04/05/15

Von der Fläche in den Raum

Der Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle zeigt eine Ausstellung, bei der es heißt "Einknicken oder Kante zeigen"

von Fiona Hesse

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Ausstellungsansicht mit Werken von Johanna von Monkiewitsch, Hermann Glöckner, Herbert Zangs, Foto © Bernhard Strauss

Der Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle zeigt eine Ausstellung, bei der es heißt "Einknicken oder Kante zeigen"

Falten und Kunst sind seit der Antike eng miteinander verknüpft und hinterlassen in jedem Zeitalter ihre Spuren – mal mehr, mal weniger prägend. Während sich Künstler früherer Generationen häufig mit einer möglichst detailgetreuen und vielfach ebenso bedeutungsvollen Darstellung des Faltenwurfs auseinandersetzten, grübelten die Kunsthistoriker später an der Interpretation, Erkennung und Datierung derselben, um die verschiedenen Stile möglichst auf das Jahr genau Regionen und Bildhauern zuordnen zu können.

Die heutigen Künstler haben erneut ihren ganz eigenen Zugang, wie die aktuelle Ausstellung „Einknicken oder Kante zeigen? Die Kunst der Faltung” im Freiburger Kunstraum Alexander Bürkle zeigt. Mit über 40 internationalen Künstlern wird ein breites Spektrum zeitgenössischer Positionen präsentiert, die sich nicht nur mit Falten(wurf), sondern vor allem mit dem Falten als Tätigkeit auseinandergesetzt haben. Der dazugehörige Ausstellungskatalog ergänzt die gezeigten Arbeiten um die wissenschaftliche Dimension und erläutert kunst- und kulturhistorisch, wie es der Falte gelang, aus dem Schatten des Gewandes ins Licht moderner künstlerischer Aufmerksamkeit zu gelangen und im Zuge der Moderne als eigenständiges Motiv in die Kunst der Gegenwart integriert zu werden. Aus der Falte wird die Faltung, welche im Verlauf des letzten Jahrhunderts die vertraute Gegenständlichkeit häufig verlässt und ihr Erscheinungsbild auf dem Wege zum skulpturalen Abstraktum vielfach wechselt. Oft von der zweidimensionalen Fläche ausgehend, wurde somit für die Ausstellung expressiv in den Raum hinein gefaltet, geknickt und genietet, gehämmert, gefalzt, beklebt und verflochten. In schier unendlicher Formenvielfalt zeigen sich Falten und Faltungen aus Glas, Stein, Holz oder Metall, Stoff, Kupfer, Papier, Pappe oder Filz. Die unterschiedlichen Materialien werden besprüht, beklebt und bedruckt, an die Wand gehängt, auf dem Boden verteilt, auf Sockeln oder in Rahmen präsentiert, hinter Klebeband versteckt. Knicke oder Kanten dienen als Raumteiler, Einkerbungen spielen mit unserer Wahrnehmung und täuschen uns durch Illusion und Wortspiel, zeigen sich uns in Farbe, Schwarz-Weiß oder als Spiel mit Licht und Schatten. Die Falte begegnet uns als Malerei, Zeichnung, Fotografie oder Skulptur, selbst als Film, Collage oder Installation – kurz: es gibt kaum eine Variante, die in dieser Themenausstellung nicht zu finden wäre.

In steter Bewegung, um sich die „Ökonomie der Formfindung“ (Stefan Eberstadt) von allen Seiten und in all ihren Facetten anschauen zu können, wird spätestens im letzten Ausstellungsraum deutlich, wie eng unser alltägliches Leben mit Falten verbunden ist – und zugleich mit der zeitgenössischen Kunst.  

Einknicken oder Kante zeigen. Die Kunst der Faltung

Kunstraum Alexander Bürkle

Robert-Bunsen-Str. 5, Freiburg.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 21. Juni 2015.




Kunstraum Alexander Bürkle