28/04/15

Magische Einheit

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt eine exquisite Überblicksschau Turo Pedrettis

von Simon Baur

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Turo Pedretti, Innschlucht, 1954, Privatsammlung

Das Kunstmuseum Solothurn zeigt eine exquisite Überblicksschau Turo Pedrettis

Nach 50 Jahren kehrt Turo Pedretti (1896-1964) mit einer exquisiten Überblicksausstellung in das Kunstmuseum Solothurn zurück: Über hundert Werke schaffen eine Dichte und Konzentration, wie man sie lange nicht mehr gesehen hat. Arbeiten aus zahlreichen Schweizer Museen, aus Privatbesitz und dem Nachlass sind in der Ausstellung versammelt, die in enger Zusammenarbeit mit den Nachkommen des Künstlers entstanden ist. Wer die Räume durchwandert, fühlt sich immer wieder an andere Künstler erinnert: an Cuno Amiet, Giovanni Giacometti, Edvard Munch, Ernst Ludwig Kirchner und Henri Matisse. Die Erkenntnis der Gemeinsamkeiten und Differenzen erleichtert einen Zugang. Mit einigen war Turo Pedretti bekannt, in anderen sah er Vorbilder. Die grosse Munch-Ausstellung im Zürcher Kunsthaus von 1922 hat ihn bestimmt beeinflusst und im Bild der Landschaft mit dem Landwasser-Viadukt lässt sich gar eine Hommage an Ernst Ludwig Kirchner erkennen. Er zeigt damit, in welcher Traditionslinie er sich verstand. Schnell entwuchs er diesen Einflüssen, denn er hatte genügend Ideen und Motive, um seinen eigenen Weg zu gehen. Pedrettis Stärke liegt im Umgang mit der Farbe und der Dynamik. Oft trug er seine Themen tagelang mit sich herum, um sie dann in wenigen Stunden und mit einem skizzenhaften Farbauftrag auf die Leinwand zu bannen. Doch auch in der Verwendung der Farben erweist sich Pedretti als avantgardistisch.

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Turo Pedretti, Kirchenmauer im Winter, 1959, Bündner Kunstmuseum

Darüber hinaus, verwendet er, ähnlich wie Edvard Munch, Farbe in symbolischen Konnotationen. Nicht zufällig ist der Hintergrund der „Trauernden (Irene)“ dunkelrot. Rot als Hintergrundfarbe kommt oft in Bildern mit Todesthemen vor. Und wenn sein letztes Bild aus Sestri Levante eine schwarze Frauengestalt und dahinter ein rotes Fenster zeigt, so ist darin die Beschäftigung mit der Endlichkeit zu sehen, so wie bei Munch die von Neid verzerrten Gesichtern gelb sind. In den Gruppenbildern, Porträts und Landschaften, zeigt sich Turo Pedrettis Potenzial. Schnee, Mond und Landschaften kombiniert er in seinen Nachtbildern zu einer magischen Einheit. Die Nachtbilder sind aber auch Ausdruck von Gefühlen. Wer nachts aktiv ist und sich in die Landschaft begibt, mag ein Melancholiker sein, hat dafür die Natur und die Motive für sich allein und verschmilzt vielleicht mit dem Kosmos. Mit der Ausstellung gelingt dem Direktor des Museums Chris­toph Vögele eine Seltenheit: die einzelnen Bilder in ihrer Unabhängigkeit zu einer Einheit zu verbinden. Die Ausstellung in Solothurn ist ein Genuss, Turo Pedretti ist viel zu wenig bekannt.

Turo Pedretti

Kunstmuseum Solothurn

Werkhofstr. 30, Solothurn.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 11.00 bis 17.00 Uhr, Samstag und Sonntag 10.00 bis 17.00 Uhr.

Bis 25. Mai 2015.

 

 

 




Kunstmuseum Solothurn