: Fröbel gefröbelt.

Heidelberger Kunstverein

Hauptstr. 97, Heidelberg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 19.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 28. Juni 2015.

 

Aurélien Froment: News From Earth

Badischer Kunstverein Karlsruhe

Waldstr. 3, Karlsruhe.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 19.00 Uhr, Samstag bis Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 21. Juni 2015.

 




Badischer Kunstverein
Heidelberger Kunstverein